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18.03.1994

Verlage wollen auf Euphoriewelle mitschwimmen Multimedia-Titel: Spreu trennt sich nur langsam vom Weizen Von CW-Mitarbeiter Martin Weinert

Kein Mangel an Titeln zum Thema Multimedia, doch viele halten nicht, was ihre Cover versprechen. Echte Hilfestellung zur Anwendungsentwicklung ist selten. Weil das alle Hard- und Software-plattformen umfassende Standardwerk noch auf sich warten laesst, muss sich der Leser modular informieren.

Multimedia umfasst die sinnvolle Integration von Text, Ton, Grafik, Video, Animation und Sprache. Alle Funktionen sind interaktiv einsetzbar und lassen sich gegenseitig synchronisieren. Was zunaechst fantastisch klingt, schleppt jedoch einen wahren Rattenschwanz von Technologien, Standards, Schnittstellen und Know-how-Erfordernissen hinter sich her.

Der von den angeblich ebenso unbegrenzten wie kinderleichten Moeglichkeiten faszinierte PC-Benutzer muss einiges lesen, um sich einen groben Ueberblick zu verschaffen, und noch mehr, um eine konkrete Anwendung entwickeln zu koennen. Sei es die Entwicklung eines sprechenden Geldautomaten mit Touchscreen, eines interaktiven Lernprogramms fuer Kinder oder eines Stadtinformationssystems mit Zimmervermittlung.

Fuer Leser, die sich zum ersten Mal mit dem Thema beschaeftigen und sich zunaechst nur einen Ueberblick ueber Einsatzgebiete, technische Moeglichkeiten, aber auch Anwendungsgrenzen verschaffen wollen, eignet sich das Taschenbuch "Multimedia verstehen, planen und einsetzen" von Andreas Schmenk und Arno Waetjen (dtv, Muenchen 1993, 224 Seiten, 18,90 Mark).

Plattformen und die wichtigsten Standards

Der Titel beschreibt sachlich, knapp und ohne die sonst haeufige Multimedia-Euphorie das Zusammenspiel zwischen den Medien Sprache, Daten, Bild und Ton. Im Vordergrund stehen dabei immer jene Kriterien, die ein Medium fuer den Einsatz in einem Gesamtsystem problematisch beziehungsweise geeignet machen.

Das Buch informiert ueber die vorhandenen Rechnerplattformen und die wichtigsten Standards zur Datenkompression. Ausserdem beschreibt es grob die sehr populaeren Anwendungen "Quick Time" und "Video fuer Windows". Der Hauptteil erlaeutert die bisher lieferbaren Hard- und Softwarewerkzeuge, mit denen sich die Elemente einer Multimedia-Loesung separat bearbeiten und schliesslich verbinden lassen.

Die dazu erforderlichen technischen Voraussetzungen wie Bildaufloesung, Rechenleistung oder Schnittstellen werden in diesem Zusammenhang angesprochen. Den aktuellen Stand der Speichertechnik demonstriert das Buch am Beispiel magneto-optischer Datentraeger. Knappe sieben Seiten zeigen, welche Rolle ein Multimedia-System in Kooperation mit Datenbanken, Dokumentationen oder Praesentationen spielen kann. Das durchgaengig kompetent geschriebene Buch schliesst mit drei Beispielanwendungen aus der Praxis.

Die bisher ausfuehrlichste und anwendungsorientierteste Arbeit wurde von Anita Barthel aus dem Amerikanischen uebersetzt, heisst "Multimedia-Atelier" und umfasst einen kompletten Workshop zur Erstellung von Multimedia-Praesentationen (Te-wi Verlag, Muenchen 1993, 596 Seiten, 89 Mark). Das Buch behandelt das heisse Thema jedoch nur im Zusammenhang mit normalen PCs; interaktiver Fernsehkonsum im Wohnzimmer oder sprechende Stadtplaene werden nicht eroertert. Der PC, so beschreibt Autor Philip Shaddock seine Philosophie, sei fuer jeden von uns das ideale Instrument, um der modernen Welt der elektronischen Geraete Herr zu werden; diese Kontrolle sei es, die Multimedia-Anwendungen zu mehr machten als zur blossen Summe ihrer Bestandteile.

Bei Walt Disney die Hunde zum Laufen gebracht

Shaddocks Wort in Gottes Ohr; der Leser muss zunaechst einen kleinen Wermutstropfen hinnehmen. Mit der Wahl dieses Buchs entscheidet er sich naemlich auch fuer "Grasp" als eine von mehreren Sprachen, mit der sich Bilder animieren und Toene verzerren lassen. Ein Trost: Auch bei Walt Disney werden damit Hunde zum Laufen gebracht.

