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18.03.1988 - 

VDMA setzt seine Hoffnungen auf einen Aufschwung nach der CeBIT:

Verhaltener Optimismus beim Branchenverband

*Günther E. W. Möller ist Geschäftsführer der Fachgemeinschaft Büro- und Informationstechnik (FG-BIT) im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) e. V.

Nicht zuletzt aufgrund des Dollarsturzes hat die deutsche Industrie im Jahr 1987 keine gute Figur abgegeben. Die Hersteller aus dem Bereich Informationstechnik (einschließlich Kommunikationstechnik) mußten sogar einen verringerten Hardwareumsatz hinnehmen. Wie es dazu kam und wie es für die Branche weitergehen wird, schildert Günther E. W. Möller*.

Das Wirtschaftswachstum in der Bundesrepublik Deutschland ist 1987 hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Der wichtigste Indikator, das reale Bruttosozialprodukt, stieg nur um 1,7 Prozent und verfehlte damit deutlich die vorgegebene Zielmarke von 2,5 bis 3 Prozent. Dafür gibt es sehr unterschiedliche Gründe, über die bereits viel geschrieben und spekuliert wurde. Tatsache ist, daß auch das verbliebene Wachstum fast ausschließlich im Dienstleistungsbereich erzielt wurde. Keine gute Ausgangslage also für die weitere Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe und sicherlich auch ein Grund dafür, daß die gesamtwirtschaftlichen Prognosen für 1988 nicht gerade optimistisch ausfallen. Dennoch ist festzustellen, daß alle Gutachter und auch die Bundesregierung die Wachstumstendenz nach wie vor im Bereich der positiven Werteskala ansiedeln, wobei nicht zu übersehen ist, daß die Gesamterwartungen merklich moderater geworden sind (siehe Tabelle 1).

Trotz dieser gesamtwirtschaftlichen Schwierigkeiten und einer allgemein schwächeren Investitionsbereitschaft hat die deutsche Büro- und Informationstechnik im vergangenen Jahr wiederum ein positives Gesamtergebnis erzielt. Die endgültigen amtlichen Zahlen für die Produktionswerte liegen zwar noch nicht vor, nach sorgfältiger Schätzung dürfte das Produktionsvolumen für die Hardware einschließlich Kommunikationstechnik aber bei insgesamt 31,5 Milliarden Mark und damit nur geringfügig unter dem Vorjahresergebnis liegen. Unter Einbeziehung der Software hat das Inlandsmarktvolumen die 50-Milliarden-Marke nur knapp verfehlt (49,614 Milliarden). Dies entspricht einem Wachstum gegenüber 1986 von knapp sieben Prozent.

Mit dem Kurssturz des Dollars, den Turbulenzen an den internationalen Aktienmärkten und dem damit verbundenen Vertrauensschwund hat sich das Investitionsklima in der Bundesrepublik Deutschland und auf unseren wichtigsten Auslandsmärkten zum Jahresende 1987 zunächst wieder verschlechtert. Die Konjunktur ist in schwieriges Fahrwasser geraten, denn die deutsche Wirtschaft ist insgesamt auf einen deutlich niedrigeren Wachstumspfad eingeschwenkt. Die Prognoseunsicherheit ist damit größer geworden.

Ohne Zweifel wäre eine längere Phase der Unsicherheit und Investitionsschwäche einer weiteren Aufwärtsentwicklung der Büro- und Informationstechnik abträglich. Dennoch hat das Jahr 1988 für die Branche mit verhaltenem Optimimus und freundlicher Grundstimmung begonnen, die sich inzwischen mit Blick auf die Hannover-Messe CeBIT weiter gefestigt haben.

Der Konjunkturverlauf der büro- und informationstechnischen Industrie hat die Schwankungen und Turbulenzen der Gesamtwirtschaft bisher immer nur mit einer gewissen Phasenverschiebung nachgezeichnet, wobei Aufwärtsbewegungen markanter ausfallen und rückläufige Entwicklungen in aller Regel moderater. Die im Gesamtvergleich nach wie vor relativ hohe Zunahme des Marktvolumens um rund sieben Prozent im allgemein konjunkturschwachen Jahr 1987 bestätigt das erneut. Dennoch sind seit 1986 deutliche Bremsspuren auf dem bis dahin steilen Wachstumspfad zu erkennen, der 1985 mit fast 22 Prozent Steigerung der deutschen Hardwareproduktion offensichtlich vorerst seinen Kulminationspunkt erreicht hat.

