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15.04.1983 - 

Gegen den Massenbetrieb in der Ausbildung:

VAX von Digital soll Sokrates ersetzen

15.04.1983

Mit Computerhilfe möchte Digital Equipment die Ausbildungsqualität erhöhen. Frank-Michael Fischer, Technischer Leiter für systemgestützte Ausbildung bei Digital, Genf, beschreibt, wie der Rechner als Lehrer der Antike eingesetzt werden kann. Noch aber ist die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben.

Der Dialog des Sokrates mit seinen Schülern, Platos beliebte Methode der Wissensvermittlung, stellt unbestreitbar die intensivste Form des Lehrens und Lernens dar. Dabei bildet der Lehrer nur wenige, manchmal nur einen Studenten aus. Sokrates fragt gezielt, um die Schüler zu eigenem Denken anzuregen, statt an ihrer individuellen Lerngeschwindigkeit vorbeizudozieren. Wer versucht, einen sokratischen Dialog allein durch passives Lesen beizukommen, bringt sich um die eigenen Fragen, wird von der Dichte der Informationsvermittlung überwältigt.

Seit der Antike sind wir mehr und mehr abgewichen von diesem idealen Lehrverfahren und übergegangen zu Einbahnstraßen des Unterrichtens, wie sie heute an Schulen und Hochschulen nur allzuoft anzutreffen sind. Warum?

Im Altertum war Bildung das Privileg von wenigen. Heute werden massenhaft Kinder, Jugendliche und Erwachsene durch unser öffentliches oder privates Bildungssystem geschleust. Der sokratische Dialog ist von Quantität und Qualität des Lehrpersonals her unerschwinglich geworden. Die zunehmende Verschulung der öffentlichen Hände läßt nicht auf Besserung hoffen.

Dennoch, wo höchste Ausbildungsqualität gefordert ist, wird auch heute noch die antike Methodik - angepaßt an die Kultur unserer Zeit - überwiegend oder ausschließlich verwendet. Meisterklassen für Berufsmusiker oder die Pilotenschulung mögen als Beispiel dienen.

Könnte man nun den hervorragenden Musikpädagogen zu vertretbaren Kosten multiplizieren, ohne daß seine Attraktivität als Lehrer und sein Eingehen auf den einzelnen Studenten verloren ginge, könnte der Lehrstoff von heute mit der Qualität antiker Unterrichtsmethoden an beliebig viele Stundenten vermittelt werden. Hier kommt der Computer mit seine peripheren Ansteuerungsmöglichkeiten ins Spiel.

Im Vergleich zwischen Sokrates und dem Ausbildungsrechner (der Lehrstation) ist der antike Lehrer überlegen, wo auf völlig Unvorhergesehenes eingegangen werden muß, wo intuitiv auf die Psyche des Individuums reagiert wird. Gleich stehen sich beide, wo es auf Interaktivität, auf promptes Reagieren ankommt. In einigen Bereichen hat die Lehrstation mit ihrem speziell entwickelten Kurs sogar die Nase vorn:

- sie ermüdet nicht,

- sie ist billig,

- sie kann "künstliche Welten", das heißt Experimente, wie sie in der Natur nie ausgeführt werden könnten, simulieren, im Zusammenspiel von Farbgrafik mit Bild- und Tonmedien.

- moderne Speichertechnologie im Zusammenwirken mit Rechnernetzen eröffnet den potentiellen Zugriff auf die seit der Antike erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse, einschließlich der von Sokrates selbst;

- sie kann die Kursqualität mit wachsender Absolventenzahl frei von Subjektivität bewerten und den Kurs verbessern beziehungsweise dem Autor Hilfe zur Verbesserung sein.

Vom Vorzug der ständigen Verfügbarkeit abgesehen, sind alle anderen Vorteile potentiell. Sie kommen zum Tragen, wenn die Kurse so entwickelt worden sind, daß die Vorteile auch wirksam werden können. Alle Rechnersysteme, die zur Entwicklung von komplexer Software geeignet sind, bieten die technischen Voraussetzungen für die Entwicklung von Kursen mit den oben beschriebenen Vorteilen. Die Wirtschaftlichkeit wird dabei allerdings noch außer acht gelassen.

Anders ausgedrückt: Die Kursentwicklungskosten sind zu hoch, um breite Lehrgebiete abzudecken. Außerdem war die Integration von umfangreicher Farbgrafik und, gegebenenfalls, von Fernsehbild und -ton in die Kurse bisher nicht das Hauptanwendungsgebiet von Programmentwicklungswerkzeugen. Gleiches gilt für die Bewertung von Testantworten, die ja in der Regel in natürlicher Sprache abgefaßt sind und damit Toleranz und Redundanz einschließen.

Digital Equipment hat ein integriertes System zur Kursentwicklung und Kurswiedergabe geschaffen. Es ist auf VAX-Rechnern implementierbar und stellt bei einer entsprechend großen Zahl von Kursteilnehmern eine kostengünstige Ausbildungsmöglichkeit dar.

Neben der hervorragenden Ausbildungsqualität bietet diese Technologie einige weitere Vorteile in der Mitarbeiter- oder Kundenschulung:

- Die Lernstationen können am Arbeitsort installiert werden; Reisekosten entfallen.

- Wegen der individuellen Lerngeschwindigkeit verringert sich die mittlere Kursdauer erheblich; Mitarbeiter oder Kunden können ihre eigentlichen Aufgaben früher wieder aufnehmen.

- Die Lernstation ist jederzeit verfügbar; die Schulung fügt sich in den Arbeitsprozeß ein.

- Die Farbgrafik erhöht die Lernfreude, außerdem haben geschulte Mitarbeiter bessere Berufschancen und die Flexibilität im Unternehmen nimmt ebenfalls zu.

Die Ausbildungsqualität wird auch hohen Sicherheitsanforderungen, wie sie in Automobil- oder chemischer Industrie vorkommen, gerecht.

- Geografisch verteilte Unternehmen/Organisationen profitieren von der Einbeziehung der Lernstationen in Digital Equipments Netzwerk Architektur.

Digital Equipment bietet auch Beratung und Entwicklung in dieser Ausbildungstechnologie an. Einsatzmöglichkeiten ergeben sich beispielsweise in der Mitarbeiterschulung größerer Unternehmen und Institutionen, bei Herstellern, die Händlernetze mit Produkt- und Serviceinformationen versorgen müßen oder bei Verbänden, die ihren Mitgliedern Training anbieten wollen.