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04.11.1977

Verunsicherung der Anwender beseitigen

Mit Sighart Rotter, Vorstandsvorsitzender des "Deutschen OCR-Verbandes", sprach CW-Redakteurin Nora Hörman

- OCR als Datenerfassungsmethode ist eingeführt und seit langem bekannt. Warum sehen Sie sich heute noch veranlaßt, einen OCR-Verband - das deutsche OCR-Forum - zu gründen?

Die Beantwortung dieser Frage setzt die Kenntnis einiger Fakten und der Vorgeschichte voraus. In diesem Jahr haben sieh bereits einmal - am 26. Mai 1977 in München - sechzig Anwender und Hersteller in einer Veranstaltung "OCR-Forum 77" zusammengefunden, um einige grundsätzliche Fragen des OCR-Marktes zu diskutieren. Diese Veranstaltung wurde abgeschlossen mit der übereinstimmenden und einstimmigen Erklärung aller Anwender und Hersteller, einen Fachverband zu gründen. Diese Entwicklung wurde unterstützt durch die Tatsache, daß wir gerade im Jahre 1977 - und in noch stärkerem Maße in den künftigen Jahren - eine recht hektische Entwicklung von OCR-Anwendungen im weitesten Sinne erleben. Durch einige dieser Entwicklungen wird der Bekanntheitsgrad von OCR enorm erhöht. Denken Sie nur an den beginnenden Einsatz von Skannern beim Check-out in großen Lebensmittelmärkten oder auch an die Absicht des Bundesministers für Arbeit und Sozialordnung, zur Reduzierung der Kosten im Gesundheitswesen OCR-Umdrucker für Krankenscheine und ärztliche Verschreibungen einzuführen. OCR wird also ein Massenartikel- es erreicht den letzten Verbraucher uni rückt damit auch wesentlich stärker in das Bewußtsein jedes Anwenders oder Organisators. In diesem Zusammenhang wird es verständlich, daß in einer Zeit, in der eine Datenerfassungsmethode einen anderen Stellenwert erhält, der Ruf nach einem Fachverband besonders laut wird. Der Verband will hier im Interesse der Anwender Hilfestellung geben, er will den organisatorisehen Rahmen sehaffen für den Informations- und Erfahrungsaustausch. Der Verband wird - so hoffe ich - durch sachliche Arbeit in Arbeitskreisen entscheidend dazu beitragen, daß die in den vergangenen Jahren ab und zu feststellbare Verunsicherung der Anwender endgültig der Vergangenheit angehört.

- Welche Aktivitäten will der Verband entwickeln?

Diese Frage ist eindeutig in der inzwischen verabschiedeten Satzung, Artikel 3 formuliert: "Das OCR-Forum verfolgt das Ziel, Anwendung und Technik der maschinellen Erfassung von sichtbaren Zeichen (zum Beispiel OCR, MICR) als Methode der Datenerfassung sowie die damit in unmittelbarem Zusammenhang stehende Verarbeitung (zum Beispiel Belegsortierung) aus der Sicht des Anwenders oder Benutzers zu fördern:

- Als Forum für den Informations- und Erfahrungsaustausch seiner Mitglieder untereinander

- durch Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Anwendung und Technik

- durch Erarbeitung von Beurteilungskriterien für den Leistungsvergleich

- durch Mitarbeit bei der Normung von Zeichen und Methodik

- durch Pressearbeit."

Dieses Programm setzt Schwerpunkte. Erfreulicherweise haben sich bekannte OCR-Hersteller zur sachlichen Mitarbeit bereit erklärt - eine außerordentlich positive Erscheinung, die sich keineswegs aus der gemeinsamen Interessenlage ergeben muß. Dahinter steht auch die Bereitschaft der Hersteller, im Sinne und zum Vorteil des Anwenders Produktentwicklung oder -anpassungen zu betreiben.

- Wie steht es nun mit EUROCRA?

