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30.03.1990 - 

VDMA und ZVEI. - Die neuen Indikatoren sind So ware und Services

Verbande hoffen auf gebremste Talfahrt der Branchenkonjunktur

HANNOVER (bi) - Zweistellige Zuwachsraten bei der Software und geringe Hardwaremargen prägen künftige Entwicklungen der DV-Branche. Zu diesem Schluß kamen auf der CeBIT übereinstimmend Horst Nasko, Nixdorf-Chef und Vorsitzender der Fachgemeinschaft Büro- und Informationstechnik im VDMA, und Klaus Krone, Berlin, Sprecher des ZVEI.

Hintergrund: Ein Minus von 0,6 Prozent bei den (Hardware-) Umsätzen 1989 - entstanden vor allem in der Büro- und Informationstechnik. Prognose für '90: Eine Branchenumsatzsteigerung von insgesamt acht Prozent einschließlich Software und Service.

Für 1989 weist die amtliche Statistik einen Umsatz von 39,4 Milliarden Mark für die Branchenkomponenten Büro, Informations- und Kommunikationstechnik aus, eine Zahl, die sich überwiegend an der Hardware orientiert und die gegenüber 1988 eben ein Minus von 0,6 Prozent bedeutet. Nasko möchte diese Zahl indes erheblich nach oben korrigiert wissen, da sie kein verläßlicher Indikator mehr für die Branchenentwicklung sei. Wesentliche Impulse kommen in jüngster Zeit stärker von der Software und den Serviceleistungen, die in zunehmenden Maße das Marktgeschehen prägen (siehe Tabelle 2 ). Das SW-Marktvolumen bezifferte Nasko für 1990 bei einem Plus von 10 Prozent auf zirka 35 Milliarden Mark.

Inlandsmarktexpansion: Auf echt Prozent gesunken

Die Auftragseingänge bei der Informationstechnik waren 1989 mit minus 2,4 Prozent insgesamt rückläufig. Im vierten Quartal wurde jedoch mit 3,5 Prozent wieder ein Wachstum erreicht, vor allem durch die um 8,7 Prozent gestiegenen Aufträge aus dem Inland. Die Produktion bei der Informationstechnik sank um 3,4 Prozent auf 16,8 Milliarden Mark, der Umsatz ging um 3,5 Prozent auf 17,2 Milliarden Mark zurück.

Betrachtet man den Inlandsmarkt insgesamt, so konnte nur ein kleiner Bereich der Kommunikationstechnik noch relativ gut wachsen, der der Signal- und Sicherheitstechnik, und zwar mit 10,5 Prozent (1988 waren es 13,7 Prozent). Einigermaßen halten konnte sich die Informationstechnik. Hier stieg das Marktvolumen noch um acht Prozent auf 23,5 Milliarden. Im Vorjahr hatte dieses Marktsegment um 13,5 Prozent zulegen können.

Relativ günstig sieht es beim Umsatz an kommunikationstechnischen Geräten und Systemen aus. Klaus Krone, Vorsitzender des Fachverbandes Informations- und Kommunikationstechnik im ZVEI, nannte trotz sinkender Erzeugerpreise ein Umsatzplus von drei Prozent.

Dabei konnten die Japaner mit einem Anteil von fast 50 Prozent bei den Einfuhren ihren Marktanteil auf 13,4 Prozent ausbauen, was eine Verdreifachung seit 1985 bedeutet. Aber auch die in Deutschland produzierenden Unternehmen erhöhten ihren Umsatz einschließlich Mieten und industrielle Dienstleistungen um 3 Prozent auf 21 Milliarden Mark - bei um 1,1 Prozent sinken. dem Erzeugerpreisindex.

Insgesamt ist die Anzahl der Beschäftigten in der Informations- und Kommunikationsbranche auch 1989 wieder um 2,9 Prozent zurückgegangen, nämlich auf 217 900. Für den Software- und Servicebereich würden jedoch nach wie vor qualifizierte Mitarbeiter gesucht. Selbst die Umsatzsteigerung in der Kommunikationstechnik geht mit einem Rück. gang der Anzahl der hier Beschäftigten von 3,3 Prozent einher.

