Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

07.04.1978 - 

Alternativ-Konzept für die Städtischen Kliniken Darmstadt:

Verteilte Intelligenz mit Subsystemen

DARMSTADT (de) - Eine Alternative zum Großrechner, der aus Kostengründen abgelehnt wurde, sowie zur Datenverarbeitung außer Haus haben die Städtischen Kliniken Darmstadt gefunden: "Verteilte Intelligenz" mit Subsystemen in den Leistungsstellen und ein zentrales Kommunikationssystem für die Datenhaltung. Jürgen Timm, Verwaltungsangestellter des kommunalen Krankenhauses, stellt diese Lösung vor.

In den Städtischen Kliniken Darmstadt, einem Krankenhaus mit zirka 1100 Betten, wurde Mitte 1977 ein DV-Konzept realisiert, das sowohl wirtschaftlich als auch organisatorisch allen Anforderungen, die der Krankenhausbetrieb stellt, gerecht wird. Begünstigt wurde dieses Vorhaben durch den heutigen Entwicklungsstand der DV-Technologie, mit einem immer besser werdenden Preis-/Leistungsverhältnis und dem Trend zum Einsatz von Kleinrechnern (Minicomputer).

Die Darmstädter EDV-Konfiguration besteht aus einem zentralen Kommunikationsrechner und mehreren Bildschirmgeräten, die vor Ort installiert sind (Labor, Radiologie etc.).

Zeitunkritische Aufgaben (Buchhaltung, Rechnungsschreibung) werden von einem zentralen Rechenzentrum wahrgenommen. Das Kommunikationssystem ist in der Krankenhausverwaltung installiert und speichert alle für die Administration wichtigen Daten (keine medizinischen), stellt sie möglichst aktuell den Krankenhaus-Leistungsstellen zur Verfügung und gibt die abrechnungsrelevanten Daten an das zentrale Rechenzentrum weiter. Dateneingabe und -abfrage müssen gleichzeitig an verschiedenen Stellen des Krankenhauses möglich sein. Daraus resultieren die wichtigsten Anforderungen an das zu installierende Computersystem:

þBewältigung vieler Ein-/Ausgabeoperationen mit kurzen Antwortzeiten (maximal zwei bis drei Sekunden) und hoher Betriebssicherheit,

þMöglichkeit des Anschlusses mehrerer Ein-/Ausgabegeräte mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten,

þTimesharing-Betrieb mit einem einfach zu bedienenden Datenbank-Verwaltungssystem,

þModularer Hardware-Aufbau für die problemlose Erweiterung des Systems,

þAusbau der Hardware ohne Betriebssystem-Umstellung oder Modifikation der Applikations-Software,

þErstellung kompatibler Datenträger,

þDFÜ zu einem zentralen Rechenzentrum für Batch-Aufgaben,

þSchnelle und leichte Programmierung, da laufend mit Änderungen der bestehenden Applikations-Software zu rechnen ist (Ausgabe-Formate, kurzfristige Sonderauswertungen etc.).

Nach sorgfältiger Systemplanung fiel die Wahl auf einen Minicomputer* mit dem Datenbank-Verwaltungssystem MUMPS. MUMPS umfaßt ein Timesharing-Betriebssystem und eine standardisierte, interaktive Programmiersprache.

Als Basis für die Applikations-Software diente KIGST-SYS, ein von der Kirchlichen Gemeinschaftsstelle für elektronische Datenverarbeitung e. V. (Frankfurt/Main) entwickeltes Informationssystem für die Krankenhaus-Administration und das klinisch-chemische Labor. Das wurde nach eigenen Vorstellungen mit Unterstützung des Hardware-Herstellers modifiziert und erweitert.

Die Eingabe sämtlicher Daten erfolgt im Dialog über Datensichtgeräte mit weitgehender System-Unterstützung, wobei auf Wunsch bestimmte Angaben (Datum, Uhrzeit etc.) oder häufig vorkommende Angaben automatisch vergeben werden.

Als Identifikationsträger werden Etiketten gedruckt, die allen Stellen, die Informationen zur Behandlung des Patienten benötigen, zur Verfügung stehen. Alle täglich anfallenden Daten, wie Verlegungen, Leistungen, Vorauszahlungen und Entlassungen werden umgehend in das System eingegeben und stehen damit für die benötigten Auswertungen und Informationen zur Verfügung:

- Auskunft am Sichtgerät (Namensuchprogramme), Kurzinformation über den Patienten

- Alphabetische Namensliste aller zur Zeit im Krankenhaus befindlichen Patienten

- tägliche Belegungsübersicht nach Station und Abteilung

- täglicher Druck von Stationslisten zur Kontrolle und Erfassung von Änderungsdaten

- Druck von Aufnahme-/Entlassungsoder Verlegungsanzeigen für den Kostenträger

- Ausgabe der Patienten-Stammdaten am Sichtgerät oder Drucker

- Druck verschiedener Informations- listen und Statistiken nach unterschiedlichen Kriterien

Nach der Realisierung des ersten Aufgabenkomplexes wurde inzwischen ein DV-Verfahren für die Finanzbuchhaltung mit Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung eingeführt. Auch hier erfolgt die Dateneingabe über Sichtgeräte. Folgende Auswertungen sind möglich:

þDrucken von Kontenplan und Kreditoren-Liste,

þtäglicher Druck des Journals,

þmonatliche Honorarabrechnung,

þÜbertragung von Buchungssätzen an ein zentrales Rechenzentrum.

Eine Datenerfassung im konventionellen Sinne gibt es nicht mehr - der Sachbearbeiter gibt die Daten selbst, am Sichtgerät ein. Auf die Datensicherung und den Datenschutz wurde besonderen Wert gelegt. So werden alle im Laufe eines Tages eingegebenen Daten - parallel zu den Stamm-Dateien - in einer Log-Datei gespeichert, die sich physikalisch auf einem anderen Plattenlaufwerk befindet.

Fazit nach neun Monaten: Das System bewältigt die ihm gestellten Aufgaben bei hoher Betriebssicherheit. Es wird von den Benutzern voll akzeptiert. Beim Personalaufwand ist eine spürbare Entlassung feststellbar, die sich entsprechend auf die Personalkosten auswirkt. Für den Betrieb des Systems ist kein besonders geschultes Personal erforderlich, die Aufgaben können vom vorhandenen Personal wahrgenommen werden. Allerdings sind für die Einführung oder Modifizierung neuer Verfahren entsprechend höher qualifizierte Mitarbeiter erforderlich.

*Bei den Städtischen Kliniken Darmstadt ist eine PDP-11/34 von Digital Equipment installiert, d. Red.