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09.05.1975 - 

Wirtschaftlichkeit von Verbundnetzen:

Verbundnetz contra Minilösung

MÜNCHEN - Für den Zusammenhang zwischen dem Kaufpreis eines Computers und seiner Leistungsfähigkeit besteht nach Herbert Grosch eine Faustformel: Power = (Kosten)²

Demnach steigt die Leistungsfähigkeit eines Computers ungefähr mit dem Quadrat der Kosten. So war es jedenfalls bisher.

Der Anwender könnte daraus schließen, daß Verbundnetze mit wenigen großen Rechnern kostengünstiger sind als Lösungen mit vielen kleinen Anlagen.

Diese Zusammenhänge wurden vom britischen Professor G. Wells von der Universität in Leeds untersucht und kürzlich auf einem Softwarekongreß in England vorgetragen. Für die ICL-Serie 1900 konnte das Gesetz von Grosch in etwa bestätigt werden - mit der Abweichung, daß der Exponent nicht zwei, sondern 1,8 ist.

Was ist Power?

Die Leistungsfähigkeit einer EDV-Anlage ist durch drei wesentliche Merkmale gekennzeichnet:

- Rechengeschwindigkeit:

Sie ist nicht nur in Zykluszeiten oder an der Zahl der Operationen pro Sekunde zu messen, sondern auch an ihrer Leistungsfähigkeit bei Zeichenverarbeitung, zu der vor allem Compilierarbeiten gehören.

- Datenspeicherung:

Die Leistungsfähigkeit beruht einerseits auf der Datenübertragungsrate, andererseits auf der Speicherkapazität. Der Zusammenhang zwischen Kosten von Peripheriespeichern samt zugehörigen Steuerungen und der Speicherkapazität ist weitgehend linear, das heißt, die Kosteneffektivität ist bei Datenspeichern unabhängig davon, ob mehrere kleine Einheiten oder wenige große Einheiten zum Einsatz kommen.

- Terminalleistung:

Die Leistungsfähigkeit eines Terminals selbst ist sehr schwer zu bestimmen, doch läßt sich über die Zahl der von einem Terminal aus zu veranlassenden Operationen etwas aussagen, über die programmierbare Terminal-Intelligenz, über die Bandbreite der zu benutzenden Leitungen und über den Arbeitsspeicheranteil, der von einem Terminal im Zentralsystem belegt wird.

Hoher Overhead pro Terminal

Vor allem der auf der Seite des Rechners neben Multiplexer und Kanalsteuerung zu berücksichtigende Anteil am Hauptspeicher ist kostenrelevant. Der hier entstehende Verwaltungs-Overhead ist abhängig von der Art des verwendeten Datenübertragungssystems.

Nach dem Grosch'schen Gesetz ist laut Prof. G. Wells lediglich klar erkennbar, daß eine Lösung dann teurer ist, wenn die rechnerseitigen Kosten einer Anzahl von Terminals stärker steigen als mit dem Quadrat dieser Zahl.

Stapel kein Ausgleich

Wenn ein Hauptspeicher so groß ausgelegt wird, daß er alle Terminals zur gleichen Zeit bedienen kann, ist er - gemessen an der realen Auslastung - zu groß dimensioniert. Das führt meist dazu, daß der Anwender, um seine Anlage besser auszunutzen, im Hintergrund größere Stapel-Prozesse verarbeiten läßt. Diese Stapelprozesse lasten die Gesamtkonfiguration insgesamt aber nicht sehr effektiv aus, weil die von ihnen zu benutzenden Peripheriegeräte immer nur dann zum Einsatz kommen, wenn der Stapeljob arbeitet. Somit ist also gar nicht erwiesen, daß die Effektivität der Anlage mit Stapelbetrieb besser wird. Möglicherweise sind kleinere Rechner oder Vorrechner ausreichend, um die Terminals zu bedienen, während die Stapelprozesse auf einer gesonderten Anlage unter voller Ausnützung der Peripherie bearbeitet werden.

Hauptrechner isolieren?

Gerade wegen dieser besseren Ausnutzung der Peripherie ist es also keineswegs erwiesen, daß es wirtschaftlicher ist, große zentrale Computer zu installieren und neben der Bedienung von Hunderten von Terminals Stapelverarbeitung zu fahren. Vielmehr bietet sich an, Terminals über einen Vorrechner zu bedienen und nur dann vom Hauptrechner Gebrauch zu machen, wenn wirklich rechenintensive Arbeiten durchzuführen sind.