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08.08.2003 - 

In den USA erstmals seit zwei Jahren kein Rückgang der Investitionen

Venture-Kapitalisten sehen Silberstreif

MÜNCHEN (CW) - Die US-amerikanische Venture-Capital-Szene schöpft verhalten Hoffnung. Nach Jahren der Schrumpfkur wurde im zweiten Quartal wieder mehr Geld investiert. In Deutschland hingegen ging die Summe der Bruttoinvestitionen erneut zurück.

Der Frühling 2003 hat der angeschlagenen Gilde der Risikokapitalgeber in Übersee eine leichte Linderung verschafft. Erstmals seit zwei Jahren wuchsen die investierten Gelder in den USA verglichen mit dem Vorquartal. Wurden in den ersten drei Monaten noch etwa vier Milliarden Dollar in zukunftsträchtig erscheinende Unternehmen investiert, waren es zwischen April und Juni schon 4,3 Milliarden Dollar. Dies geht aus der regelmäßig erscheinenden "Moneytree"-Studie von Pricewaterhouse-Coopers, Thomson Venture Economics und dem Branchenverband National Venture Capital Association (NVCA) hervor. Die investierten 4,3 Milliarden Dollar entsprechen etwa dem Wert, der Ende 1997 erzielt worden war.

Besonders positiv fiel auch ins Gewicht, dass wieder mehr Geld für Frühphasenfinanzierungen ausgegeben wurde. Nach 668 Millionen Dollar im ersten Quartal stieg die Summe im zweiten Berichtszeitraum auf 956 Millionen Dollar an. Dies bedeutet das erste Wachstum im Frühphasensegment gegenüber dem Vorquartal seit immerhin drei Jahren. Auch bei Erstrundeninvestitionen konnte der Abwärtstrend gestoppt werden: Mit 775 Millionen Dollar wurden rund zwölf Prozent mehr Gelder als im ersten Quartal freigegeben - allerdings war Anfang 2003 das niedrigste Niveau der letzten acht Jahre verzeichnet worden.

Netzwerker nicht gefragt

Dabei entwickelten sich die einzelnen Industriesegmenten unterschiedlich. Der Bereich Software legte über alle Finanzierungsphasen hinweg um sieben Prozent auf 864 Millionen Dollar zu, während die Biotechnologie um 14 Prozent und die Medizingeräte sogar 54 Prozent gegenüber dem Vorquartal wachsen konnten. Schwer tun sich weiterhin die Netzwerkspezialisten, an Gelder zu gelangen. Hier schrumpften die Investitionen um sieben Prozent. TK-Unternehmen sammelten 21 Prozent mehr ein, Firmen aus der Halbleitersparte stagnierten.

Dieser Trend wird durch die Zahlen der Erstinvestments bestätigt: Lediglich zwei neu gegründete Netzwerkanbieter konnten Investoren überzeugen, ihnen Geld zu überweisen; bei TK-Spezialisten waren es immerhin elf Startups. In Front liegt die Software mit 31 Firmen, die sich 152 Millionen Dollar sichern konnten. Dies klingt nicht schlecht, war aber deutlich weniger als im Zeitraum zuvor. Ein Sprecher von Thomson Venture gab demzufolge auch zu Protokoll, dass Geldgeber immer noch eher auf ihre Bestandsunternehmen setzen, als Geld in neue Companies zu pumpen.

Keine Gewähr wollen Beobachter daher übernehmen, dass es sich bei den Zahlen um mehr als ein Strohfeuer handelt. Richtungsweisend wird das laufende Quartal sein - ein Zeitraum, der traditionell zu den schwächeren gehört. Sollte es der Branche in den USA jedoch gelingen, nicht wesentlich unter die zuletzt investierten 4,3 Milliarden Dollar zu fallen, wäre der erste Schritt durch die Talsohle getan. Von den Gipfeln des Jahres 2000, als pro Quartal durchschnittlich 25 Milliarden Dollar investiert worden waren, ist man indes noch weit entfernt.

Abwärts in Deutschland

Hingegen suchen die deutschen Risikokapitalgeber weiterhin nach dem Licht am Ende des Tunnels. Im zweiten Quartal sanken die Bruttoinvestitionen auf 409 Millionen Euro, nachdem in den drei Monaten zuvor noch 603 Millionen Euro angelegt worden waren. Immerhin zeigten die Finanzierungen in der Seed- und Startphase einen Aufwärtstrend - wenn auch von einem geringen Niveau aus. Gut entwickelte sich laut den aktuellen Zahlen des Verbands BVK auch das Fundraising, die Kollekte frischer Gelder: Wurden im ersten Quartal noch 205 Millionen Euro eingesammelt, waren es nun 269 Millionen Euro. Besorgnis erregt jedoch die Entwicklung im Branchensegment "Kommunikationstechnologien": Wurden hier von Januar bis März noch 234 Millionen Euro investiert, fiel der Wert im zweiten Quartal auf 13,8 Millionen Euro zurück. (ajf)