Hierauf könnte man mehrere Antworten geben: Eines ist jedoch zu dieser Frage festzustellen: Die Bedeutung des OCR-Marktes in der BRD war in EUROCRA unterrepräsentiert. Es war zweifellos schwierig, mit unseren sachlichen Vorstellungen durchzudringen. Die Gründung eines deutschen OCR-Verbandes schafft hier bessere Voraussetzungen. Wie wir zwischenzeitlich auch wissen, werden sich die anderen europäischen Mitglieder in ähnlicher Weise konstituieren. Diese Entwicklung läuft vielleicht darauf hinaus daß EUROCRA sich als Dachverband vor allem um Fragen der Koordination bemüht.

- In welcher Weise arbeiten die Hersteller mit?

Zum Teil habe ich diese Frage bereits beantwortet. Ergänzend wäre vielleicht noch festzustellen, daß alle Hersteller von Hardware zunächst mit unserer Absicht OCR zu fördern, einiggehen. Insoweit ergibt sich eine sachliche Unterstützung bei allen Problemen, die wir diskutieren, die gerade der Anwender für die Lösung mancher Probleme benötigt. Man kann auch feststellen, daß weiterreichende Überlegungen, wie etwa die gemeinsame Imagewerbung, für das Produkt "OCR" realistisch sind.

- Wie schätzen Sie den OCR-Markt ein und welche Vorhersage würden Sie für die nächsten Jahre treffen?

Auf diese Frage kann ich nur eindeutig antworten. Die Marktanteile von OCR am Gesamtmarkt - Datenerfassung - werden in den nächsten drei bis fünf Jahren deutliche Zuwachsraten aufweisen. Hierzu habe ich bereits detaillierte Ausführungen in meinem Eröffnungsreferat zum ersten OCR-Forum im Mai dieses Jahres gemacht. Kein Hersteller muß sich heute - wie in anderen Branchen - um das Aufspüren von Marktlücken bemühen. Er muß lediglich bedacht sein, die Technologien weiterzuentwickeln und so mit den Anforderungen der Anwender Schritt halten.

- Deckt das Herstellerangebot an Geräten und Lesesystemen die Anforderung des Marktes ab ?

Im allgemeinen ja. Soweit spezielle Geräte und Systeme benötigt werden, sind die Hersteller so bewegungsfähig, daß sie sehr rasch auf neue Entwicklungen reagieren können. Beispielsweise hat die Einführung der EAN (Europäische Artikel-Numerierung) eine ganze Reihe von Herstellern veranlaßt, neue Produkte zu entwickeln und sie dem Anwender verfügbar zu machen.

- Welche Wünsche hat dann der Anwender an die Entwicklung der Hardware noch?

Diese Frage wollen wir mit den Herstellern sehr eingehend diskutieren. Der Anwender wünscht besser an seinen Bedürfnissen orientierte Leistungsklassen von Lesern. Dahinter steht der forcierte modulare Aufbau von Leser- und Lesesystem. Auch hinsichtlich der Schriftarten sind bisher keineswegs alle Wünsche befriedigt.

- Mit welchen anderen Datenerfassungsmethoden steht OCR im Wettbewerb?

Aus meiner eigenen Erfahrung und Kenntnis möchte ich zunächst einmal antworten: Mit keiner OCR erhebt den Anspruch, in Hand- oder Maschinenschrift vorliegende Daten ohne manuelle Tätigkeit maschinell aufzubereiten. Fast alle anderen Datenerfassungsgeräte gehen davon aus, daß eine Urkunde, ein Beleg oder eine schriftliche Information für die Erfassung vorliegt. Wir wollen also den Schritt der manuellen Datenerfassung einsparen, wenn ein lesbarer Beleg verfügbar ist.

Sighart Rotter

(54), seit 12 Jahren bei Gervais Danone in München und heute Leiter der Datenverarbeitung und des OCR-Zentrums, begann seine EDV-Karriere bereits im Jahre 1954. "Kontakt" zur Belegverarbeitung in seiner ursprünglichsten Form bekam er bei seiner Tätigkeit in einem Elektrizitätswerk beim Ablesen der Zähler. Sein Engagement für den OCR-Gedanken führte dazu, daß er 1975 mit 50 gegen 9 Stimmen in den Vorsitz von Eurocra gewählt wurde. Heute ist er Vorstandsvorsitzender des "Deutschen OCR-Verbandes" .