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19.10.1990 - 

Krankenhausverwaltung setzt auf Unix

Verteilte Netzwerkanwendungen unterstützen die Administration

58 000 Patienten versorgt das Allgemeine Krankenhaus Altona im Jahr. Für jeden Patienten muß ein Infirmationsbrief an den Hausarzt geschrieben werden - im Durchschnitt zwei bis vier Schreibmaschinenseiten. Ein ungeheures Textvolumen also, das möglichst wirtschaftlich bewältigt werden muß. Um eine effiziente Büroautomatisierung zu realisieren, mußten eine PC-Vernetzung, eine medizinische Textverarbeitung und eine Befunddokumentation installiert werden.

Der Deutsche Gemeindeverlag (DGV) stattete das Krankenhaus mit Unix-Rechnern von Altos aus. 43 PCs und 25 Drukker sind in ein Netzwerk eingebunden. Mit DGV-Text steht eine auf die speziellen Anforderungen einer Klinik angepaßte medizinische Textverarbeitung und Befunddokumentation zur Verfügung. Das AK Altona ist ein Krankenhaus mit 1072 Betten, 18 Fachabteilungen sowie 1800 Mitarbeitern, und für die medizinische Zentralversorgung der norddeutschen Metropole zuständig.

Textbausteine aus dem Bereich der Medizin

Das Textprogramm für Arztbriefe und die Befunddokumentation bietet neben dem Komfort heute üblicher Textverarbeitung eine integrierte Schreibprüfung von 200 000 medizinischen Fachausdrücken sowie Textbausteine aus dem Bereich der Medizin. Es ist in der Programmiersprache "C" geschrieben und kann sowohl unter DOS als auch unter Unix und im Einzelplatz-Betrieb auf IBM-kompatiblen PCs eingesetzt werden. In der Netzwerk-Version läuft es entweder unter MS-DOS auf dem Netbios-kompatiblen PC-Netzwerk Adlantes von Altos oder in der Unix-Version mit gewöhnlichen Terminals.

In der PC-Mehrplatz-Version dient eine Altos-Maschine unter Unix als Fileserver. Die PCs sind über Ethernet mit dem Fileserver verbunden. Ihnen werden Unix-Directories als logische MS-DOS-Laufwerke zur Verfügung gestellt. DOS-Dateien legt man im Unix-Filesystem als Unix-Dateien ab, sie können so auch von Unix-Programmen angesprochen werden. Außerdem hat jeder PC-Benutzer die Möglichkeit, sich über das Rechnernetz in das Unix-System einzuloggen und den PC wie ein Unix-Terminal zu betreiben.

Es lassen sich natürlich auch einfache Terminals über eine serielle Schnittstelle direkt an den Unix-Rechner anschließen. In Verbindung mit einem ACPA-Controller kann der Anschluß außerdem über Multidrop-Leitung oder ebenfalls über den ACPA-Controller in Verbindung mit TCP/IP und Terminalservern erfolgen.

Das Klinikorganisations-System bietet neben der medizinischen Textverarbeitung und Befunddokumentation weiterhin die Möglichkeit der Hinterlegung gesetzlicher Formulare. So lassen sich beispielsweise Rezepte oder Durchgangsarzt-Berichte hinterlegen. Die Leistungserfassung erfolgt über SQL-Schnittstellen zu verschiedenen Datenbanken wie Informix oder Dbase. Der Anwender kann Patientenstammdaten mit Arztbrief-Befunden verknüpfen. Als Archivierungssysteme lassen sich CD-ROM-Peripherien einsetzen. Eine Schnittstelle stellt die Verbindung zu Digitalisiertabletts und ähnlichen Peripheriegeräten her. Tabellenkalkulation, Grafik, Terminkalender und elektronische Post komplettieren das integrierte Softwarepaket.

Die Benutzeroberfläche wurde speziell auf die Erfordernisse von Kliniken ausgerichtet. Das Programm nutzt - was besonders im medizinischen Bereich äußerst wichtig ist - sämtliche Datenschutz-Funktionen von Unix. "Jede Applikation, in der personenbezogene Daten verarbeitet werden, läuft ausschließlich unter Unix", versichert Jürgen Fleschütz, Vertriebsleiter für Krankenhaus-Informationssysteme.

Letztlich entscheidend für die DGV-Lösung sei "die Netzwerk-Kompetenz gewesen", urteilt Fleschütz. Der Fileserver ist mit einer 600-MB-Festplatte und einem Streamer-Laufwerk mit 2,2 GB Kapazität für schnelle Sicherung ausgerüstet. Hinzu kommen 15 Drucker, die direkt an die PCs angeschlossen sind.

In Altona hatte man sich bewußt für PCs als Benutzer-Endgeräte entschieden, um einerseits den Fileserver von der rechenintensiven Textverarbeitung zu entlasten und andererseits die zahlreichen DOS-Applikationen im medizinischen Bereich nutzen zu können. Der Fileserver dient lediglich dem reinen Filetransfer. Diese Lösung erscheint wirtschaftlich.

