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08.10.1999 - 

Die Akteure der Sprach-Daten-Konvergenz (Teil 5): 3Com

Verschmelzung von Daten und Sprache startet im LAN

08.10.1999
Nach Jahrzehnten der strikten Trennung von Daten- und Sprachkommunikation sollen diese Welten endlich zusammenwachsen. Die Hersteller hoffen auf ein Milliardengeschäft, und die Anwender erwarten Kosteneinsparungen. Mit Thomas Peters, deutscher Geschäftsführer und Vice-President von 3Com, diskutierte CW-Redakteur Jürgen Hill über die Rolle des Unternehmens bei der Konvergenz der Sprach- und Datennetze

CW: Wie definiert 3Com die Konvergenz von Sprach- und Datennetzen?

PETERS: Ausgehend von unseren Erfahrungen in Amerika und den dort geprägten Standards, die sicher zum Teil eine andere Auslegung haben als in Europa, rechne ich damit, daß die LAN-Telefonie der erste Schritt in Richtung Verschmelzung von Daten- und Sprachwelt ist. Damit reden wir endlich über konkrete Installationen und nicht länger über theoretische Powerpoint-Präsentationen.

CW: Welcher Zeitrahmen schwebt Ihnen dabei vor?

PETERS: Hierzulande führen wir in den kommenden Monaten die LAN-Telefonie ein, die in den USA bereits seit 10 Monaten mit über 600 Installationen erfolgreich im Markt ist. Schließlich wollen die Anwender endlich Produkte sehen, nachdem die IT-Industrie das Thema "Converged Networks" lange genug lanciert hat.

CW: Sie sprachen von Unterschieden zwischen den USA und Europa. Welche Konsequenzen hat dies in der Praxis?

PETERS: Wir arbeiten in einer Branche, die von US-Gesellschaften dominiert wird. Und diese Unternehmen haben alle die gleiche Philosophie: Wie groß ist der Markt? Welches Potential offeriert er? Welche Funktionen benötigt ein Produkt, um diesen Markt zu erobern? Und da die USA der größte Markt sind, haben die Anforderungen der dortigen Kunden Priorität. Die Bedürfnisse der deutschen Anwender kommen aber an zweiter Stelle.

CW: Wie sehen diese Unterschiede konkret aus?

PETERS: Denken Sie an GSM und ISDN, um nur zwei Schlagworte zu nennen. Aspekte, die in den USA uninteressant sind. Um eine weltweite Roadmap für ein Produkt zu konzipieren, müssen diese Zusatzfunktionen berücksichtigt werden. Das galt bislang im Datenbereich begrenzt, im Voice-Segment ist eine Berücksichtigung unabdingbar. Hier wartet auf alle US-Hersteller ein Lernprozeß.

CW: Sie fangen in den nächsten Monaten mit dem Rollout der LAN-Telefonie in Deutschland an. Wann ist die Konvergenz von Sprache und Daten bei den Anwendern Realität?

PETERS: Ich sehe hier verschiedene Märkte. Als Firma 3Com sprechen wir sowohl die Large Accounts als auch den Mittelstand sowie die privaten Konsumenten zu Hause an. Ich glaube, unsere ersten Produkte sind ideal für den Mittelstand und Großunternehmen mit dezentraler Organisationsform. Wir haben bis jetzt nur die Erfahrung mit den USA, wo die Akzeptanz größer als erwartet war. Ob dies auf Deutschland übertragbar ist, wissen wir erst in einem Jahr.

CW: Und wann werden die Anwender die Sachen benutzen? Andere Hersteller nennen einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren. Schätzen Sie doch auch mal.

PETERS: Nein, das werde ich nicht. Nehmen Sie den Strommarkt. Wenn ich vor einem Jahr gesagt hätte, daß Sie im Herbst 1999 beim Vertragsabschluß mit einem neuen Stromlieferanten einen Fernseher für eine Mark bekommen, hätten Sie mich ausgelacht. Deshalb glaube ich nicht daran, daß jemand heute Pläne und Aussagen für fünf bis zehn Jahre treffen kann, zumal sich das Innovationskarussell unserer Branche immer schneller dreht.

