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07.05.1999 - 

Die Akteure der Sprach-Daten-Konvergenz (Teil 3): Nortel Networks

Verschmelzung bedeutet mehr als nur Voice over IP

SALT LAKE CITY (hi) - Mit Nortel Networks und der Idee der "Unified Networks" hat ein weiterer TK-Player die Herausforderung von Daten-Companies wie Cisco angenommen. Während letztere versuchen, in die Sprachnetze vorzustoßen, verteidigen die etablierten Player nicht nur ihr Terrain, sondern versuchen, ihrerseits in Richtung Datenkommunikation zu expandieren.

Der Wunsch nach einer universellen Dose für Kommunikationsgeräte wie Telefon, Fax und vernetzten PC beschäftigt die Phantasie der Networking-Industrie nun seit einem Jahr. Während der eine oder andere Hersteller bereits euphorisch den rasanten Aufbruch in die neuen Netze feiert, fehlt es nicht an kritischen Stimmen, die zu einer langsameren Gangart mahnen.

Zu den Mahnern, die ein bedächtigeres Vorgehen fordern, gehört auch Dave House, President von Nortel Networks. Er sieht in der derzeitigen Debatte über die Konvergenz von Sprach- und Datennetzen die Gefahr, das eigentliche Ziel zu verfehlen, "die Verschmelzung der Sprach- und Datenanwendungen, um so einen Mehrwert zu liefern". Ein Beispiel für derartige Assets sind laut House E-Commerce-Dienste, die via Web ihre Produkte feilbieten und gleichzeitig mit einer integrierten Telefonunterstützung aufwarten. Aus diesem Grund läßt sich für House die Verschmelzung von TK- und Datenumgebung nicht auf die einfache Formel "Voice over IP" reduzieren.

Vielmehr ist für den Manager, dessen Unternehmen unter der Bezeichnung Unified Networks einen eigenen Konvergenzansatz vorgestellt hat, unabdingbar, daß die über 450 Funktionen, die eine TK-Anlage heute bietet, auch erfolgreich im kovergierten Netz nachgebildet werden. Hier liegt für House die Herausforderung: die Portierung der bislang proprietären Anwendungen von einem spezialisierten Computer - nichts anderes sind für House die TK-Anlagen - auf eine offene Server-Plattform.

Trotzdem kommt der Nortel-Chef nicht darum herum, sich auch mit dem Thema Infrastruktur zu befassen. Knackpunkt hierbei ist die Ausfallsicherheit der Netze. Während heute das Telefonnetz mit einer Zuverlässigkeit von 99,9998 Prozent aufwartet - das entspricht fünf Minuten Störung pro Jahr -, gelten in LAN-Umgebungen 99,8 Prozent als realistisch. In der Praxis bedeutet dies, daß das lokale Netz 18 Stunden im Jahr steht. Noch krasser kristallisieren sich die Gegensätze heraus, wenn man das Internet als Übertragungsmedium einbezieht. Hier liegt die Ausfallsicherheit nur bei 98 Prozent. Auf dem Papier mag dieser Wert zwar ebenfalls hoch erscheinen, im Alltagsbetrieb bedeutet er jedoch einen Netzausfall von einer Woche. "Wenn einem Unternehmen das vor Weihnachten passiert", so House, "dann hat es für die Technologie bald nur einen Namen: Bankrott."

Vor diesem Hintergrund ist es für den Nortel-Manager unbedingt nötig, die Netze zuverlässiger zu machen. Allerdings bezweifelt er, ob die Investitionen für Glasfasernetze mit Sonet-Ringen, in denen IP-Verkehr über ATM transportiert wird, den richtigen Weg darstellen. Laut House sind nämlich die Circuit-Switches der Telefonnetze beim Routen von Datenpaketen 15mal teurer als reine Paket-Switches. In seinen Augen müssen deshalb Bestandteile der ATM- und Sonet-Protokolle direkt in IP eingearbeitet werden, um so bereits auf Glasfaserebene zu routen, denn "mit Routing on the Wave bekommen wir die benötigten Quality of Services".

