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07.10.1979 - 

Bundespost und Rechenzentrumsverband betonen Eigenständigkeit:

VDRZ: Papa ist pragmatisch konzipiert

BONN/HANNOVER/MÜNCHEN (ee) - Die kritischen Bemerkungen von Thomas H. Adenauer, Professor an der Fachhochschule Mainz, an dem "Datex-Projekt Papa (CW-Nr. 33, vom 17. August 1979) haben den Verband Deutscher Rechenzentren und die Bundespost zu trockenem Widerspruch animiert. Besonders die Klassifizierung der Zusammenarbeit zwischen Fernmeldetechnischem Zentralamt (FTZ) der Bundespost und dem VDRZ als "Entwicklungsgemeinschaft" wird angesichts der hohen Eigenleistungen, zu denen sich die mitarbeitenden VDRZ-Mitglieder verpflichtet haben, angegangen. Heikles Thema bleibt in der Stellungnahme auch die "Normungs" -Priorität.

Zunächst schreibt der VDRZ:

Dem Verband Deutscher Rechenzentren eV VDRZ ist vom Bundesminister für Forschung und Technologie (BMFT) das Projekt "Pilotanwendungen des öffentlichen Datenpaketvermittlungsdienstes für den Verbund zwischen Service-Rechenzentren und RZ-Kunden" zur Förderung bewilligt worden. Der Forderungsbetrag macht bei der derzeitigen Laufdauer des Projektes von zweieinhalb Jahren bis zu 10824600 Mark aus.

Es haben sich 24 mittelständische Service-Rechenzentren zu einer Entwicklungsgemeinschaft zusammengefunden. Es existiert nicht, wie ein Kritiker in CW-Nr. 33 vom 17. August 1979 meint, eine Entwicklungsgemeinschaft zwischen dem Fernmeldetechnischen Zentralamt (FTZ) der DBP und dem VDRZ.

Die Service-Rechenzentren werden mindestens je die Eigenleistung von sechs Mann-Monaten pro Unternehmen, über die Laufdauer des Projektes in die Entwicklungsgemeinschaft einbringen.

Ziel von Papa ist die freizügige und herstellerunabhängige Datenfernverarbeitung an einem offenen Netz, das heißt das Terminal eines Herstellers kann ohne besondere Vorkehrungen mit dem Rechner eines anderen Herstellers kommunizieren, beziehungsweise ein Rechner mit herstellerfremden Terminals. Hierbei handelt es sich weltweit um eine technologische Novität. Daraus werden für breite Anwenderschichten, vor allem auch aus dem Bereich der mittelständischen Unternehmen, wirtschaftliche und zukunftsorientierte Anwendungen erwartet. Die DBP unterstützt Papa, weil das Ziel der offenen Kommunikation auch in ihrem Interesse liegt.

Mit der Indienststellung von Datex-P durch die DBP Mitte 1980 werden jedoch nur teilweise die Voraussetzungen für die offene Kommunikation bereitgestellt.

Definition und Test normungsfähiger Protokolle sind nach Schätzungen aus der Fachwelt umfangreich und kostenintensiv:

a. Kein Hersteller wird derartige Investitionen von sich aus und allein tätigen.

b. Würde die Deutsche Bundespost Arbeiten, die Eingriffe in Datenverarbeitungsanlagen und Endgeräte der Betreiber bis zur Anwendungsebene (einschließlich!) zur Folge haben, durchführen oder in direktem Auftrage durchführen lassen, würde die gesamte Wirtschaft über den "Monopolisten DBP" herfallen.

c. Die Zusammensetzung des jüngst beim FTZ ins Leben gerufenen Teilnehmerarbeitskreises Datex-P beweist, daß sich auf breiter Basis Bedarf nach paketvermittelter Datenübertragung formuliert hat. Potentielle Anwender aus fast allen bedeutenden Bereichen der Wirtschaft und Verwaltung, beispielsweise Banken, Versicherungen, Bausparkassen, verschiedenste Institutionen aus Bund und Land interessieren sich für Datex-P und damit zusammenhängende Formen erweiterter und kostengünstigerer Datenfernverarbeitung.

d. So verzichtet die Deutsche Bundesbank ebenso auf die Etablierung eines eigenen Fernverarbeitungsnetzes zugunsten von Datex-P, wie die Öffentliche Hand, die die gleiche Absicht bekundet nachzulesen im Berichtsband über "Zweites Treffen über Rechnernetze in der öffentlichen Verwaltung" (BMI 013-195805/l2), das bei über zehntausend untersuchten Endeinrichtungen in verschiedensten Zweigen der Verwaltung folgende Empfehlung abgegeben wurde (Seite 42): "Unter Würdigung der im Vorhaben gewonnenen Erkenntnisse sowie unter Beachtung rechtlicher, organisatorischer und wirtschaftlicher Kriterien sollte künftig in den untersuchten Funktionsbereichen auf den Aufbau eigener Datenübertragungsnetze verzichtet werden. Statt dessen empfiehlt es sich, das von der DBP geplante Paketvermittlungsnetz zu benutzen. Dieselbe Empfehlung kann für Funktionsbereiche gegeben werden, die ähnliche Anforderungen an ein Datenübertragungssystem stellen wie die untersuchten Funktionsbereiche."

Eines der wichtigsten Kriterien dieser Untersuchung war die Wirtschaftlichkeit (konkret heißt das in diesem Fall: Einsparung von Steuergeldern)! Daß bei derart umfangreichem Bedarf der Wunsch nach Normen vor Einführung der Dienstleistung erhoben wird, kann den Kenner der Materie nicht verwundern. Die Festlegung der höheren Protokolle ist unabdingbarer Bestandteil der Arbeiten des VDPZ-Projektes. Der letzte Diskussionsstand der ISO-SC 16 vom Sommer 1979 ist in Papa berücksichtigt. Darüber hinaus sind Gutachten von in der Normenzeit auf international tätigen ausländischen Experten Bestandteil der derzeitigen Definitionsarbeiten.

Wegen des übergreifenden Interesses am Projekt Papa wurde seitens des Zuwendungsgebers (BMFT/GMD) ein projektbegleitender Ausschuß einberufen, der sich aus anerkannten Fachleuten aus Hochschule, Wirtschaft (auch Hersteller) und Verwaltung zusammensetzt und den Bundesminister für Forschung und Technologie bei der Vergabe von Steuermitteln berät.

Was die technische Infrastruktur von Papa betrifft, ist die Verwendung von Spezialrechnern zur Anpassung von Endeinrichtungen an Datex-P die kostengünstigste, weil pragmatische Lösung. Bei Verzicht auf die - zugegebenermaßen - vorgesehene Zwischenlösung müßten schwerwiegende Eingriffe in zum Beispiel Betriebsystem, Basis-Software Hardware etc. aller in Frage kommenden Herstellersysteme und Terminals vorausgesetzt werden. Diesen Zustand herbeizuführen würde, abgesehen vom wettbewerbpolitischen Umfeld, intensive Investitionen erfordern.

Es kann daher nur von einer sinnvollen Verwendung von Forschungsgeldern gesprochen werden, wenn das Ziel mit einem Bruchteil der Investition in praxisnaher Lösung erreicht werden kann.