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IT in der öffentlichen Verwaltung/Öffentliche Verwaltungen im Internet

Verfügbarkeit rund um die Uhr: Von der Rede bis zum Paßantrag

02.01.1998

Man braucht nicht lange zu suchen, um im Internet auf die Sites der Regierung und der Bundesministerien zu gelangen. Sie sind unter der Adresse www.bundesregierung.de zu finden. Aber auch die Landesämter, Kommunen und Städte sind im Netz aller Netze vielfach vertreten. Der Aufwand, der hier getrieben wird, ist zum Teil beachtlich. Kaum ein Amt leistet es sich, mit mittelmäßigem Informationsangebot aufzutreten. Gliederung und Aufbau sind weitgehend professionell, die Menge an bereitgestellten Informationen ist groß. Auf Bundesebene finden sich häufig sogar Archive mit Volltextrecherchemöglichkeiten. Manches privatwirtschaftliche Unternehmen könnte sich hiervon eine Scheibe abschneiden. Seitenverweise auf "Baustellen", Error-Meldungen oder unübersichtliche Menüstrukturen sind selten. Lediglich der Seitenaufbau ist - besonders bei den Kommunen - etwas langsam.

Vorbild scheint die Bundesregierung mit ihrem umfassenden Angebot zu sein. Unter ihrer Homepage findet man eine klare Oberflächenstruktur. Die Links zu den einzelnen Unterseiten sind schnell. Der hohe grafische Aufwand bremst ein Durchschnittssystem jedoch stark. Das Ausweichen auf einen reinen Textbildschirm mit wenigen grafischen Anteilen ist nicht möglich. Allerdings stehen die Seiten in verschiedenen Sprachen zur Verfügung, denn etwa die Hälfte der Aufrufe kommt aus dem Ausland. Die Leitseite verzweigt zu Unterseiten wie Bundestag, einzelnen Bundesministerien, Landes- und Bundesverbänden, den Angeboten der jeweiligen Bundesländer, dem FTP-Server des Bundestags, zu Foren, Archiven und andere Seiten. Auch Links etwa zu Bundesanstalten, Bundesaufsichtsämtern, dem Statistischen Bundesamt, Bundesforschungsanstalten, dem Bundesrechnungshof gehören dazu.

Natürlich sind auch alle Fraktionen des Deutschen Bundestags vertreten. Sie bieten eine Übersicht über ihr Programm, die Namen aller Abgeordneten, zum Teil mit Fotos, Zugang zu den Landesgruppen, eine E-Mail-Kontaktseite und andere informative Inhalte, beispielsweise Auszüge aus Bundestagsreden oder Stellungnahmen zu aktuellen politischen Themen.

Viele Ministerien, der Bundestag und teilweise auch die Fraktionen unterhalten Foren, in denen aktuelle Themen diskutiert werden. Die Beiträge und andere Informationsangebote, Reden, Standpunkte und Formulare lassen sich von den FTP-Servern der jeweiligen Behörden herunterladen.

Die CDU/CSU-Fraktion hat sogar einen Audiodienst eingerichtet, der aktuelle Reden der Abgeordneten als WAV-Dateien bereitstellt. Diese lassen sich wahlweise in normaler Qualität oder in hoher Sendequalität downloaden. Einen echten Dienst am Bürger hat sich auch der Deutsche Bundestag einfallen lassen: Wer über Internet-Aktivitäten der Öffentlichkeitsarbeit, zum Beispiel geplante Online-Konferenzen oder neue elektronische Publikationen, regelmäßig per E-Mail informiert werden möchte, braucht lediglich seine Internet-Adresse in ein vorgefertigtes Formular einzutragen. Daraufhin bekommt man sogar eine Anmeldebestätigung zugesandt.

Auch die Landesregierungen präsentieren sich im Internet. Baden-Württemberg hat sogar der Landesanstalt für Umweltschutz eine eigene Seite spendiert. Bayern ist ebenfalls zweimal vertreten: Außer von der bayerischen Landesregierung gibt es ein umfassendes Informationsangebot des Landesamts für Statistik und Datenverarbeitung. In Rheinland-Pfalz ist zusätzlich das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau verewigt. Nordrhein-Westfalen ist gleich mit vier verschiedenen Angeboten im Netz: Die Landesregierung, das Ministerium für Bauen und Wohnen, das Ministerium für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr sowie das Ministerium für Wissenschaft und Forschung verfügen jeweils über ihre eigenen Seiten.

