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15.09.1978

Vermittlungsrechner von der Northern Telecom Ltd.Bundespost startet Pilotprojekt für Paketevermittlung

Die Deutsche Bundespost (DBP) wird Anfang nächsten Jahres ihre erste Datenpaketvermittlung in Betrieb nehmen. Sie wird in Berlin aufgebaut und - zumindest vorerst - nur für das Projekt BERNET genutzt werde. Das Projekt BERNET (Kunstwort: BERIiner RechnerNETz für die Wissenschaft) ist ein vom Bundesminister für Forschung und Technologie auf Antrag des Senators für Wissenschaft und

Forschung, Berlin, finanziell gefördertes Vorhaben mit der Zielsetzung, Lösungen für die Zusammenarbeit verschiedener Rechner in einem Rechnerverbundnetz zu erarbeiten. Einer der Ausgangspunkte hierfür war die Bereitstellung eines auf Empfehlung X.25 des C.C.I.T.T. aufbauenden Datenpaketvermittlungdienstes durch die DBP.

Für die Bereitstellung eines derartigen Dienstes - vorerst in die DBP nunmehr den ersten entscheidenden Schritt getan: Der A für die Lieferung eines Vermittlungsrechners (VR) ist an die kanadische Firma Northern Telecom Ltd. (NT), Ottawa, vergeben worden. Ausschlaggebend für die Vergabe an NT war nicht nur die Preiswürdigkeit des Angebotes und die umfassende Kommentierung für die Erfüllung der vom Fernmeldetechnischen Zentralamt der DBP erstellten Aufgabenzusammenstellung, sondern auch die Tatsache, daß die von NT gelieferten Einrichtungen seit über einem Jahr im Datenpaketvermittlungsnetz "Datapac" der Kanadischen Computer Communications Group (Organisationseinheit der landesweit arbeitenden Trans-Canada-Telephone-System) bewährt haben.

Dies mindert das Risiko für die DBP und läßt für den Anwender erwarten, daß er die für den Rechnerverbund erforderlichen Untersuchungen durchführen durch unzureichend erprobte VR rechnen zu müssen. In betrieblicher Hinsicht ist es jedoch auch für die DBP ein Pilotprojekt, weil die Grundfunktionen dieser Technik weit mehr einer Speichervermittlung ähneln als den bisher bei der DBP eingesetzten Leitungsvermittlungen (etwa dem System EDS der Siemens AG).

Im Datapac sind zur Zeit neun VR eingesetzt, für BERNET wird es zunächst nur einer sein. Dies zum einen deshalb, weil ein VR für die zunächst zu erwartende Verkehrsmenge bei der geographischen Verteilung der Endstellen ausreicht, und zum anderen auch deshalb, weil die Empfehlung X.75, die die Netzprozeduren, internationale Verbindungsleitungen zwischen den Datenpaketvermittlungsnetzen festlegt (und indirekt damit auch die Betriebsabwicklung zwischen nationalen VR), noch nicht vom C.C.I.T.T. angenommen worden ist (die beschleunigte Abstimmungsprozedur ist eingeleitet worden).

Als Bereitstellung für die Abnahme der gelieferten Einrichtungen wurde mit NT der 2. Januar 1979 vereinbart. NT wird erstmalig die LAP B liefern, also jene Version der Ebene 2 der Empfehlung X.25, die von der ISO befürwortet wird und vom C.C.I.T.T. für künftige Anwendungen bevorzugt empfohlen wird. Es werden zunächst nur X.25-konforme Endeinrichtungen angeschlossen. Die vorhandenen Rechner (s.Tabelle) werden über Vorrechner (AEG 80/40) entsprechend angepaßt. Die Ebene 2 (HDLC-Ebene) wird von der Firma AEG implementiert, die Ebene 3 (Paketebene) und die höheren Ebenen (Anwendungsebenen) dagegen vom Anwender im Rahmen des BERNET-Projektes. Die Führung hierbei haben das Wissenschaftliche Rechenzentrum Berlin (WRB) und das Hahn-Meitner-Institut für Kernforschung Berlin kooperativ übernommen.

Für Anwendungsebenen kann die Projektgruppe BERNET hierbei auf Modelle zurückgreifen, die unter ihrer eigenen Mitarbeit in der Entwicklungsgruppe "Pilotkomplex technisch\wissenschaftlicher Rechnerverbundsysteme" (PIX) ausgeführt worden sind. Zur PIX-Gruppe gehören mehrere Hochschulen und wissenschaftlich-technische Institutionen im gesamten Bundesgebiet, deren Mitglieder sich das Ziel gesetzt haben, normungsfähige Regeln für den Verbundbetrieb verschiedener Rechner zu entwickeln und zu erproben. Dadurch dürfte sichergestellt sein, daß die Ergebnisse des Pilotprojektes BERNET nicht nur von lokaler Bedeutung sind, sondern für einen weiten Anwendungskreis nützlich sein werden.

In einer ersten Phase werden folgende Großrechneranlagen über 48-KBit/s-Leitungen angeschlossen werden:

Maschinentyp Institution

CYBER 175 WRB

CD 6500 ZRZ

CYBER 172 ZEDAT

TR 440 GRZ

Siemens 7.755 HMI

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WRB: Wissenschaftliches Rechenzentrum Berlin

ZRZ: Zentraleinrichtung Rechenzentrum der Technischen Universität Berlin

ZEDAT: Zentraleinrichtung Datenverarbeitung der Freien Universität Berlin

GRZ: Großrechenzentrum für die Wissenschaft Berlin

HE: Hahn-Meitner-Institut für Kernforschung Berlin GmbH

Den Benutzern dieser Organisationen wird damit ein einfacher Zugriff zu allen angebotenen DV-Dienstleistungen ermöglicht werden, was sicherlich die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Wissenschaftsgebieten und unterschiedlichen Forschungsinstituten erleichtern und damit wohl auch fördern wird.

*H. Jendra ist Sachbearbeiter im Fernmeldetechnischen Zentralamt, Referat für Telegrafen- und Datenvermittlungssysteme, Darmstadt