Fleschütz: "Bei Systemen dieser Größe gibt es bei den Kosten kaum einen Unterschied, weil die billigeren Terminals ein wesentlich größeres und teureres zentrales System erfordern."

In Altona stehen die PCs in drei Gebäuden auf mehreren Stockwerken. Thomas Schwalme von Eckmann Datentechnik erläutert das Konzept: "Im Verwaltungsgebäude haben wir als Backbone das Yellow-Ethernet gewählt. In den einzelnen Geschossen, wo die PCs aufgestellt sind, binden wir das Thinnet Safety-LineÆ über Repeater an das Backbone an."

Außerdem wurden die beiden zirka hundert Meter entfernt stehenden Gebäude über Lichtwellenleiter an das Backbone angeschlossen. "Rund 2000 Meter Thinnet-Kabel, 500 Meter Yellow-Ethernet-Kabel und 1000 Meter Lichtwellenleiter wurden verlegt. Bei einem Standard-Netzwerk wären allerdings weit über 10 Kilometer notwendig gewesen," ist sich Schwalme sicher. Grundsätzlich versuche man, vorhandene Installationen in das Konzept einzubeziehen. "Wir diskutieren auch darüber, wie sich der Kunde die Zukunft vorstellt in puncto kommender Anwendungen".

Ebenfalls noch ungewöhnlich ist heute die Methode, Gebäude über Lichtwellenleiter zu verbinden. Schwalme: "Geringe Störanfälligkeit, keine Überspannungsprobleme bei Blitzeinschlag und Abhörsicherheit sprachen für diese Lösung."

Die Drucker sind über Terminalserver an das Ethernet angebunden. Als Transportprotokoll dient TCP/IP. Auch dies eine ungewöhnliche Lösung: Schwalme: "Bislang hat man mit Hilfe von TCP/IP lediglich PCs oder Rechner miteinander verbunden." Den Vorteil sieht Schwalme in der klaren Struktur des Netzes, da die gesonderte Druckerverkabelung entfällt. Außerdem bestehe so die Möglichkeit, daß Terminals ohne spezielle Terminalverkabelung über das TCP/IP-Protokoll mit dem Server kommunizieren. Das Netz sei so ausgelegt, daß Erweiterungsmöglichkeiten nur durch die Ethernet-Spezifikationen beschränkt seien. Im Prinzip könne jeder Raum mit einer Steckdose ausgerüstet werden.

Elf Damen arbeiten im zentralen Schreibdienst des AK Altona an dem neuen System. Hinzu kommen die Sekretärinnen in den einzelnen Abteilungen. Die Leistungssteigerung schätzt man im AK Altona auf rund 30 Prozent. Dennoch arbeiten heute mehr Mitarbeiter im Schreibdienst als je zuvor. "Es ging nicht nur um die Erhöhung des quantitativen Durchsatzes, sondern auch um die Qualität. Arztbriefschreibung ist die Visitenkarte eines Krankenhauses. Wir legen sehr großen Wert darauf, daß dies in ansprechender Form und vor allem zeitnah geschieht", meint ein Krankenhaussprecher.

Jutta Saß, Leiterin des zentralen Schreibdienstes, erinnert sich: "Wir hatten vorher eine kleinere Anlage und saßen mit vier bis fünf Schreibmaschinen in einem Raum. Da wurde fürchterlich gehämmert, und es war sehr laut. Alles, was verkehrt geschrieben war, mußte noch einmal geschrieben werden." Das Ergebnis war ein nicht mehr akzeptabler Rückstand der zu bearbeitenden Akten. Heute ist Wilfried Lühmann zufrieden: "Dank der EDV sind wir mittlerweile tagesaktuell."

Die leichte Erlernbarkeit des Programms nennt Saß als besonderen Pluspunkt: "Die Schulung ist in einem Tag möglich." Die Schreibdienst-Leiterin nutzt auch die vielfältigen Möglichkeiten individueller Erweiterungen des Programms.

Die Damen des Schreibdienstes können heute bereits auf ein von Saß für die Bedürfnisse des eigenen Hauses zugeschnittenes Lexikon zugreifen. In einem selbst erstellten Glossar sind sämtliche Ärzte Hamburgs mit Adressen aufgelistet. Lediglich der Nachname des Arztes muß geschrieben werden, alles andere ergänzt das System. "Ich hatte keinerlei Schwierigkeiten, diese Zusatzfunktionen einzufügen", erklärt Saß.

Die Schreiben werden in einem Archiv gespeichert, das nach dem Ordner-Prinzip funktioniert. Briefe, die im zentralen Schreibdienst geschrieben wurden, können von den Abteilungen aus den "Ordnern" geholt und korrigiert werden. Sie lassen sich aber auch mit der elektronischen Post senden und ausdrucken. Den Hausarzt erreichen sie in jedem Fall schnell und fehlerfrei.

Michael Pyper arbeitet freiberuflich als PR-Berater in Bad Homburg