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11.04.1997 - 

Commerce im Internet/Auch für Gebührenabrechnungen und Copyrights gibt es Lösungen

Verlage können im Internet mehr als virtuelles Geld verdienen

Von der "New York Times" bis zur "Passauer Neuen Presse": Nahezu alle Verlagshäuser sind bereits im Internet präsent oder planen, ihre Publikationen auch online zu verwerten. Die bisherigen Angebote sind aber nahezu vollständig kostenlos, ein Umstand, den die Verlage verständlicherweise gerne ändern möchten.

Für viele Herausgeber ist ihr Internet-Auftritt derzeit noch in der Versuchsphase oder hauptsächlich Marketing-Instrument, um Erfahrungen mit dem neuen Medium zu sammeln. Entsprechend unterschiedlich sind auch die angebotenen Inhalte. Das Spektrum reicht von der Schlagwortrecherche in Medien wie "Der Spiegel" oder "Die Welt" bis hin zu reinen Image-Auftritten ohne wirklichen Nutzen für den Anwender.

Einer kommerziellen Vermarktung der Inhalte im Internet stehen derzeit allerdings noch eine Reihe von Problemen im Weg. So sind weder das Copyright noch die Zugriffskontrollen und die Gebührenabrechnung befriedigend gelöst. Mit den derzeit zur Verfügung stehenden Internet-Tools lassen sich diese zwei Problemfelder des Online-Publishing nicht oder nur sehr aufwendig und häufig unbefriedigend via CGI-Skripts mit extern angeschlossenen Datenbanken lösen.

Das Thema Urheberrechte ist eigentlich kein Web-Problem per se, sondern betrifft auch andere elektronische Medien wie beispielsweise CD-ROMs. Hier geht es hauptsächlich darum, zu verhindern, daß ein digitalisiertes Werk (Zeitschriftenbeitrag, Buchmanuskripte, Bilder, Sound-Files oder Videos) kopiert sowie ohne Genehmigung und Angabe von Quelle weiterverwendet wird. Derzeit gibt es mit Watermarking und Steganografie zwei Lösungsansätze, die in Einzelprojekten bereits einfach und befriedigend verwirklicht sind.

Das Verfahren Watermarking findet vor allem bei Bildern Verwendung. In das Bild wird dabei ein digitales "Wasserzeichen" eingestreut, das sich ohne enormen Aufwand oder Zerstörung der Datei nicht entfernen läßt. Diesen Ansatz nutzen vor allem digitale Bildarchive, wie zum Beispiel das des Museums von Neuseeland http://www.timeframes.natlib.govt.nz; Gastuser-ID: timeframes, Paßwort: images . Dieses Verfahren eignet sich auch für Videos.

Wer mit Watermarks arbeitet, hat allerdings das Problem, daß er die Bilder, Texte etc. sowohl mit als auch ohne Codierung vorhalten müßte, mindestens zweifach also. Hier bietet es sich an, wie in Neuseeland mit dem Second-Generation-Tool "Hyperwave Information Server" geschehen, sogenannte Multicluster von Dateien anzulegen. Je nachdem, wer sich in den Server einwählt, bekommt nach der Autorisierung unter dem gleichen Uniform Resource Locator (URL) die Bilder als Kunde mit Watermarks, als Mitarbeiter ohne diese, unter Umständen auch mit individuellen weiteren Infos zu sehen. Damit erspart sich das Museum die Mühe, mehrere Datenbanken vorhalten zu müssen.

Bei der Steganografie wird im übertragenen Werk eine geheime Botschaft versteckt, die nachweist, wer der Urheber des Werkes ist. Von diesem Verfahren sind verschiedene Varianten im Einsatz, die je nach Datentyp verwendet werden.

Ein Lexikon könnte zum Beispiel Pseudoeinträge enthalten, die zwar echt aussehen, aber in Wirklichkeit nicht existieren. In einem Englischwörterbuch würde man zum Beispiel einen fiktiven Eintrag wie "fransol = Kappe eines Pilzes" finden. Die Liste der erfundenen Wörter und Einträge wird vor der Veröffentlichung notariell hinterlegt und macht damit einen Raubkopierer überführbar.

Die Diskussion über die unterschiedlichen Zahlungsmodalitäten beim Shopping via Web trifft natürlich auch die kommerzielle Veröffentlichung von publizistischen Werken. Dies ist der derzeit neuralgischste Punkt beim WWW-Publishing, da Systeme mit der bestehenden Web-Server-Technolgie nur unzureichend greifen.

Pay-per-view pro Seite oder Artikel ist noch nicht realisiert. Es macht beim Online-Publishing auch nicht viel Sinn, da in der Regel nur Pfennigbeträge bewegt werden, die bei Kreditkarten einen unökonomischen Abrechnungsaufwand nach sich ziehen würden.

Ähnlich dürfte das Problem beim elektronischen Geld gelagert sein, da auch hier für die Nutzung und den Zugriff Rechnungen versendet werden müssen. Die Verlage werden wohl kaum ein Interesse haben, kleine Beträge mit allen organisatorischen Folgen, zum Beispiel Mahnverfahren, in Rechnung zu stellen.

