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Was ist ein Minicomputer?

Verbaler Aufputz für kleine Kisten

18.11.1977

Die Antwort geriet zum beschmunzelten Gag, als DEC-Chef Kenneth Olsen bei der Ankündigungs-Pressekonferenz für den neuen "32-Bit-Meilenstein" VAX-11/780 (CW

46 vom 11. 11. 1977, Seite 1) gefragt wurde, was ist ein Minicomputer? Olsen lakonisch: "In unserem Land jeder kleine Rechner, der nicht von IBM gebaut wird". Auf Nachhaken räumte er indes ein, daß nicht einmal diese Umschreibung noch zutreffe: "Es gibt keine Definition." Nicht wegzuleugnen ist, daß eine - wie auch immer geartete - Spezies von Rechnern als "Mini" verkauft wird.

Was Olsen sinngemäß sagt: Das "Etikett" ist zwar gleichgeblieben, der Inhalt jedoch ein anderer geworden. Und darüber muß gesprochen werden.

Dies vorweg: Zwischen New-England und Golden Gate tun sich die EDV-Spezialisten im Umgang mit Definitionen sicher leichter als europäische Datenverarbeiter. Dazu hätte es auch des Olsen-Hinweises nicht bedurft, die legere Handhabung von Begriffen charakterisiere amerikanische Lebensart - eben auch in der Computer-Community. Drüben kennt man vor allem eine Schwierigkeit nicht, die Schlegel an Shakespeare wachsen ließ: einen Begriff aus einer fremden Sprache übersetzen zu müssen. Die Wiege des Minicomputers stand eben - wie wir das sehen - in Boston und nicht in Paderborn. Womit wir bei einer historischen Betrachtung wären: Sie könnte hilfreich sein, die Minicomputer kennzeichnenden Merkmale herauszuarbeiten. Die ersten Universalrechner vom Mietshaus-Kaliber eines ENIAC waren - von der Eingabe her auf Lochkarten fixiert - für die Lösung von Regel- und Steueraufgaben ungeeignet und vor allem viel zu teuer. Der Wunsch nach kleineren preiswerteren Steuerrechnern war also Vater des Minicomputer-Gedankens. In diesem Sinne paßte der Name wie die Faust aufs Auge, stand "mini" für klein, für kompakt.

Angesichts der technologischen Entwicklung auf dem Minicomputer-Sektor, die zur "Großintegration" in einzelnen Prozessor- und Speicher-Baugruppen geführt hat (und damit zu einer "wahnwitzigen" Miniaturisierung), besteht eigentlich keine Notwendigkeit, die traditionelle Minicomputer-Definition zu revidieren. Abgrenzungsprobleme gibt es allerdings nach unten: Durch die One-Chip-Prozessoren wurde die Entwicklung hyperkleiner Rechner-Baugruppen ermöglicht, die neuerdings als "Mikrocomputer" durch die Fachliteratur geistern. Den Begriffs-Wirrwarr (Mikroprozessor, Mikrocomputer) zu entflechten, ist an dieser Stelle nicht beabsichtigt. Zumal sich auch an der Grenze zum Universalrechner eine Grauzone gebildet hat, in der mit dem Begriff "Minicomputer" Understatement betrieben wird. Denn die Minis haben in den vergangenen Jahren leistungsmäßig enorm zugelegt, platzen vor Kraft förmlich aus den Schweiß-Nähten.

Wortgeklingel und Marketing-Tricks

Längst läßt sich die 16-Bit-Struktur, die eine Begrenzung der direkt adressierbaren Hauptspeicher-Kapazität zur Folge hatte, nicht mehr als bestimmendes Merkmal anführen, wie erst die jüngste DEC-Ankündigung deutlich machte. Und auch mit dem Kriterium der im positiven Sinne "einseitigen" Auslegung für bestimmte (traditionell technisch-wissenschaftliche) Anwendungen ist Minicomputern definitorisch nicht mehr beizukommen. Da behelfen sich, was den Punkt "Performance" angeht, die Marketing-Strategen der führenden Minicomputer-Hersteller mittlerweile mit Wortgeklingel vom Midi-Mini, Maxi-Mini oder Supermini. Interdata hat für sein 32-Bit-Spitzenmodell die schillernde Bezeichnung "Megamini" gewählt. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. In Sachen "Wortlänge" wissen dagegen selbst die Insider bei den Herstellern nicht mehr, welchen Stellenwert sie diesem Merkmal überhaupt beimessen sollen.

Viel Lärm um Nichts

Unterdessen hat die Diskussion einen Anstrich von "l?art pour l?art" bekommen: Denn solange komplexe kommerzielle Anwendungen noch nicht mit 32-Bit-Minicomputern gelöst werden, wird es kein Argument sein, daß es durch die 16-Bit-Struktur Beschränkungen gab. Für die meisten Applikationen waren bereits die herkömmlichen Minicomputer überdimensioniert, wenn man die Tauglichkeitsfrage allein auf die Hardware abstellt. Die Crux lag und liegt bei der Verfügbarkeit von Software, wobei unbestritten ist, daß auf der Betriebssystemseite ausgereifte Pakete vorhanden sind. Es hapert bei den Benutzerprogrammen für die Lösung kommerzieller Aufgaben. Das Kriterium "Software-Verfügbarkeit" eignet sich offensichtlich nicht für die Einstufung von Rechnern. Wie wäre das: "Softwareklassen"-Computer mit Noten von 1 (sehr gut) bis 5 (nicht genügend)? Also bleibt man bei Bezeichnungen wie Universalrechner (auch wenn das Ding nicht alles kann), oder Minicomputer (auch wenn Maxi-Leistung dahintersteht), oder MDT (auch wenn sich die Mitte verschoben hat).