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29.01.1999 - 

Versicherer und IT-Beratungen üben sich in Zurückhaltung

Versicherer und IT-Beratungen üben sich in Zurückhaltung Jahr 2000: Das Risiko ist nicht kalkulierbar

MÜNCHEN (CW) - Mit Schäden rechnet jeder. Doch wer für sie haftet, ist eine andere Frage. Beim Jahr-2000-Problem sind die deutschen Versicherungen vorsichtig geworden.

19 Jahre lang hatte John Danieli keine Probleme, eine Haftpflichtversicherung für seine IT-Beratungsfirma Computer Merchant zu bekommen - bis seine Versicherung entschied, keine Haftung für Jahr-2000-Projekte mehr zu übernehmen. Die Suche nach einer neuen Assekuranz erwies sich als vergeblich.

US-Unternehmer Danieli wäre auch in Deutschland nicht fündig geworden. Die Versicherungswirtschaft hält sich zunehmend zurück, wenn es um die Absicherung von IT-Beratungen gegen Jahr-2000- Schäden geht. "Die Versicherer sind nicht gut beraten, Unternehmen in diesen Bereichen uneingeschränkten Schutz zu gewähren", formuliert Klaus Wagner, Abteilungsdirektor IT-Management der Gerling Consulting Gruppe. Als einer der Branchenführer behält es sich der Gerling-Konzern vor, Versicherungswünsche genau zu prüfen, um dann von Fall zu Fall zu entscheiden, ob der Vertrag die Jahr-2000-Problematik einschließen soll. Nach den Erfahrungen von Wagner gibt es in Deutschland nur wenige Unternehmen, die sich professionell mit dem komplexen Thema beschäftigen. Eine Meßlatte ist die Zeit: Je näher das Jahr 2000 rückt, desto größer ist das Risiko der IT-Beratung, die dem Kunden Kompatibilität verspricht, und um so unwahrscheinlicher ist der Versicherungsschutz.

Die Münchner Allianz bietet zwar seit Beginn des Jahres eine neue Haftpflichtversicherung für DV-Berater und Softwarehersteller an, die aber im Ernstfall keine angemessene Deckung für Jahr-2000- Schäden beinhaltet, wie folgende Modellrechnung zeigt.

Wenn eine IT-Beratung mit einem jährlichen Programmierumsatz von zehn Millionen Mark den Mindestbeitrag von 16500 Mark im Jahr bezahlt, deckt die Versicherung zwar Personenschäden bis zu drei Millionen Mark ab, erstattet aber nur bis zu 50000 Mark, wenn die Maschinen stillstehen und es zu Vermögensschäden kommt. Die niedrige Deckungssumme erklärt Allianz-Sprecher Martin Bendrich damit, daß die Police nicht als Freibrief zum Fehlermachen verstanden werden sollte.

Für einen klaren Ausschluß hat sich dagegen der Haftpflichtverband der Deutschen Industrie (HDI) entschieden. Dazu Sprecher Thomas von Mallinckrodt: "Das Jahr-2000-Problem ist ein vorhersehbares Ereignis. Allein dafür ist eine besondere Deckung nicht zu bekommen." Daß der HDI in seinen Software-Policen ausdrücklich das Jahr-2000-Thema ausklammert, liegt am "unkalkulierbaren Risiko", das dieses vorhersehbare Ereignis begleitet.

Fehler sind nicht auszuschließen

Auch wenn die Versicherer bei diesem einmaligen Problem keine Statistiken haben, anhand derer sie mögliche Schäden hochrechnen könnten, kalkulieren sie mit erheblichen Folgelasten. "Wie bei anderen Programmiervorgängen ist auch hier eine bestimmte Fehlerquote nicht auszuschließen. Die Frage ist nur, wie hoch die daraus entstehenden Schäden sind", sagt Wagner.

Die Zurückhaltung der Versicherer geben die IT-Beratungen an ihre Kunden weiter. Verbindliche Zusagen, daß die Kompatibilität des Systems bis zum Jahr 2000 hergestellt ist, machen die wenigsten. "Wir zeigen in den Verträgen klar die Grenzen auf, schon um unser eigenes Unternehmen zu schützen", gibt Helmut Barth, Sprecher der Syseca GmbH, zu. Auf die Forderungen großer Kunden nach Absicherung gegen Jahr-2000-Schäden habe man sich nicht eingelassen: "Wir stellen keinen Blankoscheck aus.".