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21.04.2000 - 

Reine Datenbanker-Rolle reicht nicht

Versant spielt Middletier in den Vordergrund

MÜNCHEN (ls) - Durch einen millionenschweren Großauftrag von France Télékom sieht sich Versant in der Strategie bestätigt, dem einst lediglich auf die Objektdatenbank ausgerichteten Angebot eine Infrastruktur für E-Business-Anwendungen zur Seite zu stellen.

Die Träume der Objektdatenbanker aus den frühen 90er Jahren sind ausgeträumt. Die objektorientierten Speicher-Manager sind nicht auf dem Sprung, die Oracles des neuen Millenniums zu werden. Mit dem Ende der Hoffnungen stürzte im Fall von Versant prompt der Aktienkurs ab.

Inzwischen hat die Neupositionierung des einst nur für seine Datenbank bekannten Objektspezialisten Gestalt angenommen. Vordergründig war zunächst nur die Reduzierung der internationalen Niederlassungen zu erkennen, intern wurde die Entwicklung umorientiert. Heute gehen nur noch 60 Prozent sowohl der personellen wie der finanziellen Entwicklungsressourcen in das ODBMS.

Die Objektdatenbank hat eine neue AufgabeDer andere Teil steht unter dem Titel Middletier, besser zu verkaufen als "E-Business-Strategie". Konkret besteht diese aus einer Reihe von EJB-Produkten (EJB = Enterprise Javabeans), keinen fertigen Applikationen, sondern 100-Prozent-Java-Tools, die die Entwicklungszeit von Web-basierten Anwendungen verkürzen sollen. Die Werkzeuge tragen als Suite zusammengefasst den Namen "Enjin". Gemeinsam ist ihnen persistentes Caching von EJBs und Integration mit den Applikations-Servern "Websphere" von IBM und "Weblogic" von Bea.

Verbindungsmittel zu diesen Servern und damit wichtigstes neues Bestandteil der Suite ist der "Versant Enterprise Container" (VEC). Hauptadresse für alle Programmierarbeiten ist das "Java Versant Interface" (JVI). Datentransaktionen sind Sache des Moduls "Versant Asynchrone Replikation" (VAR). Ein "XML-Toolkit" sorgt für das Mapping von XML-Rohdaten in Java-Objekten, und der "Fault Tolerant Server" ermöglicht den Aufbau einer fehlertoleranten Infrastruktur.

Unverzichtbarer Kern des Ganzen ist vorerst die ODBMS von Versant. Sie ist allerdings im Konzept des Anbieters nicht zwangsläufig Grundlage der Datenhaltung, vielmehr dient die Objektdatenbank als persistenter Speicher auf der Mittelschicht. In ihm gilt es vor allem jene Daten zu halten, die zum Beispiel für häufige Aufrufe über eine Web-Seite besonders performant verfügbar sein müssen. Die Bedeutung und bisherige Funktion der meist relationalen Datenspeicher am Backend wird dadurch nicht direkt berührt. Die Kommunikation zwischen beiden DBMS soll im Sommer 2000 durch ein neues Tool für Object-to-Relational-Mapping weiter verbessert werden.

Marketing-Ziel dieser Middletier-Architektur ist erklärtermaßen das obere Marktsegment besonders anspruchsvoller Anwendungsumgebungen, bei denen es um die Bewältigung Tausender zeitkritischer Aufrufe von Daten und Programmen via Internet geht. Ab einer gewissen Komplexität der Daten bieten hier objektorientierte Ansätze Vorteile gegenüber tabellarischen relationalen Datenbanken.

So verweist Versant nicht ohne Stolz auf einen Auftrag von France Télékom. Der Carrier verfolgt derzeit das Projekt "Archimede", in dem die grundsätzliche Architektur zur Entwicklung künftiger E-Business-Applikationen für Voice over IP, Micropayment, Lightweight Directory Access für Internet-Portale, Netzwerkdesigns für Mobilfunksysteme, Customer Care, Echtzeit-Management von Standleitungen etc. Dabei waren die Verantwortlichen auf Performance-Grenzen von Oracle gestoßen. Auf Empfehlung von IBM kam Versant in die Testreihen - und erhielt den mehrjährigen, mehrere Millionen Dollar schweren Auftrag.