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27.04.2001 - 

Delta Lloyd Deutschland/Berlinische Lebensversicherung

Verkabelung spielt für IT eine wichtige Rolle

Die Verkabelung spielt eine wichtige Rolle für das Funktionieren der IT-Infrastruktur. Christian Zillich* beschreibt mögliche Störungen und schildert am Beispiel der Berlinischen Lebensversicherung ein gelungenes Verkabelungsprojekt.

Kleine Ursache, große Wirkung: "Nur fünf Prozent der Kosten für die IT-Infrastruktur entfallen auf Verkabelung, aber in 50 Prozent aller Netzwerkausfälle spielt sie die ursächliche Rolle", mahnt Rudi Friedel, Geschäftsführer der OFM Netzwerke & Systemtechnik GmbH. Er fügt hinzu: "Vielen Unternehmen, die jetzt auf E-Commerce setzen, ist überhaupt nicht klar, in welchem Umfang der Erfolg ihres Unternehmens von der Stabilität ihrer Netzwerke abhängig ist." Erst wenn konkrete Schäden auftreten, wachse die Bereitschaft, auch bei der Verkabelung auf Qualität zu achten.

Quelle vieler FehlerÄhnlich kritisch äußert sich Karl-Heinz Otto, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für elektrische Niederspannungsanlagen, Leistungs- und DV-Elektronik: "Bei der Installation der immer umfangreicheren, schnellen Kommunikationsnetze werden einfache physikalische Grundregeln des geschlossenen elektrischen Stromkreises der Elektroinstallation und die Oberschwingungen der Ströme moderner Verbraucher nicht beachtet. Das kann zu enormen Betriebs- und Schadenssituationen in der Datenkommunikation führen." Ottos Fachwissen wird unter anderem von Herstellern, Fachfirmen und Versicherungen in Anspruch genommen, wenn es um Ursachenforschung bei rätselhaften Schäden an DV-Anlagen, Erkrankungen an PC-Arbeitsplätzen oder auch katastrophale Brandschäden geht. Mittlerweile zählt es zu seinem beruflichen Alltag, problembelastete Installationen in Verwaltungsgebäuden, Flughäfen, Krankenhäusern oder auch bei Hightech-Firmen zu begutachten.

Saubere Installation wichtigImmer wieder stößt er dabei auf das Phänomen, dass plötzlich und unerwartet trotz modernster Komponenten Probleme auftauchen, die ganze Unternehmensbereiche lahm legen können. So sinkt die Durchsatzrate, hängen sich Datenverbindungen auf, flimmern Farbbildschirme oder brennen sogar Baugruppen ab. Schon eine sehr kurze Stromunterbrechung oder ein Gewitter können weit reichende Folgen haben.

Bei seinen Recherchen findet der Experte nicht selten hohe magnetische Felder vor, die durch nicht ausgeglichene Elektro-Leitungen verursacht werden. Eigentlich schafft keines der beiden heute gängigen Verkabelungssysteme (mit geschirmten beziehungsweise ungeschirmten Leitungen) Probleme in Bezug auf die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV). Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sie sauber und unter Beachtung physikalischer Grundregeln installiert werden.

Kriechende StrömeBei den geschirmten STP-(Shielded-Twisted-Pair-)Kabeln, die im deutschsprachigen Raum noch vorherrschend sind, schützt eine metallische Umschirmung vor dem Eindringen und dem Austreten elektrischer Felder und hochfrequenter Störgrößen, die DV-Systeme negativ beeinflussen könnten. Es wäre auch denkbar, dass magnetische Felder durch Ströme über die Abschirmung zu Bildschirmflimmern führen oder sogar die Gesundheit von Personen beeinträchtigen. Bei nicht sauber installierten Elektroverkabelungen (TN-C-S-System) wird allerdings der Schirm der Datenleitung, der nach der Vorschrift beidseitig aufzulegen ist, bestimmungsgemäß zur Potenzialausgleichsleitung der Neutralleiterströme. Zwangsläufig leiten neue, gut geschirmte Datenleitungen "vagabundierende Neutralleiterströme" besonders gut - zwischen 5 bis 8 Ampere wurden in der Praxis schon gemessen. Das durch den Strom entstehende niederfrequente Feld lässt sich nicht abschirmen und durchdringt somit die Aderpaare und selbst Eisen und Beton. Wenn die Aderpaare nicht eng genug verdreht sind, wandern die Ströme in den Signalpegel und narren die Controller durch Störsignale. Viele erfolgreiche STP-Verkabelungsprojekte zeigen, dass geschirmte Systeme den bisherigen Anforderungen bei fachmännischer Installation einer TN-S-Lösung der Elektroanlage ohne Einschränkungen gerecht werden. Eine Überwachung des TN-S-Systems muss aber eingebaut werden, da sonst Fehler nicht erkannt werden.

