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25.04.1975

Verlagerung der "Computer-Intelligenz"

F. Lang, Geschäftsführender Gesellschafter der CSA Computer-System-Anwendungen GmbH & Co. KG, Hattingen/Ruhr

Es besteht kein Zweifel, daß die Konzentration von Informationsabläufen auf einen zentralen Rechner eine nach wie vor vertretbare Konzeption darstellt.

Bei steigender Erfahrung der Computerfachleute mit dieser Organisationsform stellte sich jedoch so manche Schwierigkeit ein.

Die Fachwelt begann nun, diese Schwierigkeiten zu analysieren, und heute zeigt sich ein Trend zur Verlagerung der "Computer-Intelligenz". Lassen Sie mich zuerst eine Lanze für das zentrale Konzept brechen, um die Aufgabenstellungen besser abgrenzen zu können. Es zeigte sich, daß die klassischen Batch-Aufgaben (Abrechnungen, die periodisch abgewickelt werden müssen) die Richtigkeit der Konzeption unterstreichen. Täglich einmal anfallende Abrechnungen, zum Beispiel Übertragung der angefallenen Bewegungsdaten einer Bankfiliale zum zentralen Rechner, und Rückübertragung der Ergebnisse an die Filiale stellten diese Organisationsform nicht in Frage, obwohl die Periode von einem Tag gegenüber den ersten Aufgabenstellungen unserer Computer, etwa die einer monatlichen Lohnabrechnung, schon kurz geworden war. Mit steigendem Interesse an noch schnellerem Datenzugriff und Datendurchsatz war die Idee des Informationssystems geboren .

Es war eine natürliche Entwicklung, daß man in Online-Systemen auf die bewährte Organisationsform zurückgriff und mit verstärktem Einsatz von Bildschirmgeräten und Magnetplatteneinheiten diesem Bedürfnis begegnete. Dabei zeigte sich, daß die Übernahme von mehreren klassischen Batch-Aufgaben zu einer parallelen Verarbeitung, d. h. Multiprogramming und Multitasking, noch immer lösbar waren.

An dieser Stelle sollten die internen Steuerungssysteme von Rechnern wie CICS und IMS besonders hervorgehoben werden.

Selbstverständlich war auch die Entwicklung der Zugriffsmethoden auf die Datenspeicher wie die DOS-oder OS-Versionen von entscheidender Bedeutung.

In Online-Systemen wurden die entsprechenden Teleprocessing-Routinen wie BTAM, QTAM oder TCAM von großer Wichtigkeit.

Nun begann eine Entwicklung der Verquickung der "Batch" - Aufgaben mit den "Real-Time" - Aufgaben in bereits sehr großen und aufwendigen Systemen.

Der Jumbo-Computer war geboren !

Aber dieser Jumbo wurde bald unbeweglich und teuer, die aufwendige interne Ablaufsteuerung fast zum Selbstzweck.

Es wäre sicherlich falsch, diese Entwicklung als Konzept der Vergangenheit zu erklären, und die Schlagworte "Verbundsysteme " oder "Rechnerhierarchien" als neues Allheilmittel anzupreisen. Besonders auffällig wurden die Schwächen in der Industrie. Ein Konzernunternehmen ist ein gewachsenes Gebilde mit unterschiedlicher Struktur und entsprechend differenzierten Aufgabenstellungen. Aufgaben der Konzernspitze, wie Finanzmanagement oder langfristige Planungen, unterscheiden sich in Priorität und Tragweite für das Unternehmen sehr weit von den Problemen der kurzfristigen Terminsteuerung im Werk X, 500 km vom Sitz der Konzernspitze entfernt.

Jede Entscheidung ohne Unterschied von Gewicht und Einfluß auf das Unternehmen bedarf der vorbereitenden Information. Die Computertechnologie als Hlifsmittel für die Informationssammlung, die Informationsverarbeitung und Infarmationsverteilung im Unternehmen muß sich neu orientieren.

Verlagerung der "Computer-Intelligenz".

Es ist immer derselbe Kreislauf: Erkennen - Verarbeiten - Entscheiden. Je kurzfristiger, richtiger und besser die Information dargestellt und je sicherer sie wird, um so mehr steigert sich ihr Wert an jeder Stelle des Unternehmens. Die Verlagerung der Computer - Intelligenz an die Front, um die Aufgaben eines Bereiches bewältigen zu können, ist und darf keine Abkehr von zentralen Organisationsformen sein, nur die sinnvolle Verlagerung von Aufgaben auf kleinere Einheiten zur Steigerung des Informationswertes.

Die dezentrale Intelligenz muß die "Real-Time" Aufgaben des Bereiches, in welchem sie arbeitet, übernehmen, und die Quintessenz dieser Aktivitäten in Batch-Information für den zentralen Rechner umformen.

Der zentrale Rechner hat für seinen eigenen Einsatzbereich genau wie der "kleine Bruder" an der Peripherie "Real-Time" - Aufgaben und zusätzlich alle Batch-Aufgaben aus seinem Bereich und dem der "kleinen Brüder" zu übernehmen.

Entsprechend dieser Konzeption muß auch der Komplex "Software" neu betrachtet werden. Es ließe sich vielleicht so darstellen, daß zentral alle Batch-Aufgaben, alle Online-Aufgaben und die Standardisierung des Informationsaustausches mit den Bereichen verantwortlich entwickelt werden mußten, der Bereich jedoch, unter Wahrung der zentralen Vorgaben, mehr Individualität erhalten müßte. Die Flexibilität, auch die der Computertechnik, ist zum Bedürfnis geworden. Wir haben erfahren müssen, daß starrer Zentralismus keine befriedigende Lösung war, also müssen wir neue Wege finden, und ich meine, es lohnt sich, sie zu finden. Ein weiterer wichtiger Betrachtungspunkt ist die Sicherheit gegenüber Informationsausfall. Schwerfälligkeit ist anfällig, und ein "Jumbo-Break" eine Katastrophe.

Egal ob sie für Ihre Verlagerung eine sternförmige, hierarchische oder vernetzte Form als die Lösung für Ihr Unternehmen erarbeiten werden, die Aufteilung auf autark funktionierende kleinere Einheiten wird die Sicherheit für Ihr Unternehmen verstärken.

Eines kann man bei diesem neuen Konzept unterstellen: daß der Computer entmythologisiert wird, und Sie jene Mitarbeiter im Unternehmen finden werden, die Sie so notwendig für Ihr Informationssystem brauchen.

Wenn die Verlagerung der Computer-Intelligenz so verstanden wird, dann wird sich durch das "good will" der Mitarbeiter die Informationsgesohwindigkeit und damit der Informationswert für den einzelnen Menschen weiter erhöhen, man wird lernen, den Computer als das zu benutzen, was er ist: Hilfsmittel der Informationstechnik.