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20.02.2004 - 

Münchner Kreis diskutiert Auswirkungen quelloffener Software

Verändert Open Source die Softwareindustrie?

MÜNCHEN (wh) - Verändert das Open-Source-Modell die Softwareindustrie nachhaltig? Kommt es zu einem Paradigmenwechsel, den auch IT-Manager beachten müssten? Diese Fragen diskutierten Teilnehmer einer Fachkonferenz des Münchner Kreises. Für Streit sorgte ein Vortrag zu den juristischen Konsequenzen der Open-Source-Lizenz GPL.

"Open Source ist keine Organisation, sondern ein Prozess", konstatierte Bernd Brügge, Professor an der Technischen Universität München, zu Beginn der Veranstaltung. Die Softwareindustrie sei dabei, diesen Prozess anzunehmen oder habe dies bereits getan. Nun gelte es, dafür geeignete Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Joachim Henkel vom Institut für Innovationsforschung und Technologiemanagement an der Universität München vertrat eine ähnliche Auffassung. Mit den weltweit verteilten Aktivitäten stelle der Open-Source-Prozess zwar ein Novum in der Softwareentwicklung dar: "Ein Paradigmenwechsel findet jedoch nicht statt." Vielmehr zeichne sich bei Herstellern wie Anwendern eine Koexistenz von Open-Source- und proprietärer Software ab.

Open Source kann Innovationen fördern

Den viel diskutierten Zusammenhang von quelloffenen Systemen und technischen Innovationen beurteilte der Wissenschaftler differenziert. Einerseits bringe die Open-Source-Bewegung innovationsfördernde Eigenschaften mit sich, indem Programmcodes offen gelegt, begutachtet und weiterentwickelt beziehungsweise wiederverwendet würden. Damit ließen sich Systeme schrittweise verbessern und individualisieren. Andererseits aber seien die Möglichkeiten, Gewinne aus Innovationen in der Open-Source-Welt zu realisieren, eingeschränkt. So kann ein Entwickler etwa keine Lizenzgebühren erheben. Solche Faktoren wirkten innovationsbremsend. Für große, nicht zerlegbare Einzelanwendungen sei das Open-Source-Modell weniger geeignet.

Während die Diskussion zunächst überwiegend ohne Emotionen geführt wurde, kam es beim Thema der rechtlichen Besonderheiten im Zusammenhang mit Open Source zum offenen Disput. Thomas Hoeren von der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster nannte in seinem Vortrag "Open Source - Recht oder Chaos?" Probleme, die bei der Nutzung der General Public License (GPL), der am weitesten verbreiteten Open-Source-Lizenz, auftreten können. "Die GPL ist von ihren Machern zu keinem Zeitpunkt als juristisches Dokument verstanden worden. Es handelt sich um ein außerrechtliches Memorandum", so der Hochschullehrer. In einem für die Linux-Anhänger ebenso erheiternden wie provozierenden Beitrag sprach er davon, dass Richard Stallman, einer der Urheber der GPL, "antijuristisch" denke. Viele Fragen im Zusammenhang mit der GPL seien juristisch nicht lösbar, so beispielsweise, ob es sich bei der unentgeltlichen Hergabe von Software um eine Schenkung im Sinne von Paragraph 516 BGB handle. Open-Source-Software lasse sich weder dem Vertragstypus des Schenkungsrechts noch irgendeinem anderen Rechtsgebiet zuordnen.

Seine Ausführungen untermalte Hoeren mit älteren Fotos von Stallman, die den Gründer der Free Software Foundation (FSF) unter anderem mit Heiligenschein als einen kompromisslosen und anarchistischen Verfechter des Open-Source-Gedankens erscheinen ließen. Sichtlich verärgert reagierte Bruce Perens, ebenfalls ein prominenter Open-Source-Protaganist, auf den Vortrag. Er verlangte "etwas mehr Respekt" vor den Leistungen Stallmans, der sein ganzes Erwachsenenleben der Förderung quelloffener Software gewidmet habe. Die Ausführungen zu den angeblichen juristischen Problemen im Zusammenhang mit der GPL seien zum Teil schlicht falsch.

Auch Till Jaeger vom Institut für Rechtsfragen der Freien und Open Source Software (www.ifrOSS.de) in München, kritisierte die Thesen. Die Praxis zeige, "dass die GPL in den meisten Teilen funktioniert". Hoeren habe mögliche Probleme überspitzt und ohne weitere Diskussion dargestellt, um Aufmerksamkeit zu erregen, so der Anwalt gegenüber der CW. So aber würde dies kein Gericht sehen: "Es gibt keine juristisch unlösbaren Probleme."

Wie sich Open-Source-Software im praktischen Einsatz bewährt, zeigten zahlreiche Berichte von IT-Verantwortlichen. So greift etwa der Bayerische Rundfunk für etliche spezialisierte Server auf das quelloffene Betriebssystem Linux zurück. Damit habe man vor allem ältere Unix-Plattformen abgelöst, erklärte CIO Michael Hagemeyer. Für die Kernanwendungen in der Produktion von Hörfunk und Fernsehen biete Open-Source-Software aber noch keine Alternative.

Dass sich Linux auch für größere Anwendungen eignet, belegte Benedikt Georgi vom IT-Dienstleister Siemens Business Servivces (SBS). Für den Siemens-Konzern führte sein Unternehmen die SAP-Personalverwaltung R/3 HR auf einer Linux-Plattform ein. Rund 2000 Benutzer greifen auf das System zu. Jochen Hertle vom Mobilfunkkonzern Vodafone stellte die Möglichkeiten von Linux als Embedded-Betriebssystem heraus. Damit sei nicht zuletzt die Chance verbunden, "die Abhängigkeit von dominanten Herstellern wie Microsoft oder Nokia " einzudämmen.

Ist Linux sicherer als Windows?

Diesen Aspekt betonte auch Udo Helmbrecht, Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn. Der Einsatz quelloffener Software vermeide Monokulturen in der Systemlandschaft, die leichter angreifbar und daher sicherheitstechnisch bedenklich seien. "IT-Sicherheit ist ein Prozess", so der Experte. Um sie erhalten zu können, müssten die Verantwortlichen das System genau kennen, regelmäßig warten und Sicherheitslücken schnell beheben. Zwar biete die Nutzung von Open-Source-Software per se keine Gewähr für ein sicheres System. Im notwendigen Prozess jedoch liefere sie bedeutende strategische Vorteile.

Wie häufig bei Veranstaltungen dieser Art ließen die Organisatoren auch Microsoft zu Wort kommen. Alfons Stärk von der deutschen Konzerntochter nahm die Gelegenheit wahr, um auf einige grundsätzliche Fragen hinzuweisen, die sich IT-Verantwortliche bei Investitionsentscheidungen stellen sollten. So sei stets zu prüfen, welchen Mehrwert die angestrebte Lösung für ein Unternehmen erzielen könne. Zudem sollte eine Analyse der gesamten Kosten über einen längeren Zeitraum von etwa fünf Jahren vorausgehen. Auch die Frage nach dem Investitionsschutz und der Planungssicherheit für neue Technologien müsse beantwortet werden.