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VDO-Arbeitnehmer fordern Umsetzung des Börsengangs - Dokument

20.07.2007
Von Alexander Becker

Von Alexander Becker

Dow Jones Newswires

MÜNCHEN (Dow Jones)--Die Arbeitnehmer der Siemens VDO Automotive AG fordern vom Management und Aufsichtsrat der Siemens AG das Unternehmen an die Börse zu bringen und nicht an einen Investor zu verkaufen. "Wir erwarten, dass Vorstand und Aufsichtsrat der Siemens AG den Börsengang umsetzen, so wie es den Mitarbeitern angekündigt und in der Presse mehrfach favorisiert wurde", heißt es in einem Brief des VDO-Betriebsrats Regensburg an die Beschäftigten vom Freitag, in den Dow Jones Newswires Einsicht hatte.

Regensburg ist seit der Ausgliederung von Siemens VDO in eine rechtlich eigenständige Gesellschaft Anfang Juni der Unternehmenssitz des Unternehmens und mit über 7.000 größter Standort des Automobilzulieferers in Deutschland. Insgesamt beschäftigt Siemens VDO weltweit rund 53.000 Mitarbeiter, davon rund 21.000 in Deutschland.

"Mitte Mai wurde uns die Ausgliederung aus der Siemens AG als erster Schritt in Richtung Börsengang zur Zukunftssicherung schmackhaft gemacht. Wir sollten uns durch das Interesse von Finanzinvestoren an unserer Firma nicht verunsichern lassen", heißt es in dem Schreiben. Dow Jones Newswires hatte zuvor von mit der Situation vertrauten Personen erfahren, dass sich VDO-Wettbewerber Continental AG mit US-Automobilzulieferer TRW und dessen Mehrheitseigner Blackstone ein Bietergefecht um die Siemens-Tochter liefern. Continental soll demnach knapp über 11 Mrd EUR und Blackstone knapp über 12 Mrd EUR bieten.

Ein Siemens-Sprecher verwies mit Blick auf Anfrage auf eine kürzlich vom neuen Siemens-Vorstandsvorsitzenden Peter Löscher getätigte Aussage: "Wir werden das Thema Siemens VDO unter dem Wertgesichtspunkt abarbeiten. Der Vorstand wird dem Aufsichtsrat baldmöglichst einen Vorschlag machen, über den dieser entscheiden wird. Wir werden das Thema sauber und ordentlich im Aufsichtsrat diskutieren."

Der Betriebsrat Regensburg fordert angesichts der Trennung vom Mutterkonzern Siemens unter anderem Zusagen zur Beschäftigungs- und Standortsicherung sowie das Verbleiben im Flächentarifvertrag. "Unabhängig davon, welche Lösung letztendlich auf uns zukommt wird der Betriebsrat die Standort- und Beschäftigungssicherung als wichtigste Kernaufgabe betrachten", heißt es dazu in dem Brief.

Daher müsse sichergestellt sein, dass weiter in Innovation und Technologien investiert werde. Daher bevorzuge der Betriebsrat Lösungen, "die nicht zu einem verschuldeten und kraftlosen Unternehmen führen".

Ein Börsengang bringe "Geld in das Unternehmen, ganz im Gegenteil zu einem Verkauf, bei dem der Verkaufserlös bei der Siemens AG bleibt und die Verkaufssumme im neuen Unternehmen erwirtschaftet werden muss".

Der Betriebrat plädiert zudem dafür, den Standort Regensburg in seiner jetzigen Größe zu erhalten und als Hauptsitz des Unternehmens weiterzuführen. So würde eine Verlegung des Firmensitzes den Abbau "von vielen Arbeitsplätzen in Controlling und Verwaltung zur Folge haben".

Der Betriebsrat unterstütze zudem "Lösungen, die den positiven Teil der Siemens-Kultur mit der sozialen Absicherung der Mitarbeiter durch Betriebsrente und andere soziale Maßnahmen weiter gewährleisten". Die Grundlage dafür sei die Beibehaltung des Flächentarifvertrages. Um die finanzielle Basis dafür zu garantieren, seinen "natürlich eine wettbewerbsfähige Unternehmenssituation und Gewinne notwendig".

"Überzogene Gewinnvorgaben zur Schuldentilgung oder für Ausschüttungen an Anteilseigner lehnt der Betriebsrat aber ab und berücksichtigt dies bei der Beurteilung der möglichen Szenarien", schreibt der Regensburger Betriebsrat weiter in dem Brief ohne dieses näher auszuführen.

Anfang Juli hatte sich bereits der Siemens-VDO-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Dehen für einen Börsengang stark gemacht. "Ganz Siemens VDO will den Börsengang, sagte Dehen der "Börsen-Zeitung". Dies gelte für Mitarbeiter, das Management und durchaus auch für viele Kunden.

Siemens hatte in der Vergangenheit mehrfach erklärt, dass für eine Entscheidung über das weitere Vorgehen für einen möglichen VDO-Komplettverkauf verbindliche Angebote vorliegen müssen. Den bisherigen Aussagen des Vorstands zufolge wird ein Verkauf zwar nicht ausgeschlossen, Priorität besitzt aber ein Börsengang, den das Unternehmen bereits im Januar dieses Jahres angekündigt hat.

Angesichts der bisherigen Höhe der Gebote scheint ein Verkauf allerdings immer wahrscheinlicher. "Wenn die Angebotssumme deutlich über dem als Schwellenwert gesehenen zweistelligen Milliardenbetrag liegt, wird es der Aufsichtsrat schwer haben, ein Übernahmeangebot abzulehnen", hatte Dow Jones Newswires aus Siemens-Aufsichtsratskreisen erfahren.

Die Arbeitnehmerseite in dem Gremium werde aber wohl einem Verkauf nicht zustimmen können, wenn es dabei nicht zumindest die Zusicherung gebe, "dass man fair miteinander umgeht", hieß es in den Kreisen.

Webseite: http://www.siemens.de

http://www.siemensvdo.de

-Von Alexander Becker, Dow Jones Newswires, +49 (0)89 - 5521 4030

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