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30.09.1977

Vermutlich noch Jahre auf dem Weg zum Endbenutzer

Mit Gerd vom Hövel, Geschäftsführer der Münchener Messe- und Ausstellungsgesellschaft, sprachen die CW-Redakteure D. Eckbauer und E. Elmauer

- Auf der Systems stellen nunmehr alte bedeutenden Computerfirmen aus, nur Siemens nicht. Gibt es inzwischen bei Siemens eine neue Entscheidung und ist die Systems inzwischen als Anti-CEBIT konzipiert?

Die Konzeption der Systems ist von vornherein auf einen Verbund von Seminaren und Fachmessen angelegt. In diesem Verbund geht es darum, Computerhersteller, Anbieter von Software sowie EDV-Experten und Anwender zu einem Erfahrungsaustausch zusammenzuführen, zum Nutzen aller Partner. Ich sage bewußt aller Partner, weil der Computerhersteller genauso darauf angewiesen ist, sich über weltweite Markttrends zu informieren, wie der Computeranwender. Ich habe damit auch schon zum Ausdruck gebracht, daß wir die Systems nicht als deutsche oder europäische, sondern als eine echt multinationale Veranstaltung sehen. Dieser Ansicht sind mittlerweile alle großen EDV-Hersteller, auch das Haus Siemens, das der Systems aufgrund verschiedener Aussagen positiv gegenübersteht. Dies kommt durch eine aktive Beteiligung am Seminarteil zum Ausdruck. Ab 1979 wird Siemens sicher auch innerhalb der Fachmesse als Aussteller vertreten sein. Wir haben nun den Ausstellern sozusagen einen Ratgeber für die Vorbereitung des Ausstellungsprogrammes zugeschickt, damit er sich bei der Standgestaltung und Besetzung auf das Ereignis Systems 77 vorbereiten kann. Denn wenn die Seminar- und Symposionsteilnehmer in die Fachmesse kommen, haben die ja bestimmte Probleme, die sie mit den Ausstellern lösen wollen. Da kommt es eben darauf an, daß sie die richtigen Gesprächspartner finden und branchenspezifische Anwenderprobleme dargestellt werden.

- Lassen Sie uns hier noch einhaken. Welche Möglichkeiten hat der einzelne Besucher, sich durchzufinden? Und - schaffen Sie nicht eine Konkurrenzsituation zwischen dem Kongreß- und Produktangebot? Zumal der Kongreß Besucher wegzieht, so daß die Produkte in leeren Hallen stehen.

Nein. Durch unser in zwei Jahren Vorbereitungszeit klar konzipiertes Seminar- und Kongreßprogramm vermeiden wir negative Erfahrungen, die immer bei einem zu detaillierten Seminarprogramm gemacht werden. Während bei einer Veranstaltung wie der Systems, die alle zwei Jahre an einem Ort stattfindet, nach unserer Meinung ein Qualitätsmerkmal entsteht. Wenn sich die Aussteller auf die Thematik einstellen, wenn sie nicht auf Repräsentation, sondern auf Präsentation von Problemlösungen aus, sind, dann kommt auch ein echtes Fachgespräch zwischen den einzelnen Kreisen zustande. Dann stellt sich die Frage überhaupt nicht, ob CEBIT und Systems Konkurrenz sind. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Die Systems ist eine klar konzipierte Kongreßmesse, mit Verbundsystem Seminar und Fachmesse. Die Fachmesse ist in ihrer Größe überschaubar. Wir haben bewußt auf eine Gliederung im einzelnen verzichtet, deren noch ist die Größe der Systems so, daß sich ein Besucher gut zurechtfinden kann. Wir müssen dabei zwischen den 2500 Seminar- und Symposiumsteilnehmern sowie den etwa 20 000 reinen Ausstellungsbesuchern unterscheiden, so daß sich Ihre Frage, hier CEBIT, da die Systems nicht stellt. Ich persönlich möchte sogar die Behauptung aufstellen, daß die Systems in ihrer Konzeption eine notwendige, sinnvolle Ergänzung zu dem Anliegen CEBIT darstellt. Ich freue mich, daß die Industrie, die sich ja vorher skeptisch gegenüber der Systems äußerte, heute geschlossen positiv zum Anliegen und zur Grundkonzeption der Systems steht. Ich möchte heute sagen, daß diese Systems 77 auch den Durchbruch der Idee Systems bedeutet - daß uns dabei die Marktentwicklung sehr entgegengekommen ist, ist eine andere Frage. Die Dezentralisierung der Datenverarbeitung hat das unmittelbare Gespräch mit den Computer-Anwendern noch notwendiger gemacht, als das vielleicht früher der Fall war. Die Industrie muß den direkten Kontakt zum End-Anwender finden: Zum Mediziner, zum Bauwesen, zur öffentlichen Verwaltung, diese direkte Marketing-Möglichkeit ist nach meiner Meinung in idealer Form auf der Systems gegeben. Die CEBIT dagegen ist eine umfassende Büro-Ausstellung, bei der die EDV ein Teilbereich des Gesamtangebots ist. Die Systems hat sich ausschließlich der Computer-Anwendung verschrieben, und wir freuen uns, daß heute Experten die Systems als die europäische Computer-Konferenz ansehen.