Um für 3Com zu sprechen, hier erwarte ich in den nächsten drei Jahren signifikante Anteile des Umsatzes aus dem Voice-Segment. Unter signifikant verstehe ich eine Größenordnung von über 20 Prozent.

CW: Bezogen auf das LAN- oder WAN-Business?

PETERS: Nur auf das LAN-Geschäft bezogen. Letztlich sieht uns der Markt nach 20 Jahren zu Recht als die Ethernet-Company. Warum also neben neuen Produkten für die Sprach-Daten-Integration noch zusätzliches Neuland wie den WAN-Bereich betreten, in dem 3Com nicht so stark präsent ist? Also beginnen wir in dem traditionellen Bereich, wo unsere Kernkompetenz liegt. Erst im zweiten Schritt wird der WAN-Bereich mit VoIP erschlossen.

CW: Bleiben wir im LAN. Was sind für den Anwender die Vorteile bei der Verschmelzung von Daten und Sprache?

PETERS: Erstens hat er einen enormen Kostenvorteil. Wenn Sie heute ein Bürogebäude neu vernetzen, entfallen 50 Prozent der Kosten auf die Verkabelung. Bei einem integrierten Sprach- und Datennetz mit nur einem Kabel ergibt sich ein Sparpotential von 25 Prozent. Zudem ist eine integrierte Infrastruktur einfacher zu administrieren. Ein anderer Punkt ist, daß die heutigen CTI-Lösungen alle proprietäre Ansätze verfolgen. Die LAN-Telefonie setzt dagegen auf Unix oder Windows NT auf, so daß der Anwender eine größere Wahlfreiheit hat. Und nicht zu vergessen sind die neuen Applikationen, die durch eine solche Integration ermöglicht werden. Gerade bei den Call-Centern und im Unified Messaging werden wir neue Anwendungen sehen, von denen wir heute noch gar nicht träumen. Oder denken Sie an IP-Nebenstellenanlagen, die via Internet ein Telefongespräch an jeden Ort der Welt routen. All dies bedeutet aber nicht, daß der Anwender seine traditionelle TK-Anlage sofort abschalten soll. Über einige Jahre werden wir ein Nebeneinander zwischen alter und neuer Welt sehen.

CW: Sie blicken weit in die Zukunft. Wie kann sich der Anwender bereits heute auf die Migration vorbereiten?

PETERS: Als erstes sollte er nur noch Kabel mindestens der Kategorie 5 verwenden, um die Konvergenz realisieren zu können. Zum anderen ist bei der Netzplanung eine große Bandbreitenreserve einzukalkulieren, um später Sprache und Daten zu transportieren. Des weiteren muß die Infrastruktur in der Lage sein, Priorisierungen vorzunehmen - also zwischen Sprache, Video und Datenübertragung zu unterscheiden. Hinzu kommt eine einfache Administrierbarkeit, denn diese entscheidet über die realen Kosteneinsparungen. Und zu guter Letzt darf er die Verfügbarkeit des Netzes nicht vergessen, da bei der Sprachübertragung höhere Ansprüche gelten.

CW: Wie ist das in der Praxis zu realisieren, wenn den IP-Paketen letztlich egal ist, wann sie beim Empfänger ankommen?

PETERS: Auf den unteren OSI-Schichten wäre eine Option die parallele Nutzung von redundanten Datenpfaden, also die "Multipoint Link Aggregation". Auf Protokollebene können wir mit Protokollen wie dem "Virtual Router Redundancy Protocol" die Redundanz sicherstellen. Und zuletzt sind die eingesetzten Komponenten zu berücksichtigen. Unsere "Corebuilder 9000" sind beispielsweise auf höchste Redundanz und Verfügbarkeit ausgelegt, indem alle Komponenten doppelt vorhanden sind.

CW: Und das garantiert die Ausfallsicherheit, wie der Anwender sie aus der TK-Welt kennt?

PETERS: Nein, heute noch nicht. Wir haben im Datenbereich eine Ausfallsicherheit von 99 Prozent. Das Ziel ist, die Ausfallzeit in den Converged Networks auf eine halbe Stunde pro Jahr zu reduzieren - also 99 Prozent mit zwei Neunen hinter dem Komma.

CW: Welchen Preis zahlt der Anwender dafür?