Zunaechst erlaeutert der Autor, wie die einzelnen Schritte einer Multimedia-Produktion aussehen. Er beschreibt die erforderliche Hard- und Software, mit der sich Toene und Bilder digitalisieren und veraendern lassen, organisatorische Erfordernisse und den theoretischen Hintergrund einer Animation. In diesem Abschnitt wird klar, dass sich die bunten Bilder trockenen Kenntnissen ueber Sound- und Grafikkarten einschliesslich diverser Standards verdanken.

So simpel, wie es wohl nur amerikanische Autoren koennen, erklaert Shaddock auf 23 Seiten die wichtigsten Befehle von Grasp. Nach zwoelf Seiten kann der Leser bereits eine Reihe von Bildern zusammenstellen und veraendern. Die fertigen Images kommen ebenso wie Grasp selbst von einer Diskette im Buchdeckel. Der Leser kann entscheiden, ob er tiefer in die Multimedia-Programmierung einsteigen moechte oder nicht: Das Kapitel schliesst mit den Moeglichkeiten, Grasp um in C und Pascal geschriebene Routinen zu erweitern.

In einem darauf aufbauenden praktischen Exkurs entwickelt der Anwender ein interaktives Menuesystem, auf dem sich Dias mausgesteuert mit Texten und Geraeuschen unterlegen lassen und schliesslich ueber den PC-gesteuerten Projektor an die Wand geworfen werden. Auf Basis dieser Hintergrundinformationen geht es im fuenften Kapitel um das Zauberwort Animation. Hier erfaehrt der Leser nicht nur, wie sich fuenf Fotos von "Sylvia" in eine klei-ne Filmsequenz verwandeln lassen, sondern auch, welche Standards, Aufloesungen, Scanning- Verfahren und Grundsaetze der Synchronisation dahinterstehen.

Im Anschluss an diese Lektion werden Bild und Ton synchron geschaltet; auf den Leser kommen seitenweise Programmcodes zu. Zum besseren Verstaendnis der Befehle ist jede Programmzeile kommentiert, so dass der Leser einzelne Zeilen veraendern kann.

Der Autor versteht es, immer wieder mitzureissen und zu motivieren. Trockene Fakten und wichtige Zusammenhaenge sind in separaten Kaesten zusammengefasst. Da Grasp durchgehend anhand von Beispielen und nicht theoretisch-methodisch beschrieben wird, muss der Leser jedoch etwas mehr Zeit mitbringen, als es bei einem reinen Lehrbuch der Fall waere. Von einer ganz anderen Seite geht das Werk "Multimedia - Das Handbuch fuer interaktive Medien" von Joachim Graf und Daniel Treplin an die Thematik heran (Neue Mediengesellschaft Ulm, Muenchen 1993, Loseblatt-Ausgabe, 78 Mark). Das als Nachschlagewerk konzpierte Handbuch wendet sich an Leser, die eine Multimedia-Anwendung entwickeln wollen und sich zuvor ueber vorhandene Produkte, Standards und technische Voraussetzungen informieren moechten.

Es bietet begrenzt aussagefaehige Untersuchungen zur Akzeptanz von Multimedia und kommentiert einige Prognosen zum erwarteten Marktwachstum. Die Entscheidung des Anwenders fuer die richtige Plattform unterstuetzt der Titel mit einer Beschreibung der am weitesten verbreiteten Systeme zur Wiedergabe digitalisierter Realbildfolgen: Apples "Quicktime", das DVI-Konzept von Intel, die Photo-CD von Kodak und Commodores CDTV. Im Vordergrund stehen weiterhin unterschiedliche Touchscreen-Techniken, die Relevanz des Standards HDTV fuer Multimedia-Plaene und die gaengigen Kom- pressionsstandards fuer CD.

Verfuegbare Produkte in einer Uebersicht

Den mit Abstand groessten und wichtigsten Teil nimmt eine sehr aufschlussreiche und gut kommentierte Uebersicht der heute verfuegbaren Multimedia-Produkte ein. Aus keinem anderen Grund sollte der Leser das Buch zur Hand nehmen, denn einige der anderen Kapitel sind inhaltlich erbaermlich duenn.

Weniger mit technischen An-forderungen als mit bereits umgesetzten Loesungen befasst sich der Titel "Multimedia - Interaktive Medien in Staedten und Gemeinden" von Wolfgang Mueller (Gemini Multimedia Verlag, Duesseldorf 1993, 244 Seiten, 24,80 Mark). Wer sich als Entscheidungstraeger in einer oeffentlichen Verwaltung darueber Gedanken macht, wie sich bestimmte Serviceaufgaben dem Buerger gegenueber effizienter erfuellen lassen, findet in diesem Softcover viele Anregungen. Im Vorwort gehen die Herausgeber auf die Notwendigkeit einer "unternehmerisch gefuehrten" Verwaltung ein, die sinnvoll arbeitet und den Buerger ueberzeugt. Gestalten statt verwalten lautet die Devise - die vorgestellten Multimedia- Anwendungen sollen diesen Versuch unterstuetzen.

