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21.03.1975 - 

Computer in der Medizin

Verdacht auf Herzinfarkt

MÜNSTER - Der Herzinfarkt ist eine der am meisten gefürchteten Krankheiten unserer Zeit. Allein in der Bundesrepublik sterben jährlich etwa 250 000 Patienten. Die Altersgruppe zwischen 45 und 55 Jahren ist dabei am stärksten gefährdet. Zunehmend werden aber auch jüngere Jahrgänge und Frauen betroffen.

Frühes Erkennen herzinfarktgefährdeter Personen ist somit eine der vordringlichsten Aufgaben der Präventivmedizin. Im Arteriosklerose-Forschungsinstitut Münster wurde jetzt ein Modell entwickelt, bei dem ein Computer für jeden einzelnen Patienten die Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt berechnen kann. Voraussetzung ist, daß ein Arzt die gemessenen Werte der einzelnen Risikofaktoren in den Computer eingibt.

Erhöhter Cholesterinspiegel, Blutzucker, Fettsucht, Bluthochdruck, Bewegungsarmut, psychische Überforderung und Genußmittel sind die wichtigsten Ursachen für krankhafte Veränderungen der Arterie, die letzten Endes zum Herzinfarkt führen. Erst in den letzten Jahren haben Mediziner erkannt, welche Bedeutung den einzelnen Risikofaktoren bei der Entstehung der Arteriosklerose zukommt. Damit aber wurden zugleich der Präventivmedizin neue Wege eröffnet.

Durch Vergleich der beim Patienten gemessenen Werte mit den als Risikofaktoren definierten Kriterien konnte der Arzt bislang nur vermuten, ob der Patient herzinfarktgefährdet ist oder nicht. Hier kann nun der Computer den Internisten bei der Diagnose unterstützen. Das vom Arteriosklerose-Forschungsinstitut und dem Rechenzentrum der Universität Münster entwickelte Verfahren basiert auf der Diskriminanzanalyse, doch gleicht es weitgehend dem Vorgehen des praktischen Arztes. Die gemessenen Risikofaktoren eines oder mehrerer Patienten werden vom Computer mit den zugehörigen Daten des bekannten Krankheitsbildes "Herzinfarkt" verglichen. Je nach dem Grad der Ähnlichkeit der Befunde mit den im Computer-Gedächtnis gespeicherten Angaben wird der Patient einer Gruppe zugeordnet. Das Ausmaß der Ähnlichkeit wird durch einen Koeffizienten gekennzeichnet, der dann in eine Trennformel eingesetzt wird. Auf diese Weise ist es möglich, herzinfarktgefährdete Personen frühzeitig zu erkennen und durch eine prophylaktische Behandlung vor dem Infarkt zu schützen.

In Münster besteht das Gedachtnis aus Daten von 429 Kranken, die einen Herzinfarkt überstanden haben. Damit wurde das Körpergewicht, der Blutdruck, der Cholesterinspiegel sowie der Zigarettenkonsum von 335 "gesunden" männlichen Blutspendern verglichen. Aufgabe dieser Untersuchung war es, die Aussagefähigkeit des Modells zu erproben. Auf diese Weise wurden 31 Blutspender gefunden, die als "gefährdet" bezeichnet werden mußten. Die Überprüfung durch einen praktischen Arzt bestätigte dann das Ergebnis.

Bis zum Einsatz des Modells zu umfassender Voruntersuchung ganzer Bevölkerungskreise auf Herzinfarkt ist allerdings noch ein weiter Weg.