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Anwendergespräch an der Universität Erlangen-Nürnberg: Unbefriedigende Accounting-Routinen


26.05.1978 - 

Verrechnungspreis nicht letzte Weisheit

NÜRNBERG (ee) - Verrechnungspreise passen offenbar zur "Abrechnung von Rechenzentrums-Dienstleistungen" (so der Titel einer Anwendergespräches an der Universität Erlangen-Nürnberg) nicht überall ins Konzept. Während Professor Dr. Otto H. Poensgen (Saarbrücken) engagiert dafür plädierte, mit Hilfe von Verrechnungspreisen die verfügbaren Kapazitäten maximal auszureizen, stemmte sich ein Rechnungshofvertreter (D. Kiel, Niedersachsen) gegen ein Verrechnungspreissystem bei Großrechenzentren der Behörden.

Das von der Gesellschaft für Informatik zusammen mit der Association for Computing Machinery (ACM), dem Arbeitskreis der Leiter wissenschaftlicher Rechenzentren und dem Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Mertens durchgeführte Anwendergespräch fand, gemessen am speziellen Thema, mit 150 Besuchern ein erstaunliches Echo. Betriebswirtschaftliche Grundlagen der Abrechnung, Probleme der Datenbeistellung durch Betriebssysteme und Accounting-Routinen, sowie die Beschreibung von ausgewählten Abrechnungssystemen in Privatwirtschaft und öffentlicher Verwaltung (einschließlich der Hochschulen) lieferten den Diskussionsstoff dieser Tagung.

Professor Poensgen war beim Thema "Verrechnungspreise als Instrument der Kostenkontrolle und Kapazitätspolitik in Rechenzentren" sogar bereit, ein relativ kompliziertes, weil mit mehreren rasch wechselnden Preisen operierendes System in Kauf zu nehmen. Allerdings waren nicht alle Referenten und Teilnehmer der Auffassung, daß das am stärksten ausgefeilte System auch das beste sein müßte. Beispielsweise berichtete Dr. H. J. Schrader, Versandhaus Quelle, daß man dort von der innerbetrieblichen Verrechnung der Inanspruchnahme einzelner Computerkomponenten wieder mehr abkommt und sich stärker auf die CPU-Zeit als Leistungseinheit konzentriert. Schrader warnte davor die Wirtschaftlichkeitseffekte eines Abrechnungssystems zu überschätzen, bezifferte aber immerhin die Einsparung im Hause Quelle auf mehrere Hunderttausend Mark pro Jahr. Bei den weiteren Beschreibungen von praktischen Abrechnungssystemen, etwa denen des Preussag- oder des Bosch-Konzerns fiel auf, daß das Risiko einer falschen Kalkulation neuer DV-Dienstleistungen im allgemeinen nicht von den Rechenzentren, sondern von den Fachabteilungen übernommen wird.

Prof. Dr. H. R. Hansen und H. P. Löhrs (Gesamthochschule Duisburg/RZ der Finanzverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen) trugen vergleichende Untersuchungen über Accounting-Routinen in verschiedenen Großrechner-Betriebssystemen vor. Ergebnis war, daß der Stand der Technik auf diesem Sektor noch recht unbefriedigend ist und daß es wegen der noch großen Unterschiede zwischen den Herstellern vor allem für große Rechenzentren mit Maschinen verschiedener Fabrikate sehr schwer ist, ein einheitliches Abrechnungssystem zu entwerfen.

Die Berichte über Abrechnungssysteme bei Großrechenzentren in Behörden (z. B. Hansestadt Hamburg) und Universitäten zeigten, daß dort die Fronten in Bewegung geraten sind. Offenbar können diese Rechenzentren ihre Kosten pro Leistungseinheit mittlerweile recht genau ausweisen. Es ist jedoch noch außerordentlich umstritten ob in diesen staatlichen Institutionen Leistungsabrechnungssysteme eingeführt werden sollen, die auf Marktmechanismen aufbauen und den modernen Verfahren in der Privatwirtschaft nachempfunden sind, oder ob mehr bürokratischen Kontingentierungsmethoden der Vorzug zu geben ist. Zur Überraschung der Teilnehmer plädierte denn auch gerade ein Rechnungshofvertreter (D. Kiel, Niedersachsen) eher gegen ein Verrechnungspreissystem .