Beschrieben werden existierende Informationssysteme in Staedten und Gemeinden, die als elektronische Wegweiser auf Grossveranstaltungen eingesetzt werden, mit Bild und Ton ueber die Sehenswuerdigkeiten der Stadt informieren oder die guenstigste Busverbindung zu einem genannten Ort angeben.

Aus der Fremdenverkehrsfoerderung wird ein System vorgestellt, das elektronisch Zimmer reserviert und automatisch die jeweilige Rezeption anruft. Detailliert beschrieben wird ausserdem, wie sich die internen Ablaeufe in Verwaltungen mit elektronischen Akten und Image-Processing-Systemen beschleunigen lassen. Dabei geht es nicht immer nur um grosse und teure High-Tech-Loesungen, sondern auch um Ideen, die sich nur einzelner Komponenten des Multimedia- Konzeptes bedienen und die Arbeit trotzdem erheblich effizienter machen.

Terminals, die den Benut-zer im interaktiven Dialog ueber geografische Besonderheiten informieren, und Moeglichkeiten des Einsatzes von Multimedia im Schulunterricht sind weitere Themen.

Am Ende spricht Mueller ueber Kosten. Teuer sei nicht die Hardware, sondern die Produktion der Anwendung selbst, die, abhaengig von der Qualitaet des Programms, bis zu einer Million Mark kosten koenne. Entscheidungstraeger, die sich auch fuer ihre Gemeinde einen elektronischen Helfer wuenschen, finden am Ende des Titels das Leistungsprofil einiger Anbieter.

Das Buch beschreibt nicht nur Loesungen, sondern auch diejenigen Probleme, die Stadtverwaltung oder Gemeinderat ueberhaupt erst zur Anschaffung multimedialer Systeme bewegt haben. Durch die Vielzahl der vorgestellten Anwendungen kann sich der Leser gleichzeitig ein Bild von typischen Schwierigkeiten der Verwaltungen anderer Staedte machen und Schluesse fuer die Loesung der eigenen Probleme ziehen.

Wer sich intensiver und vor allem professionell mit Fragen der Bildverarbeitung als zentralem Bestandteil jeder visuell untermauerten Information auseinandersetzen will, findet in dem Titel "Grafik-Atelier" von Tim Wegner (Te-wi Verlag, Muenchen 1993, 539 Seiten, 89 Mark) saemtliche Techniken zum Design und zur Bearbeitung von Grafiken. Auf einer beigelegten Diskette stehen sechs Tools zur Verfuegung, mit denen sich eingescannte oder selbstentworfene Bilder beliebig veraendern lassen.

Fuer professionelle Entwickler von Benutzer-Schnittstellen als wichtige Komponente eines Multimedia-Systems beschreibt der englische Titel "Multimedia Interface Design" von Meera Blattner und Roger Dannenberg, welche ergonomischen und auch psychologischen Aspekte bei dem Entwurf eines interaktiven Dialogsystems beachtet werden sollten (Addison-Wesley, 438 Seiten, 99,50 Mark).

Einstiegshilfe fuer interessierte PC-Anwender

Als "ein Navigator durch die Multimedia-Welt" stellt sich der aktuelle Titel "Multimedia PC" von Armin Mueller aus dem Vieweg- Verlag vor (Braunschweig, 153 Seiten, 39,80 Mark). Dieser Anspruch wird erfuellt. Produktneutral, mit aussagekraeftigen Grafiken, uebersichtlichen Tabellen und vor allem einem gut lesbaren und fuer PC-Besitzer leicht verstaendlichen Text bietet sich der Titel als einfacher und dennoch differenzierter Einstieg in das Thema an und darueber hinaus als erstes Lehrbuch zum Selbststudium.

Ein knapp zusammengefasstes Kapitel geht auf Anwendungsmoeglichkeiten und -beispiele ein; ferner werden auf besonders kurze, aber gleichwohl praxisgerechte Art und Weise unter der Ueberschrift "Aber bitte womit denn?" Multimedia- Installationen mit unterschiedlichen Komponenten skizziert. Ein ausfuehrliches Glossar (19 Seiten) und eine kleine Auswahl von Kontaktadressen komplettieren diese Multimedia-Einstiegshilfe fuer den interessierten PC-Anwender.