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29.10.1993

Veraergerung wegen Classic Line 7.0 Dauerstreit zwischen KHK und seinem Haendlerverein eskaliert

MUENCHEN (gfh) - Zu einer regelrechten Schlammschlacht entwickelt sich die Auseinandersetzung des Standardsoftware-Anbieters KHK mit seinen Haendlern. Nachdem das Frankfurter Softwarehaus Fachhaendler wie Anwender mit einer fehlerhaften Version des Softwarepakets "Classic Line" veraergert hatte, argwoehnen einige Haendler nun, KHK wolle sie ganz aus dem Geschaeft draengen.

"Mit der Version 7.0 von Classic Line hat uns KHK ein dickes Ei ins Nest gelegt", erinnert sich Computerhaendler Bernhard Schmid an den Grund fuer das Aufbegehren der Haendler vor ueber einem Jahr. Die fehlerhafte Version der KHK-Standardsoftware habe ihm einen Schaden von rund 80 000 Mark verursacht. Verschaerft habe sich die Situation, weil sich KHK mit der Fehlerkorrektur ungebuehrlich viel Zeit gelassen habe.

Um sich zu organisieren, hat sich ein Teil des Fachhandels anfang dieses Jahres unter der Leitung von Stephan Treitz und Peter Rademacher, beide Geschaeftsfuehrer der Bremer Meridian Software GmbH, zum KHK Haendlerforum e.V zusammengeschlossen.

Im Gespraech mit der KHK-Geschaeftsleitung draengte die Vereinigung auf Beseitigung der Softwarefehler von Classic Line 7.0. Diese erfolgte schliesslich weitgehend kurz vor der Systems durch die Freigabe der Version 7.01.

Fuer einige Fachhaendler kam dieses Einlenken jedoch zu spaet. Lange Zeit hatte KHK keine Anstalten gezeigt, auf die Noete seiner Kunden einzugehen, und damit das Haendlerforum zu Initiativen greifen lassen, die das Klima endgueltig vergifteten. So hatte der Verein das Produkt des Konkurrenzunternehmens Baumann & Bayer Software GmbH (BBS), Uhlingen, getestet und den KHK-Kunden auf ihrer Tagung vorgestellt. Besonders ungehalten reagierte KHK auf diese Aktion, weil BBS ihre "Business-Line"-Software zum Nulltarif feilbot, nur die Wartung sollten umstiegswillige KHK-Kunden zahlen muessen. Ein Gericht verbot zwar dieses unzulaessige Koppelgeschaeft, dennoch haben inzwischen laut BBS 36 Haendler - darunter Schmid - ihre Angebotspalette erweitert.

Die abtruennigen Fachhaendler werfen dem KHK-Chef Karl-Heinz Killeit im nachhinein Ueberheblichkeit vor. Dieser habe zwar die Pflicht zur Nachbesserung seines Unternehmens prinzipiell eingeraeumt, wollte sich damit aber beliebig viel Zeit lassen. "Es ist eine Sauerei, ein Jahr lang warten zu muessen", macht sich ein Haendler Luft. Er fuegt hinzu: "Ohne das Haendlerforum gaebe es jetzt noch keine Version 7.01" Eine Meinung, die auch Hans Duisenberg, Chef des gleichnamigen DV-Unternehmens in Stuttgart, teilt, auch wenn er kein Mitglied des Vereins sei.

Gaenzlich anders sieht man bei KHK den Sachverhalt. Laut der Hauszeitschrift "KHK Info Line" betreiben die beiden Initiatoren des Haendlerforums "eigennuetzige wirtschaftliche Interessen". Im Gespraech wird KHK-Pressesprecher Kurt-Christian Tennstaedt deutlicher. So haetten Treitz und Rademacher das Haendlerforum gegruendet, weil ihnen KHK die Stundung von Aussenstaenden in Hoehe von mehr als 10 000 Mark verweigert habe.

Dass es den beiden nur ums Geld gehe, belegt Tennstaedt mit dem schriftlich dokumentierten Hinweis, Rademacher habe sich im Auftrag von Treitz auf der Systems einen "Waffenstillstand" mit KHK versilbern lassen wollen. Im Wortlaut: "Am 20. 10. machte Herr Rademacher auf dem KHK-Systems-Stand (...)0 Herrn Killeit das muendliche Angebot, gegen eine Zahlung in sechsstelliger Hoehe an Herrn Treitz persoenlich sei dieser bereit, aus dem Vorstand des Haendlerforums auszuscheiden und seine diesbezueglichen Aktivitaeten einzustellen."

Zwar raeumt Rademacher ein, dass Treitz daran denke, den Vorsitz des Haendlerforums aufzugeben. Den Versuch, daraus Kapital zu schlagen, hat es jedoch, so versichern Treitz und Rademacher, nie gegeben. Laut DV-Unternehmer Duisenberg hat das Haendlerforum mit Herausgabe der Korrekturversion 7.01 von Classic Line sein Ziel erreicht und ist seither ohne Aufgabe. Das kann sich jedoch rasch aendern, denn schon zieht neues Unheil auf. KHK hat eine Reihe von Haendlervertraegen gekuendigt und will sie durch eine Neufassung ersetzen. Duisenberg spricht von "Knebelvertraegen".

Obwohl laut KHK-Pressesprecher Tennstaedt bisher nur von Meridian die Vertraege aufgekuendigt wurden, weiss Duisenberg von ueber 300 betroffenen Unternehmen, zu denen nach seiner Aussage alle Mitglieder des Haendlerforums gehoeren. Auch er habe ein Formular erhalten, mit dem er in die neuen Geschaeftsbedingungen einwilligen solle. Zu den neuen Konditionen gehoert laut Duisenberg, dass jeder Haendler pro 50 Kunden einen von KHK zertifizierten Mitarbeiter einstellen muss, dass die Software nicht mehr beim Anwender praesentiert werden darf und die Haendler nur noch Orginalhandbuecher und -verpackung ausliefern duerfen, die sie zu hohen Gebueren bei KHK beziehen muessen. Bisher erwarben die KHK-Haendler eine Kopierlizenz, die sie beliebig oft vervielfaeltigen und weiterverkaufen durften.

KHK verteidigt die Neuerungen mit der Notwendigkeit, die Angebotsqualitaet bei den Haendlern zu verbessern. Duisenberg und Rademacher aeusserten unabhaengig voneinander einen ganz anderen Verdacht. Danach koennte KHK beabsichtigen, sein unbequem gewordenes Haendlernetz loszuwerden und Classic Line - wie bereits die Produktreihe Euroline - direkt zu vermarkten. Ueber das dafuer noetige Vertriebsnetz verfuege KHK bereits durch seine Regionalbueros, erinnert Duisenberg.