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26.09.1980 - 

Computer rückt fachspezifischen Problemstellungen zu Leibe:

Verknüpfungsregeln im Expertensystem

Nicht einfach Daten zu verarbeiten, sondern richtiggehend Schlüsse zu ziehen, dazu sind sogenannte "expert systems" imstande - computergestützte Systeme, mit denen sich beispielsweise genetische Manipulations-Experimente entwerfen oder rätselhafte Krankheiten an Früchten diagnostizieren lassen. Sie ahmen damit die Art und Weise nach, in der auch Menschen aus manchmal recht spärlichen Daten zu brauchbaren Schlußfolgerungen zu gelangen suchen.

Will man ein "expert system" aufbauen, so wird zunächst ein Experte des betreffenden Fachgebiets eingehend "ausgequetscht". Dabei geht es weniger um die Errichtung einer herkömmlichen Datenbank, sondern mehr um die Frage, auf welche Weise etwa ein Geologe ganz bestimmten Problemstellungen zu Leibe rückt. Kennt man sein fachtypisches Denken, wird es anschließend in eine Folge logischer Regeln übersetzt.

Erfahrungssätze im Rechner

Diese Regeln haben nicht die bekannte Elementargestalt simpler Und- und Oder-Verknüpfungen, die ja stets eindeutige Aussagen liefern, sondern sehen etwa so aus: Gilt A und gilt B, so beträgt die Wahrscheinlichkeit für das Gelten von C soundsoviel Prozent. Mit anderen Worten: Ist Herr X übermüdet und fährt er dennoch 300 Kilometer im Auto nach Hause, so kommt er nur mit 90prozentiger Wahrscheinlichkeit heil an.

Natürlich verknüpfen Expertensysteme tatsächlich weit mehr Informationen zu entsprechend komplexen Aussagen, denn ein typisches System dieser Art verfügt etwa über 400 Regeln. Das ist allerdings immer noch wenig im Vergleich zu einem Schachgroßmeister, der an die 50 000 Regeln und Erfahrungssätze im Kopf haben soll. Mehrere tausend Entscheidungs-Teilschritte soll ein "expert system" für Nordsee-Öl-Anlagen umfassen, das mit Unterstützung der Ölgesellschaft BP konzipiert wird und das beispielsweise plausible Gründe für unerwartete Förder-Probleme nennen soll. Das Computersystem soll den bisher abrufbereit wartenden Ingenieur ersetzen, der bei Versagern den Fehler einzukreisen half.

Software noch zu teuer

Basis des geplanten BP-Systems sind Befragungen erfahrener BP-Ölingenieure, wieder mit dem Ziel, abgestuft nach ihrer Wahrscheinlichkeit die jeweils plausibelsten Erklärungen für alle möglichen Phänomene beim Betrieb einer Öl-Plattform zu finden. Die Antworten werden mit Hilfe einer speziellen Sprache dem Computer eingegeben.

Tritt dann eine Störung auf, geht die Maschine ähnlich einem Ingenieur "in Gedanken" die Liste der wahrscheinlichsten Störungen durch, bis am Ende konkrete Anweisungen herauskommen, wo mit den größten Erfolgschancen nach einem Fehler zu suchen ist. Sie handelt also praktisch nicht anders als ein Autofahrer, der etwa bei frisch eingestellter Zündung, neuen Kerzen und überprüfter Lichtmaschine wahrscheinlich richtig tippt, wenn er bei einem Versager nach einem Vergaserdefekt sucht.

Die Arbeiten am BP-Expertensystem werden an der Universität Edinburgh unter Professor Donald Michie durchgeführt. Michie sieht derartige Systeme künftig als bedeutende Wissens- und Erfahrungsquelle mit großen ökonomischen Vorzügen an. Zwar sei es heute noch teuer, ein Expertensystem aufzubauen, doch die Preise dürften rasch fallen, verfügt man erst einmal über bessere Software zum Eingeben der elementaren Verknüpfungsregeln, meint der Professor.

Egon Schmidt ist freier Fachjournalist in München