Besonders stark engagieren sich die deutschen Städte und Gemeinden. Nahezu jede Kleinstadt, alle Großstädte und viele kleinere Gemeinden werben mit elektronischer Bürgernähe. Letztere stellen meist nur Informationen zur Geschichte des Ortes, einen Überblick über die Öffnungszeiten der Ämter und ähnliches mehr bereit. Doch sind einige bestrebt, ihr Angebot auszudehnen. So bastelt die kleine rheinhessische Gemeinde Nieder-Olm an einem interaktiven Ortsplan mit virtuellem Rundgang. Klickt man markante Punkte an, erscheint ein Foto des jeweiligen Gebäudes oder Objekts.

Den größten Schritt in Richtung Bürgerservice via Internet tun die Städte. 76 deutsche Städte verfügen bereits über einen eigenen Auftritt. Vor allem das virtuelle, interaktive Rathaus ist in aller Munde, aber größtenteils noch ein Wunschtraum. Mannheim ist hier die Vorzeigestadt mit dem zur Zeit besten Service.

Oberbürgermeister Gerhard Widder hatte sich im Herbst 1994 mit Vertretern der Universität Mannheim, der Fachhochschule Mannheim und dem "Mannheimer Morgen" zusammengetan und ein umstrittenes Projekt gestartet: Die Mannheimer können seither per Internet ein Kennzeichen für ihr Fahrzeug ordern oder auch ihren Umzug dem Einwohnermeldeamt per E-Mail-Formular bekanntgeben. Ein heikles Thema ist dieses Angebot, weil hier empfindliche Bereiche des Datenschutzes berührt werden, denn die elektronisch verschickten persönlichen Daten lassen sich vor professionellen Hackern kaum schützen. Wenig kritisch, aber genauso vorbildlich, ist der Mannheimer Stadtplan inklusive eines kompletten Straßenverzeichnisses. Hier kann der Bürger an jeden beliebigen Punkt bis auf Detailgröße heranzoomen.

Die übrigen Großstädte investieren ebenfalls kräftig in bürgernahe Inhalte. München stellte einen Baustellenbericht ins Netz, der die betroffenen Verkehrsstellen aufzeigt, einen Zeitplan und detaillierte Skizzen enthält. In Köln läßt sich die Parkhausbelegung per Internet oder Short Message im Handy abrufen. Hamburg bietet unter anderem eine Baustellenliste, die demnächst mit Staumeldungen ergänzt werden soll. Lockmittel der Berliner Stadtväter ist eine Live-Bildübertragung übers Internet: Web Cam heißt das Projekt, das jedem interessierten Bürger einen aktuellen Panoramablick über Europas größte Baustelle, den Potsdamer Platz, verschafft.

Fast alle Städte bieten ihren Einwohnern umfassende Stadtinfos bis hin zum Kulturbereich mit Ticketservice. Bald soll es auch die Möglichkeit geben sich in Lokalen per Internet einen Platz zu reservieren. Doch diesen Enthusiasmus bremsen erst einmal harte Fakten: Internet-Auftritte kosten Geld, und das ist in allen öffentlichen Bereichen nach wie vor knapp. Probleme bereitet den Städten vor allem das Abschätzen der Kosten für den Aufbau und Betrieb solcher Projekte. Die Personalkosten werden allerdings in der für Behörden so typischen Weise gering gehalten: Meist müssen vorhandene Mitarbeiter das Angebot neben ihren bisherigen Aufgaben betreuen. Mit der Wartung und der Aktualisierung sind jedoch häufig externe Dienstleister beauftragt. Die Kosten werden vor allem durch kommunale Mittel und Sponsoren, wie etwa Radiosender oder Medienkonzerne, aufgefangen. Über die Höhe wird aber beharrlich geschwiegen.

Auch auf Bundes- und Landesebene sind den Verantwortlichen wegen der begrenzten Mittel die Hände gebunden. So stehen dem Bundesamt für Wirtschaft für den geplanten Internet-Auftritt 1998 weniger als 10000 Mark zur Verfügung. Dieser Betrag muß den bestehenden Budgets entnommen werden. Derzeit residiert das Bundesamt noch auf der Seite des Bundeswirtschaftsministeriums.

Das neue eigene Angebot soll dem Bürger vor allem wichtige Informationen zum Thema Wirtschaftsförderung bereitstellen. Auf Interaktivität mußte aus Kostengründen verzichtet werden.

Internet-Daten in den Ablauf integrieren

Laut Bernd Brosch, Pressesprecher im Bundesamt für Wirtschaft, würden elektronische E-Mail-Formulare nur dann einen Sinn machen, wenn sie auch von speziellen Mitarbeitern zügig weiterbearbeitet werden könnten und sich dadurch für den Bürger ein Zeitvorteil ergeben würde. Die Gelder für den Personalaufwand stünden allerdings nicht zur Verfügung.