- Sie haben anklingen lassen, daß sich auch der einzelne Hersteller über die Konkurrenz informieren will. Gerade die Systems galt bisher ein bißchen als OEM-Messe, weniger als Publikumsmesse: Wie werden Sie der Systems auch beim breiteren Publikum zum Durchbruch verhelfen?

Die Neuartigkeit der Konzeption besteht darin, daß wir einzelne Anwendergruppen in die Verantwortung gebracht haben. Wir haben eine Vielzahl von Seminaren in den einzelnen Branchen. Diese Seminare werden federführend von den wichtigsten EDV-Anwender-Organisationen der jeweiligen Branche veranstaltet. Im Bauwesen haben sich etwa alle Baufachverbände zusammengetan, um gemeinsam alle zwei Jahre ihr EDV-Seminar Bauwesen bei der Systems zu organisieren; genauso können Sie das für alle anderen Seminare gelten lassen. Durch dieses Engagement der Anwender-Organisationen und das hierauf abgestimmte Produktprogramm der ausstellenden Industrie, wird die Systems zu der Informationsplattform für alle an der EDV interessierten - etablierte Anwender ebenso wie potentielle Erstanwender. Zugleich findet ein Brückenschlag zwischen den Branchen statt, die sich hier zwar getrennt treffen, aber den Erfahrungsaustausch über die Grenzen der Branchen hinweg pflegen können. Wenn nun neue Technologien die Computer-Anwendung begünstigen oder behindern, zum Beispiel hat die Dezentralisierung der Datenverarbeitung dazu geführt, daß der Nachrichtentechnik eine ganz andere Bedeutung zukommt - reagieren wir prompt. So spielen bei der Systems 77 die Nachbartechnologien zur EDV eine entscheidende Rolle.

- Was den Blumenstrauß des Systems-Angebots verbindet, ist der Systems-Slogan "Computer auf dem Weg zum Endbenutzer". Er wurde von der Systems 75 unverändert übernommen. Heißt das, dieser Systems 75 ist es nicht gelungen, den Computer auf dem Weg zum Endbenutzer voranzubringen oder umgekehrt, den Benutzer näher an den Computer zu bringen?

