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30.06.1989 - 

Nach neun Monaten Kampf erschien endlich ein "White Knight":

Venture-capital-Pionier rettet Prime vor MAI

NATICK (IDG) - Als Rettung in letzter Minute werten amerikanische Branchenbeobachter ein Übernahmeangebot des Finanzhauses J. H. Whitney & Co. für die Prime Computer Inc., die sich seit einem Dreivierteljahr einer Fusion mit MAI Basic Four widersetzt. Das traditionsreiche Venture-capital-Unternehmen zahlt zwei Dollar mehr pro Aktie, als MAI-Chairman Bennett Le Bow offeriert hatte.

Zur Überraschung vieler Branchenbeobachter, die in der Hängepartie um die "feindselige" Übernahme durch MAI bereits in Prime den Verlierer gesehen hatten, hat das Management des Minicomputer-Herstellers aus Natick doch noch einen Ausweg gefunden. Die DR Holdings Inc., die von der 43 Jahre alten Wagnisfinanzierungsgesellschaft J. H. Whitney getragen wird, überbietet jetzt dieb Tenderofferte des kalifornischen Konkurrenten um etwa zehn Prozent. Eine ähnliche Transaktion war Whitney 1987 gelungen, als das Investmenthaus den Peripherie-Spezialisten Decision Data vor einem "hostile takeover" durch Econocom bewahrte. Der zentrale Punkt der neuen Takeover-Alternative besteht darin, daß der Geldgeber nicht plant, die Unternehmensstruktur von Prime wesentlich zu verändern.

Bei Le Bow hingegen gehen Branchenanalysten allen Dementis zum Trotz davon aus, daß er kein Interesse am Fortbestand der Firma in ihrer jetzigen Form hat, sondern die einzelnen Geschäftsbereiche in abgespeckter Form zu einem guten Preis weiterverkaufen will. Aus diesem Grund hatte das Prime-Management unter Chairman David Dunn vehement und unter Ausnutzung aller juristischen Kniffe neun Monate lang die Übernahme durch die Le Bow/MAI-Holding Choice Corp. vereitelt. Doch alle Versuche, den "White Knight" den finanzkräftigen Retter in der Not, zu finden, schienen fehlzuschlagen.

Daß jetzt doch ein Happy-End zum Greifen nah ist, verdankt Prime einem früheren Junior-Manager, Russell Planitzer. Venture-capital-Fachmann David Dunn hatte den Harvard-Absolventen 1974 in der von ihm finanzierten Computerfirma Prime untergebracht, damit er praktische Erfahrungen sammeln konnte. 1981 verließ Planitzer das Unternehmen und wechselte zu J.H. Whitney, dem Pionier der Risikofinanzierung.

Nun konnte sich der einstige Finanz- und Marketing-Manager bei seinem früheren Mentor revanchieren. Planitzer, der auch den "Freikauf" von Concurrent aus dem Perkin-Elmer-Konzern gemanagt hat, besorgte das Geld für den Ankauf von gut drei Vierteln der umlaufenden Prime-Aktien - insgesamt 1, 1 Milliarden Dollar. Dabei hat er ein kanitalstarkes Konsortium im Rükken, das aus Shearson Lehman Hutton, der Chemical Bank und der First National Bank of Boston besteht. Die Nachricht von dem neuen Angebot trieb den Aktienkurs prompt um 3,13 Dollar auf 19 Dollar hoch.

An einem Problem kommt Prime aber auch mit dieser einvernehmlichen Lösung nicht vorbei: Die immense Abhängigkeit von fremdem Kapital schränkt die Bewegungsfreiheit des Managements ein - auch wenn Planitzer ins Tagesgeschäft nicht eingreifen will; Prime wird in hohem Maße "leveraged" sein. Marktforscher Charles Foundyller, Chef der Daratech Inc. in Cambridge, hält das aber für hinnehmbar: "Die schlechte Nachricht ist, daß Prime mit Schulden aus der Sache herauskommt. Die gute Nachricht ist, daß Prime lebendig aus ihr herauskommt. "