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04.12.1974

Vertrauenskrise zwischen Management und EDV?

Robert Hürten (44) ist Mitglied der Geschäftsleitung der aiv-Institut Peter Kreis GmbH in Darmstadt und als fachlicher Leiter auch für das interne und externe Personal-Management der aiv verantwortlich.

Zwei nicht erfundene Szenen beleuchten das Verhältnis Geschäftsleitung - EDV-Management.

Szene 1: Der Geschäftsführer eines mittleren Großhandelsunternehmen der Eisenwarenbranche zu einem EDV-Berater: "Sie wissen, daß wir uns vor einem Jahr entschlossen hatten, die Datenverarbeitung einzuführen. Die Umstellung wird in den nächsten Tagen abgeschlossen. Wir sehen zwar die geplanten Ergebnisse, können aber nicht beurteilen, ob die Lösung sicher, zuverlässig und optimal ist. Wir fühlen uns ein wenig an die Herren der EDV ausgeliefert."

Szene 2: Der gleiche Geschäftsführer informiert seinen EDV-Chef- darüber, daß von dritter Seite ein Gutachten zur EDV-Organisation erstellt werden soll. Darauf der EDV-Chef mit gereizter Stimme: "Halten Sie mich für einen Scharlatan oder Betrüger?"

Es war schwer, die plötzlich im Raum stehende Spannung abzubauen.

Die oben geschilderten Verhaltensweisen sind in der Tat keine Einzelfälle. Das Verhältnis Geschäftsleitung/EDV wird vorwiegend bestimmt durch Unsicherheit auf der einen und übertriebenes Selbstbewußtsein der EDV-Spezialisten auf der anderen Seite. Was ist der Grund dafür?

Meistens Selfmademen

Die Datenverarbeitung ist jung, ebenso die Mehrzahl ihrer Fachleute. Absolventen festgelegter EDV-Ausbildungsgänge sind erst seit wenigen Jahren auf dem Arbeitsmarkt. Dieser wird heute noch von "Selfmademen" beherrscht, die ihre Ausbildung in den Programmierlehrgängen der Hersteller fanden. Dort lernten sie jedoch nur Programmiersprachen und Betriebssysteme.

In den Chefetagen der Anwenderfirmen sind heute noch vorwiegend Jahrgänge vertreten, die während ihrer Ausbildung nichts von EDV-Organisation hörten, weil es sie damals noch nicht gab. Ihre EDV-Ausbildung konnten die heutigen Topmanager lange Zeit nur über Informationsquellen erhalten, die von den Herstellern beeinflußt wurden. In vielen Fällen verprellte man sie dabei mit rein technischen Informationen (zum Beispiel Binärsystem), die zwar für Programmierer notwendig sind, jedem anderen jedoch nur Furcht und Achtung abgewinnen konnten. Dadurch wurde und wird auch heute noch unbewußt die Spannung verstärkt, die Professor Steinbuch in seinem Buch "Falsch programmiert" als den Konflikt zwischen zwei Kulturen darstellt: der literarischen und scientifischen Kultur.

"Entspannung" notwendig

Wie kann die Spannung abgebaut werden? Nur dadurch, daß jede Seite mehr von der anderen weiß. Dem EDV-Manager darf es nicht genügen, Spezialist in Programmierung und Betriebssystemen zu sein. Umfangreiche Kenntnisse der jeweiligen Anwendungsgebiete (Betriebswirtschaft, Fertigungstechnik etc.) werden in Zukunft um so notwendiger, je mehr die EDV nicht nur Massenprobleme der operativen Ebene zu lösen, sondern auch Aufgaben der Führungsebene vorzubereiten hat.

Die Topmanager sollten von der EDV soviel lernen wie der Autofahrer vom Verbrennungsmotor. Mit anderen Worten: Anstatt sich mit Programmiertechniken "herumzuschlagen", sollten sie sich mit den modernen Organisationstechniken beschäftigen.