Inzwischen beherrschen jedoch so genannte UTP-Kabel (Unshielded Twisted Pair) mit einem Marktanteil von über 85 Prozent den weltweiten Markt für Verkabelungssysteme. Durch eine exakte Verdrillung der Aderpaare wird dafür gesorgt, dass die Summe der Hin- und Rückströme Null beträgt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Bei hochsymmetrischen UTP-Verkabelungssystemen können magnetische Felder gar nicht erst entstehen, weil auf die Metallummantelung als Schirm verzichtet wird. Die Verkabelung erweist sich als immun gegen magnetische Felder/Störstrahlungen von Elektroleitungen sowie gegen Potenzialunterschiede. Wie bei einer Lichtwellenleiter-(LWL-)Lösung erfolgt eine Erdungsentkopplung durch den weggelassenen Schirm. Das erleichtert dem Installateur die Arbeit erheblich, da er auf aufwändige Erdungskonzepte verzichten kann.

Ohne metallischen Schirm sind die Kabel zudem leichter, benötigen weniger Platz in den stets zu engen Kabelschächten und sind, so die Befürworter von UTP-Systemen insgesamt flexibler zu handhaben. Verkabelungsexperte Rudi Friedel von OFM: "UTP-Systeme machen durch relativ kurze Installationszeiten und entsprechend niedrigere Installationskosten sowie durch den problemlosen Betrieb ihren höheren Preis innerhalb von zwei bis drei Jahren bereits wieder wett."

Geschirmt oder ungeschirmt?Als bei der in Wiesbaden ansässigen Versicherung Berlinische Lebensversicherung, einer Tochter der Delta Lloyd Deutschland, die Entscheidung anstand, das in die Jahre gekommene Verkabelungssystem durch eine neue Lösung zu ersetzen, stand auch bei dem Infrastrukturverantwortlichen und Prokuristen Reinhard Blöcher und seinem Kollegen Claus Feix, mitverantwortlich für den User-Helpdesk und die Anbindung der externen Lokationen, die Frage "geschirmt oder ungeschirmt?" an. Denn es ging für das Unternehmen um die generelle Aufgabenstellung, für die Versicherung eine zukunftsorientierte IT-Infrastruktur mit leistungsstarker und stabiler Verkabelung zu schaffen.

Die Berlinische Lebensversicherung hatte ihr Hauptgebäude 1992 komplett neu mit einem geschirmten Kabel vernetzt. Seitdem sind die Anzahl der PC-Arbeitsplätze und die Anforderungen der Applikationen an die Infrastruktur deutlich gestiegen. 1998 beschloss der Vorstand daher, die Netzinfrastruktur in der Hauptverwaltung zu erneuern. Folgende grundsätzliche Anforderungen sollten dabei erfüllt sein:

-ausreichende Performance für die Anbindung neuer Geschäftsbereiche in den nächsten zehn Jahren,

-Übertragung von Sprache, Daten und Video über ein Netz,

-robust gegen Störstrahlungen, Potenzialunterschiede oder Ähnliches,

-hohe Ausfallsicherheit, unter anderem für Internet- und E-Commerce-Aktivitäten,

-Unterstützung des zukünftigen Verkabelungsstandards Kat-6/ Class-E,

-Unterstützung von 16/100 Mbit/s Token Ring und 10/100/1000 Mbit/s Ethernet.

Außerdem sollten sich die alten Bodentanks im Etagenbereich weiter verwenden lassen. Der Vorstandsbeschluss fiel zu einem Zeitpunkt, als die Grenzen der bisherigen Verkabelung deutlich zu erkennen waren. Reinhard Blöcher: "Ein Symptom waren flimmernde Bildschirme in bestimmten Gebäudebereichen und immer wieder der Ausfall einzelner Netzsegmente." Untersuchungen führten zu dem Ergebnis, dass Stromkabel unter der rund 60 Zentimeter dicken Betondecke - offenbar hervorragend weitergeleitet durch die darin eingegossenen Eisengitter - so stark auf die Etagenverkabelung abstrahlten, dass Monitore an einigen Arbeitsplätzen unzumutbar flimmerten. Auch ein zusätzliches Abhängen der Kabel brachte keine wesentliche Verbesserung. Schließlich sah man nur noch die Lösung, Bildschirme mit einer speziellen Ab-schirmung zu entsprechend hohen Preisen einzukaufen. Claus Feix: "Mit dieser Lösung wollten wir uns für die Zukunft nicht mehr zufrieden geben, weswegen wir nach einem Verkabelungssystem suchten, das gegen solche Störstrahlung immun war."

Der Verkabelungspartner der Berlinischen Lebensversicherung empfahl die Installation eines UTP-Verkabelungssystems. Zunächst war Blöcher eigenen Aussagen zufolge skeptisch, ob ein ungeschirmtes Verkabelungssystem von der Abstrahlung, Ausfallsicherheit und Performance her die richtige Lösung sein könnte. Seine Zweifel zerstreuten sich jedoch, als die OFM über ihre erfolgreichen Verkabelungsprojekte bei der Großforschungseinrichtung GSI (Gesellschaft für Schwerionenforschung) in Darmstadt und in anderen Unternehmen berichten konnte. Die Vernetzung der rund 700 Beschäftigten bei der GSI wurde von OFM auf der Basis des UTP-Verkabelungssystems "Systimax" trotz einiger Störkomponenten erfolgreich realisiert.

