Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

09.03.1984 - 

Amerikanischer PC-Hersteller präsentiert Sanierungsplan:

Vector sieht wieder Licht am Horizont

LONDON (kul) - Zum zweiten Mal seit Juli 1983 wartet Vector Graphic mit einem Sanierungsplan auf. Der vorige war durch die Auswirkungen des Osborne-Zusammenbruchs zum Stillstand gekommen.

Hatte Vector-Chefin Lore Harp letzten Juli noch prognostiziert, ihr Unternehmen werde bereits im Dezember wieder schwarze Zahlen schreiben so kam die Bekanntgabe der Geschäftsergebnisse des zweiten Quartals 1983 eher einem "schwarzen Tag" gleich: Gemeldet wurde ein Umsatzrückgang um 1,9 Millionen Dollar oder 72,1 Prozent auf 3,3 Millionen Dollar. Nach einem besonders mageren Novembererergebnis soll es bei dem amerikanischen PC-Anbieter jetzt jedoch wieder bergauf gehen. Gegenüber dem November betrug die Verkaufssteigerung im Dezember etwa 20 Prozent, für den Januar werden ähnliche Zahlen genannt.

Wie Dick Hahn, seit August 1983 Senior Vizepräsident für Marketing und Vertrieb, jetzt dem Londoner Informationsblatt "Infomatics" (IDB) versicherte, wendet sich das Blatt jetzt für Victor zum Positiven. Der neue Sanierungsplan umfasse Managementveränderungen, neue finanzielle Fonds, eine verbesserte Produktplanung sowie die Aufkündigung der Zusammenarbeit mit schwachen Händlern und Distributoren.

Im Januar konnte Lore Harp eine ,"Vitaminspritze" von zwei Millionen Dollar für das Unternehmen sicherstellen, die auf das Konto der Venture-Gesellschaft Burr Egan Deleage & Co. geht. Ein Teil dieses Abkommens, bescherte Jean Deleage, einem der Partner dieser Gesellschaft, den Vorstandssessel. Lore Harp behält die Präsidentschaft, während die anderen Mitbegründer von Vector, Ex-Ehemann Bob Harp und Carole Ely, gemäß dem Vertrag nicht mehr dem Vorstand angehören. Dafür gehört nun Tom Winter, ebenfalls Burr Egan Deleage, dem Board an. Weitere "Außenseiter" sollen in den nächsten zwei Monaten die Mannschaft verstärken. Bis zum Ende dieses Monats will Deleage noch drei bis fünf Millionen Dollar in das Unternehmen investieren.

Hahn zufolge repräsentieren diese Managementveränderungen den Wandel vom Familienbetrieb, der Vector einst gewesen sei, zu einem professionell geführten Unternehmen. Vorstandspositionen mit betriebsfremden Kräften zu besetzen, trage dazu bei, Vector in einem objektiveren Licht erscheinen zu lassen.

Bezüglich der Produkte beschloß das Team, der ursprünglichen Vector-4-Linie als zusätzliche Fähigkeit das Lesen von IBM-PC-Platten zu geben. Unter dem Namen 4-S wurde diese Version als neue Maschine auf der Which-Computer-Show in London und in den Vereinigten Staaten vorgestellt.

Der 4-S ist eigentlich ein Ersatz für den Vector 4, der zwar noch verkauft, aber nicht weiterentwickelt wird. Hauptzweck, den 4-S herauszubringen, war nach Ansicht des Londoner Informationsdienstes das Bestreben, so schnell wie möglich ein IBM-kompatibles Produkt auf den Markt zu bringen. Hahn zufolge war dies jedoch nicht die einzige Absicht. Der 4-S arbeite viermal schneller als der Vector 4, da er über ein Disk Controller Board von Western Digital verfüge, das mit den bisherigen Schnittstellenproblemen des Vector 4 ein für allemal aufräume. Damit sei der Grundstein für eine neue Produktpolitik gelegt, in deren Mittelpunkt IBM-Kompatibilität, Verbesserung des lokalen Netzwerks Linc sowie weitere Performance-Verbesserungen stünden.

Ein "sehr aggressives" neues Produkt soll im März auf den Mark kommen, Hahn will darüber aber noch keine weiteren Auskünfte geben.

Das letzte Gebiet, das der Sanierungsplan behandelt, ist schließlich die Distribution. Vector hat etwa 200 Vertragshändler in den Vereinigten Staaten und 22 in Europa. Nach Aussage des Marketingchefs ist dieses Netzwerk die größte Stärke des Herstellers, vor allem in den USA, wo es sich seit sieben Jahren bewährt habe.

Die Schwierigkeiten der letzten Zeit verlangten jedoch ihren Tribut; einige Händler mußten Konkurs anmelden, andere wiederum verlegten sich auf das Geschäft mit Alternativprodukten. In einem Ausleseprozeß sollen jetzt die unproduktiven Vertragspartner eliminiert werden.

Zwar sieht es im europäischen Hauptquartier des Herstellers in Windsor besser aus als in den Vereinigten Staaten, wo die Geschäftslage sich um den Break-even-point bewegt, doch glaubt Europa-Manager Nigel Timson, der Erholungsprozeß werde noch eine Weile dauern. Timson: "Hierzulande müssen sich die Unternehmen nach einer Rezession mühsam wieder hochrappeln, in den USA machen sie gleichsam von der Talsohle aus direkt einen Riesensprung nach oben". Trotz der Misere der letzten Monate sehen Hahn und Timson jedoch Licht am Horizont: "Wir mischen noch auf dem Markt mit, wir bekommen Geld und unsere Gläubiger sind bezahlt. Wir glauben fest, daß dieser Sanierungsprozeß uns wieder nach oben bringen wird".