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03.11.2000 - 

Anleitungen für Industrie und Politik

Verantwortung im Umgang mit dem Internet entwickeln

Dieser Band ging aus den Vorträgen und Debatten des "Internet Content Summit" hervor, den die Bertelsmann Stiftung ausrichtete. In seinem Zentrum steht ein Memorandum mit Ratschlägen an Unternehmen und Politik, das Bundesinnenminister Otto Schily übergeben wurde. Die Autoren setzen in erster Linie auf Selbstregulierung. Von Inge Steutzger*

Der Band "Verantwortung im Internet" weist die zentrale Rolle im Umgang mit "rassistischen und diskriminierenden Websites, Kinderpornografie, Anleitungen zum Bombenbau oder Sites für den Drogenhandel" dem einzelnen Bürger selbst zu. Damit nehmen die Autoren einen Standpunkt ein, der in den USA mehr Zuspruch erhält als in Deutschland. Nach einer Umfrage des Allensbach-Instituts wollen nämlich in den USA 48 Prozent der Internet-User die Verantwortung im Umgang mit illegalen und unethischen Inhalten selbst übernehmen, in Deutschland sind dies nur magere 19 Prozent. Weitgehende Übereinstimmung zwischen Internet-Nutzern aus beiden Ländern besteht aber, wenn es um die Kontrolle von Filtersystemen geht: Die wollen sie selbst ausüben.

Selbstregulierung sowie Verhaltensrichtlinien sind die Grundpfeiler einer neuen "Verantwortungskultur", die die Internet-Industrie entwickeln müsse. Ihr sollte daran gelegen sein, "das Internet familienfreundlich zu gestalten". Selbstregulierungs-Institutionen sollen zwar unabhängig arbeiten können, bei der Definition und Umsetzung von Verhaltensrichtlinien aber von Behörden gefördert werden. Der Internet-Industrie andererseits obliege es, Kunden mit Informationen über die Selbstregulierung zu versorgen, etwa schon beim Kauf von Hardware oder dem Abschluss eines Vertrages mit einem Provider.

Wichtiges Mittel des Jugendschutzes im Internet sind Filtersysteme. Bei der Abschirmung unerwünschter Inhalte dürfen sie die Autonomie des Nutzers, das Recht auf freie Meinungsäußerung, Vielfalt, Transparenz, Datenschutz und Systemkompatibilität nicht beeinträchtigen. Die Autoren schlagen ein "Sandwich-Modell" vor. Grundlage hierfür bildet die Platform for Internet Content Selection (Pics). Auf einer ersten Ebene befindet sich ein Grundwortschatz, den die Inhalteanbieter selbst zusammenstellen. Darüber liegen "Bewertungsschablonen" von Dritten, die dieses Vokabular danach bewerten, ob es für Kinder geeignet ist. Schließlich geht es auf der dritten Schicht um Bewertungen einzelner Websites mit Positiv- und Negativlisten. Content-Anbieter sollten weltweit zu einer derartigen Klassifikation aufgefordert werden, flankiert etwa durch steuerliche Anreize.

Hotlines können problematische Netzinhalte sichten und Nutzer beraten. Sie sind in der Lage, rasch auf zweifelhafte Inhalte zu reagieren, die durch Filtermechanismen nicht ausgeblendet werden können.

In der Strafverfolgung sehen die Autoren eine Ergänzung zu den Mechanismen der Selbstregulierung. Diensteanbieter, die nur Inhalte von Dritten speichern, sollten nur dann haften müssen, wenn sie um illegale Inhalte wissen und wenn deren Beseitigung "technisch möglich und wirtschaftlich zumutbar" ist. Ergänzt werden die Beiträge durch den Abdruck einer Allensbacher Repräsentativbefragung.

Jens Waltermann, Marcel Machill (Hg.): Verantwortung im Internet. Selbstregulierung und Jugendschutz. Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung 2000. 544 Seiten, 44 Mark.

*Inge Steutzger arbeitet als freie Autorin in München.