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04.04.1976 - 

Dieter Eckbauer analysiert IBM's System Network Architecture:

Verteilte Intelligenz - allerdings a la IBM

IBM hat im Mainframe-Geschäft rund C0 Prozent Weltmarktanteil - das ist die eine Sache. Faktum Nummer zwei: Die wachsende Bedeutung von Computernetzen. Während lBM lange Zeit an dem Konzept ausschließlich zentraler Intelligenz festhielt, profitierten Hersteller IBM-kompatibler Geräte vom einsetzenden Terminal-Boom: Ihr Marketing in Richtung "Distributed Intelligente" schlug nicht zufällig voll durch, war vielmehr in der Richtigkeit der Konzeption begründet.

IBM zog dann Ende 1974 nach, präsentierte ein einheitliches Datenfernverarbeitungs-Konzept unter der zugkräftigen Bezeichnung SNA (System Network Architecture) und legte so ein eindeutiges Bekenntnis zur Philosophie der "verteilten Intelligenz" ab.

Der Marktführer hatte damit den Spieß umgedreht - mit SNA wurden die Regeln für ein neues Spiel a la IBM auf den Tisch gelegt. Fazit: Die unabhängigen Terminal-Hersteller werden sich diesen Quasi-Normen wohl anpassen müssen - 60 Prozent sind auch ein Standard. So einfach ist das? ? einfach ist das!

Bei aller marketing-orientierten Kritik am SNA-Kraftakt darf nicht vergesse werden, wie es denn in Vor-SNA-Zeiten aussah: Da gab es ein heilloses Durcheinander von -unterschiedlichen Leitungsprotokollen für unterschiedliche Terminals und Aufgaben. SNA soll diesen Wirrwarr beseitigen. Unter dem neuen Konzept stehen dem Benutzer die einheitliche Zugriffsmethode VTAM (Virtual Telecommunications Access Method), das einheitliche Netzwerk-Steuerprogramm NCP/VS (Network Control Program/Virtual Storage), die einheitliche Leitungssteuerung SDLC (Synchronous Data Link Control) sowie anschlußverträgliche Datenstationen zur Verfügung.

Von 2741 bis 3791

Um SNA implementieren zu können benötigt der Anwender ein Host-System 370-VS mit VTAM (nach IBM-Angaben ab Modell 3701135), eine Leitungs-Steuereinheit 3704 oder S705 mit NCP/VS und die SDLC-Terminals (3270, 3600, 3650, 3776, 3770, 3790, 3791 2741, 3793, 3771, 3773, 3774, 3775, 3277).

Alleiniges SDLC- Übertragung erfahren ist Duplex: Daten können gleichzeitig in beiden Richtungen durch eine Leitung übertragen werden. Sicher ein Vorteil: Weniger Leitungen sind erforderlich - das hält die Kosten niedrig. So sehen denn vor allem IBM- Großanwender SNA als ein elegantes und wirtschaftliches Datenfernverarbeitungs-Konzept. IBM nennt als ein weiteres SNA-Plus, daß die Systemlast des Zentralrechners vermindert wird - die Verifizieren dieser Behauptung dürfte allerdings schwerfallen .

VTAM frißt Hauptspeicher

Indes: Das neue Konzept hat auch Nachteile. Es ist für kleine und mittlere Anwender nicht die effizienteste und wirtschaftlichste Lösung.

Zuerst zu den Terminals: Die neuen SNA-Devices sind teurer als ihre Vorgänger -Modelle. Und andere als SNA-Datenstationen hat IBM in letzter Zeit bekanntlich nicht angekündigt. So haben die Tastatur-Terminals 2740 und 2741 jetzt ihr Äquivalent in der 376z- i 1 Datenstation, die RJE-Stationen 2780 und 3780 in der 3770- Datenstation. Der Kommunikations-Rechner 3790 wurde weiterentwickelt und SDLC-verträglich gemacht. Hinzu kommt, daß VTAM reichlich Hauptspeicher frißt. Wer SNA will, wird von IBM zur Kasse gebeten.

VTAM hat das letzte Wort

Zwar wird von Herstellerseite betont, daß ein BSC-Anwender auch weiterhin allen Support bekommt, aber für einen typischen mittleren Anwender, der etwa eine 370/135 mit 15 Terminals im DOS fährt, gibt es in Zukunft letztlich keine andere IBM-Produktalternative als eben SNA-Equipment. Wer spricht denn noch vom Partitioned Emulator Program (PEP).

das auf der 370X-Steuerenheit BSC und Start-Stop-Geräte auch in SNA-Netzen

unterstützen soll?

Die Hauptschwäche von SNA dürfte jedoch darin liegen, daß NCP nur dem g Namen nach ein echter "Communications-Controller" ist, der zwar Leitungen aktiviert und reaktiviert, jedoch bei der Fehlerbehandlung gegenüber VTAM "weisungsgebunden" ist. Was nichts anderes bedeutet als daß ein SNA-Netzwerk (ohne die Host-370) nicht autonom arbeiten kann und somit nicht gleichberechtigt ist. Wehe wenn das Betriebssystem einmal ausfällt.

Bleibt zu fragen, wie sieh das mit IBM's Communications-Konzeption vereinbart, nach der SNA ein System verteilter Intelligenz sein soll Den weitergehenden Sehritt, überall in der Hierarchie autonome Systeme zu schaffen, hat IBM wohlweislich nicht getan.