PETERS: Die Produkte werden nicht teurer, da unsere Kernkompetenz auf den sogenannten Asics aufbaut. Die Entwicklung ist zwar aufwendig und teuer, wenn die Systeme aber stehen, ist eine relativ günstige Fertigung möglich, unter der Voraussetzung, daß wir relativ große Stückzahlen produzieren. Zum anderen verwenden wir innerhalb einer Produktfamilie durchgängig die gleichen Komponenten.

CW: Also eine Plattformfertigung, wie in der Automobilindustrie?

PETERS: Ja, oder anders formuliert: Bei der Konvergenz der Sprach- und Datenwelten setzt sicher die Datenwelt den Preis-Leistungs-Rahmen für die Hardware. Zudem wird der Anwender künftig nicht mehr bereit sein, die Differenzen zwischen TK- und Datenequipment zu bezahlen. Zumal es in einer integrierten Welt diese Notwendigkeit nicht gibt.

CW: Sie sprachen vorher das Nebeneinander von TK- und Datenwelt an. Wie wollen Sie das alleine stemmen, nachdem das geplante Joint-venture mit Siemens nicht zustande kommt?

PETERS: 3Com betreibt weiterhin mannigfaltige Aktivitäten mit Siemens. Nur die juristische Form des Joint-ventures wurde nicht ins Leben gerufen. Dies hat aber keinen Einfluß auf die weitere Zusammenarbeit.

CW: Welche Rolle spielt 3Com bei der weiteren Zusammenarbeit? Bei Siemens sieht man Ihr Haus als Juniorpartner für die Consumer-Sparte.

PETERS: Nein, wir arbeiten als gleichberechtigte Partner auf der Projektebene zusammen. Die Ergebnisse fließen sowohl in unsere als auch in die Siemens-Produkte ein, wie zum Beispiel beim Zusammenspiel von EWSD auf der Siemens- und Total Control auf der 3Com-Seite als integrierte Lösung für ISP- und Carrier-Kunden. Hier befinden wir uns im tiefsten System-Geschäft.

CW: Reicht das Volumengeschäft im Consumer-Bereich zum Überleben, während ihre Mitstreiter wie Cisco, Lucent oder Nortel das Systemgeschäft mit den hohen Margen bestreiten?

PETERS: Unsere Zahlen sprechen für sich. Allein im ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2000 hat die Company ihren Gewinn um 38 Prozent gesteigert. Zudem haben wir den System-Anteil am Umsatz um neun Prozent auf 56 Prozent gesteigert. Wir sind auf dem richtigen Weg.

CW: Heißt das jetzt, daß Sie keinen Partner benötigen, während Cisco alle zwei Wochen ein Unternehmen kauft?

PETERS: Nein, zu unserer Politik gehören auch Firmenübernahmen, wie in diesem Jahr bereits passiert. Auf drei Jahre hochgerechnet, kauft 3Com sicher noch zehn weitere Companies. Damit fühlen wir uns gegenüber Unternehmen wie Nortel gut positioniert.

CW: Mit Palm und Modems ist 3Com doch nur noch ein Anbieter weißer Ware, während früher an der Ethernet-Company 3Com beim Netzaufbau eigentlich kein Weg vorbeiführte. Ich sehe kein Image in Sachen Sprach-Daten-Konvergenz.

PETERS: Das können Sie auch noch nicht sehen, denn wir haben es noch nicht und müssen es uns erst erarbeiten. So haben wir die Ausgliederung von Palm angekündigt, um 3Com nach diesem Börsengang wieder als Networking-Company zu positionieren. Das bedeutet aber nicht, daß andere Teile wie etwa Modems auch verkauft werden.

Konvergenz der Netze

Seit etwa einem Jahr prägt ein Thema die Netzszene: die Übertragung von Sprache und Daten über eine gemeinsame Infrastruktur. Mit milliardenschweren Investitionen rüsten sich die Unternehmen aus der Netz- und TK-Szene für die bevorstehende Verschmelzung. Je nach Ausgangsposition verfolgen die Hersteller hierbei unterschiedliche Ansätze. Die COMPUTERWOCHE hat bereits über die Pläne von Cisco (8/99), Lucent (11/99), Nortel Networks (18/99) und Siemens (27/99) berichtet.