Als sicherlich vernünftigste Variante dürfte sich für die Verlage der Verkauf ihrer digitalen Medien auf Abonnementsbasis herausstellen.

Dies bietet sich an, da das Verfahren bisherigen Gepflogenheiten entspricht und keiner umfangreichen Entwicklung neuer Geschäftsprozesse bedarf. Verschiedene Methoden sind dafür denkbar und mit Werkzeugen der zweiten Web-Generation auch realisierbar.

Ein Verlag vergibt Zugriffsrechte an einen Abonnenten, der mit Abschluß seines Abos ein unter Umständen zeitlich begrenzt gültiges Paßwort erhält. Damit sind Dokumente nur von berechtigten Personen abrufbar. Um eine Weitergabe der Paßwörter zu verhindern, können die Leserechte verfallen, wenn zu viele Zugriffe erfolgt sind.

In einem anderen Konzept ist einem Namen oder Paßwort ein Guthaben zugeordnet, von dem bei jedem Dokumentenzugriff ein Betrag abgebucht wird, bis es auf Null steht. Dies ist eine sehr elegante Art, wie ein Verlag seine Produkte beispielsweise für Großunternehmen oder Bibliotheken anbieten und die Benutzung abrechnen kann.

Ähnlich funktioniert auch das Modell, gleichzeitige Zugriffe auf ein Werk zu limitieren. So kann ein Unternehmen Lizenzen für eine Fachzeitschrift mit fünf gleichzeitigen Zugriffen kaufen, die dann über Intranet oder Web den Mitarbeitern zur Verfügung stehen. Dieses Modell hat die Bibliothek der Universität Graz versuchsweise mit Meyers Konversationslexikon realisiert, das aus rund 40000 Dokumenten in Hypertext Markup Language (HTML) besteht.

Je nach Anzahl der Lizenzen (in diesem Fall drei) wird das Werk jeweils nur einem User zugeordnet. Wird das Lexikon gerade von der maximalen Lizenzanwenderzahl benutzt, erscheint die Meldung "Buch ausgeliehen". Jeweils nach fünf Minuten Online-Zeit wird die Ausleihe verlängert. Um ein Kopieren etwa durch Roboter zu verhindern, ist auch die Zahl der Einträge, die ein User pro Session abrufen kann, begrenzt. Um das ganze Werk zu kopieren, wäre etwa eine Woche Online-Zeit nötig, was für den Betreiber leicht bemerkbar wäre.

Bei traditionellen Web-Servern lassen sich die genannten Modelle jedoch kaum verwenden, da der Zugriffsschutz für Dokumente mit normalen Web-Servern und dem Session-losen Hypertext Transfer Protocol (HTTP) nur durch aufwendig programmierte Add-on-Lösungen möglich ist. Traditionelle Web-Server ermöglichen es nämlich nicht, Dokumente mit wichtigen Zusatzinformationen wie etwa dem Preis zu versehen. Darüber hinaus ist es nicht möglich, für Benutzer Accounts und Guthaben für die Gebührenabrechnung einzurichten.

Auch im Marketing sind neue Methoden gefragt

Es gibt zwar bereits Dienste, die Zugriffsrechte auf bestimmte Seiten über Abfragen mit CGI-Skripts regeln. Auch damit läßt es sich aber in der Regel nicht verhindern, daß die unmittelbaren URLs von bestimmten gebührenpflichtigen Seiten weitergegeben und diese später direkt, das heißt unter Umgehung der Zugriffsabfrage, angewählt werden.

Die Lösung für diese Problemstellungen ist die Verwendung einer Web-Lösung, die ein Session-Konzept beinhaltet und zudem den Schutz ganzer Dokumentengruppen mit einem einzigen Befehl ermöglicht. Über die Integration von objektorientierten Datenbanken mit der Web-Technologie läßt sich dies für die Anbieter komfortabel erreichen.

Für die Verlage bedeutet die Verwendung von Tools der zweiten Generation neben der Klärung der wichtigen Abrechnungsfrage auch Zugang zu wichtigem Marketing-Know-how. So läßt sich mit einer Session-Verwaltung feststellen, welcher Leser auf welche Inhalte zugreift. Auf diese Art lassen sich unter anderem auch Designfehler beim Web-Auftritt ermitteln: Es wäre beispielsweise erkennbar, daß User aus Übersee beim Anwählen einer Site immer an einer bestimmten Stelle aussteigen, weil dort eine Grafik unnötig lange Lade- und Übertragungszeiten beansprucht.

Angeklickt

Verlage sehen im elektronischen Informationsmedium Internet nicht nur eine Konkurrenz, sondern auch neue Geschäftsmöglichkeiten. Will man im Netz Informationen gegen Gebühr anbieten, ergeben sich Probleme bezüglich Urheberrechten, Zugriffskontrolle und Abrechnung. Inzwischen gibt es Techniken zur Sicherung von Copyrights, und auch für die Ermittlung und den Einzug von Gebühren sind Produkte am Markt. Erste Anwendungen scheinen sich zu bewähren.

*Christian Kvech ist Mitarbeiter der PR-Agentur Maisberger und Partner in München.