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12.03.1999 - 

Kolumne

"Verona, die Siebzehnte.."

Wenn Verona Feldbusch in den Untiefen der deutschen Sprache auf Grund läuft, findet das unser aller Verständnis. Zu sehr haften jedermanns Augen am Emblematischen, am Sinnbildlichen also ihrer Erscheinung als Ganzkörperkunstwerk. Da verzeihen wir gern und verstehen trotzdem alles.

Nicht ganz überraschend haftet solcher Nimbus den Siemens-Managern eher weniger an. Weswegen wir sehr genau darauf achten, was sie uns, der Journaille, vor allem aber, was sie ihrer Belegschaft zu sagen haben. Und das ist laut einem "Brief an alle Computer- Systems-Mitarbeiter" folgendes, und zwar wortwörtlich: "(...) die Verbesserung unserer Kostensituation wird nicht ohne Personalreduzierungen möglich sein. (...) Die Planungen sehen heute eine Personalreduzierung in einer Größenordnung von zirka 180 Mannjahren in Augsburg, 350 in München-Perlach und 300 in Paderborn vor. Die regionalen Vertriebsorte werden mit rund 300 Mannjahren betroffen sein. (...) Mit freundlichen Grüßen Robert Hoog Joachim Malterer."

Was die zwei siemensianischen Mannjahre Hoog und Malterer da mitzuteilen haben, ist zwar schmerzlich. Aber es ist wenigstens deutlich und unmißverständlich. Ist es das?

Kaum war die Offenbarung von den betriebswirtschaftlichen Unpäßlichkeiten des Siemens-Konzerns an die Öffentlichkeit gelangt, bewies dieser, daß Deutsch auch für Einheimische zur Fremdsprache geraten kann. Nicht nur sei der in die Runde geworfene Begriff von den Massenentlassungen "überzogen", obwohl er bei einem über zwanzigprozentigen Stellenabbau bei der deutschen CS-Abteilung semantisch ja durchaus vertretbar wäre. Vielmehr, so ein Firmensprecher, werde es überhaupt keine Entlassungen geben. Ein Stellenabbau hingegen sei möglich, Personalanpassungen geplant.

Wir mentalen Metablocker haben mit solcherlei euphemistischen Wortdrechseleien allerdings so unsere liebe Müh und Not. Deswegen folgender Vorschlag: Warum nicht schlechte Nachrichten in Zukunft gleich von Verona präsentieren lassen? Was immer sie dann auch zu sagen versucht, es wird überlagert werden von ihrer ganz fleischgewordenen Unwirklichkeit. Die Firmenverantwortlichen müssen dann nur dafür sorgen, daß genügend Fernsehkameras herumstehen. So untief vermag keine deutsche Sprache zu sein, daß Siemens mit Verona oder umgekehrt dann doch noch auf Grund laufen würde.