Grundsätzlich sind die Behörden an Internet-Auftritten sehr interessiert. Das meint zumindest Oliver Stein, Marketing-Leiter der Rhein-Main-Net GmbH in Frankfurt, einer der Provider und Internet-Dienstleister, die für die Behörden kreativ werden. "Sie erkennen die Möglichkeiten, die sich dadurch ergeben, bauen ihre Internet-Angebote aber nur sukzessive aus." Die 10000 Mark des Bundesamts für Wirtschaft reichen laut Stein gerade einmal für die Startseite und ein ganz kleines Redaktionssystem, das Rhein-Main-Net zur Verfügung stellt. Dabei wären die Mehrkosten für Interaktivität, also beispielsweise ein Internet-Formular, sehr gering. "Wir können das sehr preiswert machen", beteuert Stein. Doch die Probleme sieht er in der Umstellung der Ablauforganisation, die auf die Behörden zukommt. Die Einbindung der digitalen Internet-Daten in den gewohnten Ablauf erfordere zunächst zusätzliche Personalkapazitäten. Zumindest bis der gesamte Formularkrieg hauptsächlich über das Internet abgewickelt wird - und das kann noch viele Jahre dauern - ergäben sich durch die beiden getrennten Ablauforganisationen für die Behörden höhere Kosten.

Was die direkte Antragstellung per Internet angeht, verhalten sich die Bundesbehörden abwartend und lassen andere, sprich die Kommunen, die Pionierarbeit erledigen. In puncto Kreativität machen jedoch einige Ämter den Privaten etwas vor - trotz begrenzter Finanzen. Kaum ein Unternehmen hat bisher Vorträge oder Pressekonferenzen per Audioclip ins Internet gestellt oder dem Kunden gar einen regelmäßigen kostenlosen E-Mail-Infodienst angeboten. Selbst Diskussionsrunden, an denen verschiedene Personen des Unternehmens teilnehmen, oder die Möglichkeit eines einfachen Datei-Downloads vom FTP-Server des Unternehmens (binäre Version der Reden, Pressetexte, Angebotskataloge mit Preisen, gesammelte Forenbeiträge etc.) sind eher die Ausnahme. In diesem Punkt beweisen manche deutsche Behörden mehr Professionalität als das sonst so fortschrittliche privatwirtschaftliche Management.

ANGEKLICKT

Die größten Schritte in Richtung Bürgerservice via Internet tun die Städte. Immerhin 76 können schon einen eigenen Internet-Auftritt vorweisen. Doch ist das "virtuelle Rathaus" meist noch ein Wunschtraum. Allerdings zeigt Mannheim, wo es langgehen könnte. Gut kommen folgende Services an: Baustellenberichte, Parkhausbelegung und andere Stadtinfos bis hin zum Kulturbereich mit Ticketservice. Probleme haben die Städte jedoch mit der Kostenabschätzung.

Virtuelles Rathaus

Wegbereiter für das virtuelle Rathaus und interaktive Internet-Ämter will SAP sein. Die Münchner Niederlassung hat eine neue Internet-Komponente für ihre Behördensoftware vorgestellt, die der Öffentlichkeit die Kommunikation mit Ämtern erleichtern soll. Nach Unternehmensangaben wird es das Modul erlauben, über Behörden-Web-Seiten eine Reihe von Verwaltungs- und Antragsabläufen zu vereinfachen, die von R/3 komfortabel verwaltet werden. Laut Ingo Glaser, Marketing-Manager für SAPs Behördensoftware, soll es dann unter anderem möglich sein, Anträge für Reisepässe oder Führerscheine online zu stellen und zu kontrollieren. Das ausgefüllte Formular kann der Bürger via E-Mail zur Bearbeitung an die Behörde übermitteln.

Internet-Adressen einiger deutscher Behörden

www.kommunal-online.de Sammlung aller kommunalen Internet-Adressen (direkte Links zu allen Städten, Orten, Gemeinden etc.)

www.t-online.de/politik/mainpage.htm beste Behördenübersicht (von T-Online)

www.bwi.de Bundeswirtschaftsministerium

www.fal.de Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft

www.bundesregierung.de Bundesregierung und Ministerien

www.bundestag.de Deutscher Bundestag (führt weiter zu allen Fraktionen)

www.gruenebt.de Die Grünen

www.bundesfinanzministerium.de Das Bundesfinanzministerium

www.bmbf.de Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technik

www.postag.de Deutsche Post

www.zerberus.de Deutscher Bundesjugendring

*Michael Funk ist freier Journalist in Partenheim bei Mainz.