Software bleibt zentraler Faktor beim Wachstum

Während Produktion und Inlandsmarktversorgung für Hardware seit 1986 auf dem bis dahin erreichten hohen Niveau stagnieren, wird die Marktdynamik seither mehr und mehr von der Software und den Serviceleistungen getragen. Sie haben einschließlich der anwendererstellten Software 1987 ein Marktvolumen von rund 19 Milliarden Mark bei einer Steigerungsrate von 17,7 Prozent erreicht. Software- und Serviceleistungen werden auch 1988 und voraussichtlich 1989 die entscheidenden Faktoren für weiteres Wachstum sein.

Trotz der zuvor angeführten Unsicherheiten bezüglich der allgemeinen Konjunkturentwicklung mehren sich inzwischen die Anzeichen, daß auch die Hardwareproduktion 1988 wieder an Dynamik gewinnt. Die vorläufigen Werte für die Auftragseingänge im Bereich Büro- und Informationstechnik für das zweite Halbjahr 1987 liegen deutlich über zehn Prozent, für den Teilbereich Datenverarbeitung sogar bei fast zwölf Prozent, verglichen mit dem Vergleichszeitraum im Jahr 1986. Diese Steigerung wird zunächst allerdings im wesentlichen von der Inlandsnachfrage getragen. Berichten aus dem Markt zufolge wird die Ordertätigkeit im Januar und Februar 1988 diesen positiven Trend weiter festigen.

Inzwischen sind auch die Exporterwartungen für den Bereich Büro- und Informationstechnik wieder positiver einzuschätzen. Dies gilt vor allem für die wichtigsten europäischen Absatzmärkte. Wir gehen davon aus, daß sich die preisliche Wettbewerbssituation der deutschen informationstechnischen Industrie gegenüber den Anbietern aus den EWS-Ländern nicht weiter verschlechtern wird. Für die informationstechnische Industrie mit rund 60 Prozent Exportanteil ist dies ein entscheidender Faktor. Wenn sich die Exportchancen weiter verbessern - und darauf deutet nach den jüngsten Berichten der Auslandsvertretungen der VDMA-Mitgliedsfirmen einiges hin - wird auch die deutsche Produktion wieder an die günstige Entwicklung der Vergangenheit anschließen können.

Von entscheidender Bedeutung für eine konjunkturelle Belebung und weiteres Wachstum sind die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Was die informationstechnische Industrie wünscht und fordert, sind ordnungs- und finanzpolitische Maßnahmen, die geeignet sind, die Finanzkraft der Betriebe zu stärken und die Attraktivität der Bundesrepublik als Produktionsstandort im internationalen Vergleich wieder zu verbessern. Dies ist auch unter beschäftigungspolitischen Aspekten notwendig. Für die weitere Entwicklung des internationalen Stellenwertes der deutschen informationstechnischen Industrie ist darüber hinaus die zügige Realisierung eines europäischen Binnenmarktes auf der Basis einheitlicher internationaler Normen und Richtlinien ein wichtiger Faktor.

Das gleiche gilt für die dringend notwendige Öffnung der öffentlichen Fernmeldemärkte, die qegenseitige Anerkennung der Zulassung von Telekommunikationsendgeräten sowie eine koordinierte Infrastrukturplanung der Fernmeldeverwaltungen auf europäischer Ebene. Die Empfehlungen der Regierungskommission Fernmeldewesen sowie der EG-Kommission im Grünbuch für Telekommunikation sollten daher zügig in entsprechende politische Konzepte umgesetzt und realisiert werden. Die davon zu erwartenden Marktimpulse werden zu einer Verbesserung des Investitionsklimas beitragen und den Standort Bundesrepublik Deutschland wieder attraktiver machen.

Die deutsche büro- und informationstechnische Industrie hat in den internationalen Märkten - vor allem aber in Westeuropa - eine starke Position. Der in den vergangenen Jahren aufgestaute Bedarf an Modernisierungs- und Erweiterungsinvestitionen in diesen Markten wie in unserem eigenen Land ist jenseits aller kurzfristigen Konjunktursorgen ein guter Grund dafür, daß die Branche auf Wachstum programmiert bleibt.