Neben dieser Dienstequalität braucht die Netzkonvergenz nach Ansicht von Nortel noch ein Policy-Management. Dieses soll im vereinten Netz verschiedene Serviceklassen für Daten- und Sprachdienste definieren. Als sogenannten Gold-Service sieht House die Sprachkommunikation, da hier Übertragungsverzögerungen besonders kritisch seien. Als Dienste mit Silber-Status ordnet er unternehmenskritische Applikationen wie Peoplesoft oder SAP ein. Dem Policy-Management fällt dabei neben der Verwaltung von IP-Adressen und Netzidentität die Aufgabe zu, den entsprechenden Services die benötigte Bandbreite zu garantieren (siehe Grafik).

Kommt nun beispielsweise ein Telefonanruf herein, so prüfen die Netzgeräte beim Policy-Management-Server nach, welche Regeln für die entsprechende IP-Adresse hinterlegt sind. Aus der Kombination von IP-Adresse, hinterlegter Regel und Netzidentität entsteht nun automatisch die Anweisung für die Weiterleitung des Telefonats. Bei der erforderlichen Datenbank für die Regeln und die Kommunikation der Netzgeräte untereinander setzt Nortel Networks auf Novells Directory Services (NDS).

Nachbildung der TK-Anlage in einer Netzapplikation

Laut House gewährleistet diese Kombination aus Hardware und Policy-Management sowie NDS, daß im Unified Network die Unabhängigkeit von Geräten und Lokationen gegeben ist. Zudem erlaubten die NDS in Verbindung mit dem Policy-Management eine Nachbildung der TK-Anlagenfunktionen als Netzapplikation. Ist die Technologie einmal installiert, so seine Vision, kann sich der Anwender mit einem einzigen Login mit PC, Notebook, Telefon, PDA oder Handy am Netz anmelden und von jedem Ort aus kommunizieren. Dabei stellt das Directory nicht nur die benötigten Bandbreiten bereit, sondern meldet den Anwender, wenn er seine angestammte Netzzelle verläßt, auch an anderen Netzen an (etwa dem Netz eines Mobilfunkbetreibers).

Bis diese übergangslose Kommunikation Realität wird, dürfte es noch einige Zeit dauern, zumal das Unternehmen selbst erst wenige Produkte zum Aufbau eines Unified Network im Programm hat. Ein Lösungsbaustein ist beispielsweise das Enterprise-Switch-System "Accelar 8000". In ihm ist bereits die Optivity-Policy- und Netz-Management-Software zum Aufbau eines vereinten Sprach- und Datennetzes integriert.

Konvergenz der Netze

Seit etwa einem Jahr prägt ein Themea die Netzszene: Die Konvergenz von Sprach- und Dateninfrastruktur. Mit milliardenschweren Investitionen rüsten die Player aus Daten- und Telekommunikation für die bevorstehende Verschmelzung auf. Je nach Ausgangsposition verfolgen die Hersteller hierbei unterschiedliche Ansätze. Nachdem die COMPUTERWOCHE bereits über die Visionen von Cisco (CW Nr. 8/99) und Lucent (CW Nr. 11/99) berichtet hat, wird sie in loser Folge noch die Ansätze weiterer wichtiger Player wie Siemens, Alcatel und 3Com/Newbridge beleuchten.

Nortel Networks

Nortel Networks zählt zu den großen globalen Playern im Networking Business. Das Unternehmen entstand im September 1998 aus der Fusion der kanadischen Northern Telecom mit dem US-Unternehmen Bay Networks. Während Northern Telecom aus der TK-Sparte stammt, hatte sich Bay Networks mit Equipment für Datennetze einen Namen gemacht. In Deutschland wird Nortel Networks durch die Nortel Dasa Network Systems repräsentiert. Dabei handelt es sich um ein Joint-venture zwischen Nortel Networks und Daimler-Chrysler Aerospace. Hierzulande beschäftigt der Konzern etwa 1000 Mitarbeiter.