Ein weiterer Stolperstein war die Frage, ob die von der Delta Lloyd Deutschland/Berlinischen Lebensversicherung favorisierte Token-Ring-Netzwerktopologie auch von der Lösung unterstützt würde. Der Finanzdienstleister bestand auf einer schriftlichen Garantieerklärung, die der Hersteller Avaya auch vorlegte: Angefangen bei einer 20-jährigen Produkt- und Applikationsgarantie reicht sie bis zu der Zusage, dass der favorisierte Verkabelungstyp "Gigaspeed" allen heute bekannten Anforderungen des neuen Inhouse-Verkabelungsstandards Kat6/Class E entsprechen würde.

1998 begannen die Renovierungsarbeiten im Hauptgebäude des Finanzdienstleisters, womit auch der Startschuss für die Neuverkabelung fiel. Diese Arbeiten dauern bis heute an. Renovierung und Neuverkabelung dürfen den laufenden Betrieb nicht stören, so die Vorgabe des Vorstandes. Mittlerweile ist ein Großteil der fünf Büroetagen neu verkabelt, über 2500 Ports wurden inzwischen verlegt.

Die heutige Netztopologie des Finanzdienstleisters ist ein geswitchter Token Ring, wobei die Etagenverteiler über Lichtwellenleiter und Token Ring mit 100 Mbit/s direkt an das Rechenzentrum angebunden sind. Dort befindet sich die zentrale Netzinfrastruktur für die Hausverkabelung, die lokalen Server und Gateways. An die Verteiler auf den Etagen sind Workgroup-Switches angebunden, von denen Kupferleitungen mit 16 Mbit/s Token Ring - mit der Option auf 100 Mbit/s - zu den einzelnen Arbeitsplätzen führen. Blöcher erklärt: "Wir haben uns aus Kostengründen zunächst dafür entschieden, bei Token Ring zu bleiben." Da dieses Verfahren aber keine Zukunft mehr hat, wird der Umstieg auf Ethernet in einem nächsten Schritt erfolgen.

Da sowohl Verkabelung als auch Switching-Technologie Token Ring und Ethernet parallel unterstützen, kann der Umstieg in den nächsten zwei Jahren sukzessive stattfinden. Der Aufwand hält sich dabei in Grenzen, lediglich die Workgroup-Switches und die Netzwerkkarten in den Desktop-PCs sind auszutauschen. Bei entsprechenden Bandbreitenanforderungen und einer größeren Anzahl von Anbindungen müssen zu einem späteren Zeitpunkt dann noch zentrale Gigabit-Switches im Rechenzentrum installiert werden. Mit der jetzigen IT-Infrastruktur sieht sich die Berlinische Lebensversicherung für die Zukunft gut gerüstet, und IT-Mann Blöcher betont: "Die sichere Verkabelung stellt dabei heute mehr denn je ein wichtiges Fundament dar."

*Christian Zillich ist PR-Consultant in Berlin.

IT der Berlinischen LebensversicherungAuf den Desktop-Rechnern des Finanzdienstleisters laufen die üblichen Office-Anwendungen, die ihre Daten über das LAN auf lokalen Servern abspeichern. Auf die zentralen Kundendaten greifen die Sachbearbeiter über eine 3270-Emulation auf den zentralen IBM-Host, einen OS/390-Mainframe, zu. Das Bestandsführungssystem - als Client-Server-Applikation mit Cics-Integration auf OS/2 mit der COR AG entwickelt - läuft auf lokalen Servern, wobei die eigentliche Datenhaltung via RZ-Gateways auf dem outgesourcten Host unter DB2 stattfindet. Sowohl das zentrale Host-System als auch SAP R/3 Inkasso sind mittlerweile über das IBM Tochterunternehmen IBB outgesourct.

Als Client-Betriebssysteme kommen OS/2 und Windows NT, als Server-Betriebssysteme "OS/2 eBusiness Server", AIX, NT, SCO und Linux zum Einsatz. Im Netzwerk werden die Protokolle Netbios, TCP/IP und SNA gefahren. Auf der Datenbankseite stützt man sich auf die Systeme DB2/UDB und Oracle. Das Image-System als optisches Archiv für das Einscannen der Eingangspost läuft unter FILENET (SP2/AIX/HACMP), der Sachbearbeiter erledigt den Vorgang nur noch auf seinem Bildschirm. Claus Feix: "Seit 1994 gibt es bei der Berlinischen Lebensversicherung die Akte nur noch in elektronischer Form, was den Workflow erheblich vereinfacht."

Das optische Archiv mit dem Vorgangsreferenzsystem, das Bestandsführungssystem als Client-Server-Lösung sowie die Office- und Kommunikationswelt mit Internet-Zugang sind als integrierte Systemlandschaft auf dem Desktop-Rechner realisiert. Der Online Abschluss via Internet ist bereits für bestimmte Produkte möglich, die Vertriebsmitarbeiter werden noch im ersten Quartal 2001 flächendeckend beim Kunden auf dem Notebook ein komplettes Angebot unterschriftsreif erstellen, ausdrucken und anschließend in die Zentrale übermitteln können.