Die Entwicklung in DDR und Osteuropa werde auch für die deutschen Unternehmen der Branche wieder Impulse geben, sagte Nasko. 1988 hatten die bundesdeutschen Exporte in die RWG-Länder - ohne DDR - lediglich einen Anteil von 1,7 Prozent an den Gesamtexporten. In die DDR wurde im gleichen Jahr Büro- und Informationstechnik im Wert von nur 80 Millionen Mark geliefert.

Der VDMA-Sprecher bekräftigte seinerseits, daß für die Staaten Osteuropas Hilfen der westlichen Industrie dringend erforderlich seien, um marktwirtschaftliche und freiheitliche Reformen zu verwirklichen. Kooperationen könnten jedoch nur entstehen, wenn sich die westlichen Partner im Cocom auf effektive Schritte zur Liberalisierung der Kontrolliste einigten. Dies müsse schnell geschehen, meinte Nasko.

Allerdings dürfe der Blick nach Osten nicht den nach Westeuropa und auf die EG versperren. Auch von der Vollendung des Binnenmarktes würden zusätzliche Impulse ausgehen. Schon im Jahr 1988 betrug die Produktion von Büro- und Informationstechnik in den zwölf EG-Mitgliedsländern mehr als 77 Milliarden Mark, das Marktvolumen belief sich auf 98 Milliarden Mark. Die Prognose für 1992 lautet: Die deutsche Büro- und Informationstechnische Industrie könnte über 80 Prozent ihrer Produkte auf dem EG-Binnenmarkt absetzen. 1989 gab es für die Ausfuhren insgesamt bereits eine Steigerungsrate von 14,4 Prozent bei einem Minus im Jahr 1988 von 2,2 Prozent.

Instabiles Zahlenmengengerüst

Geringere Hardwaremargen, aber Musik im Softwaremarkt, fallende Grenzen, aber enttäuschte Umsatz- und erst recht Gewinnerwartungen trotz scheinbar günstiger Rahmenbedingungen für die Büro- und Informationstechnik prägen das ambivalente Bild, das die Industrieverbände in diesem Jahr für die Branchenkonjunktur zeichen.

Für die Fachgemeinschaft Büro- und Informationstechnik im VDMA - beide Teilmärkte sind mit Minuspunkten behaftet - hätte der VDMA-Sprecher und Noch-Nixdorf-Chef Horst Nasko gerne "immer mehr e i n e n informationstechnischen Gesamtmarkt", der auch statistisch eine Einheit wäre.

Das Zahlenmengengerüst, alljährlich neues Menetekel oder neuer Triumph der Branche, hat sich zur Generierung verläßlicher Marktindikatoren demzufolge überholt. Die peinlichen Preisverfalls-Anzeichen in der Hardware seien nicht wirklich beunruhigend, wiewohl doch gerade der Nixdorf-Showdown eine ganz andere Sprache spricht. Die Software werde die Wertschöpfung schon bringen, von den Services ganz zu schweigen. Sicher ist eine solche Forderung nach einer neuen Markt-Matrix berechtigt, gleichzeitig jedoch ein Abgesang auf alle Unternehmen ohne "Systemkompetenz", und das sind sehr viele.

Als ob das, was heute (zu) billige Hardware ist, nicht vorgestern noch teure Soft- und Hardware gewesen wäre. Leider ist der Life Circle von informationstechnischem Equipment nicht mit dem der Mailänder Frühjahrsmode zu vergleichen. Auch wenn die Chip-Generationen nur so aus dem Zauberhut der FuE-Divisions zu purzeln scheinen, die Oldtimer laufen und laufen.

Ausweg: möglichst nicht zu den alten 8- und 16-Bit-Hündchen kompatible Services. Das läuft dann beispielsweise so: Wer via ISDN Computer-unterstütztes Telefonieren für seine Marketing-Abteilung einführen will, der muß seine Tele-Akquisiteure erst einmal mit ISDN Adapterkarten-fähigen XTs und ATs ausrüsten. Am besten, der Kunde ordert gleich das ganze Service-Paket, bestehend aus Hardware, Software und Services.

Dieses informationstechnische Gesamtprodukt geht dann in eine informationstechnische Gesamtstatistik ein, die als Markt-Matrix möglicherweise noch weniger Markttransparenz zuläßt, als die heutige Methode der Marktbetrachtung. bi