Aus meinen praktischen Erfahrungen mit der EDV und den Erfahrungen, die ich mit der Systems gemacht habe, kann ich sagen, daß die Messe sicherlich einmal die Funktion eines Spiegelbildes des Marktes hat: Damit kann sie aber nur das widerspiegeln, was der Markt tatsächlich an Trends und Strömungen beinhaltet. Aus dieser Sicht heraus sind also Schwierigkeiten der Systems zugleich auch Schwierigkeiten des Marktes. Jetzt möchte aber die Systems auch Marketing betreiben: Auch von daher kenne ich die Schwierigkeiten, die zwischen Anwendern und Herstellern am EDV-Markt auftreten, bei dem Versuch, EDV-Produkt und -Anwender sinnvoll und wirtschaftlich einander näherzubringen. Dazu soll die Systems beitragen. Die Fachbeiräte haben noch soviel Aufgaben und Chancen, diese Systems weiterzuentwickeln - der Weg ist noch lang. Zudem: Ein Markt, bei dem es keine Probleme gibt, ist für eine Messe nicht geeignet.

- Gibt's schon Konzepte, die in nächster Zeit realisiert werden und die die Fortentwicklung in die Zukunft kennzeichnen?

Die Konzepte gibt es natürlich, nur wollen wir jetzt einmal testen, wie die Systems 77 verläuft. Der Vorteil unserer messepolitischen Strategie ist ja: Wir haben einen Fachbeirat, in dem kein Aussteller vertreten ist, sondern die Repräsentanten der Benutzergruppen, die sagen, wo den Anwender der Schuh drückt. Auf der anderen Seite haben wir einen Aussteller-Beirat, der aus Sicht der Aussteller sagt, wo national oder international die Probleme liegen. Hier ist ein Brückenschlag zugunsten der Konzeption der Systems zu vollziehen. Es gibt viele Messen, die in ihrer Spezialisiertheit sauber abgrenzbar sind. Aber die Systems hat eine Sonderstellung: Hier soll die EDV, der Computer, ein integrierendes Instrument für alle Branchen sein. Mit der Systems hat man die neutrale Plattform, wo sich Branchen, wo sich Hersteller zusammenfinden können, um einen gemeinsamen Weg zu finden, die Integration der EDV in die moderne Wirtschaft voranzubringen.

- Wir sehen hier eine gewisse Polarität. Auf der einen Seite die Repräsentanten der Benutzergruppen, zum anderen die Aussteller und der Wunsch der Messeleitung, Marketing zu unterstützen. Wenn wir das Programm anschauen, dann haben doch die Aussteller ihre Vorstellungen durchgesetzt. Da wird viel Futuristisches geboten - daß diese Themen dem Anwender bei seinen wirklichen Problemen helfen, das wagen wir zu bezweifeln. Sollte man nicht ein bißchen die Innovation bremsen und dem Anwender mehr Zeit lassen?

Sie greifen hier unserem Ziel vor. Sie sagen, da ist noch zuviel Zukunftsmusik drin. Von der Hoffnung, daß wir die Perfektion erreichen können, kann man nicht ausgehen. Wir müssen uns Schritt für Schritt an dieses Ziel heranarbeiten. Wir sind aber mit Ihnen der Meinung, daß wir durch die Entwicklung der letzten Jahre zum Nachdenken über den technischen Fortschritt gezwungen worden sind. Dies ist besonders aktuell im Computerbereich: Wir werden vermutlich noch Jahre auf dem Wege zum Endbenutzer sein. Natürlich gibt es viele Themen, die auch 77 noch nicht so sind wie wir uns das vorstellen. Aber damit stellen wir nicht die Systems in Frage, sondern wir stellen bei der Systems zwischen Herstellern und Anwendern zur Diskussion, wie können wir dieses Ziel noch schneller erreichen. Deshalb wollen wir eine dynamische Systems, bei der die Probleme auf den Tisch kommen, bei der keiner ein Blatt vor den Mund nimmt. Weder Hersteller noch Anwender. Einerseits sollten die Anwender den Mut haben, hier auf der Systems klar zu sagen: So geht's nicht, so plant ihr an unseren Gegebenheiten und Notwendigkeiten vorbei. Andererseits hat die herstellende Industrie die Chance, die technisch mögliche und wirtschaftlich optimale Nutzung ihrer Produkte zu demonstrieren.