Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

11.06.2004 - 

Interview mit Ingolf Ruge, Sprecher von Bayern Online International

"Verwaltungsvorgänge radikal vereinfachen"

Unter dem Motto "Neue Netze, neue Dienste, neue Strukturen" startet am 22. und 23. Juni der Kongress Bayern Online International in München, den die COMPUTERWOCHE als Medienpartner unterstützt. Ingolf Ruge, Professor an der TU München und Sprecher der Veranstaltung, sieht den Nutzen neuer Netzdienste vor allem in einfacheren und schnelleren Geschäftsprozessen.

CW: Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Kongress?

RUGE: Unser besonderes Anliegen ist es, Verwaltungsvorgänge mit Hilfe moderner Technologien radikal zu vereinfachen. Wir adressieren dabei ein breit gestreutes Publikum. Das geht vom einfachen Verwaltungsangestellten einer Behörde bis hin zum Geschäftsführer eines kleinen oder mittelständischen Unternehmens.

CW: Wenn es um E-Government geht stehen deutsche Behörden im internationalen Vergleich im hinteren Mittelfeld. Skandinavische Länder und Großbritannien haben die Nase vorn. Woran liegt das?

RUGE: Das liegt an unserem Wohlstandsstaat, den es ja immer noch gibt. Welche Motivation sollte denn ein unkündbarer Angestellter in irgendeinem Landratsamt haben, mit Hilfe elektronischer Medien E-Government-Projekte zu unterstützen? Man darf allerdings nicht außer Acht lassen, dass gerade die skandinavischen Länder wegen der dünnen Besiedlung in gewisser Weise gezwungen sind, E-Government-Lösungen einzusetzen.

CW: Mangelt es hierzulande nicht auch an der Benutzerakzeptanz?

RUGE: Durchaus. Aktuelles Beispiel ist die geringe Resonanz auf den Virtuellen Marktplatz Bayern. Der Wille zur Veränderung ist in der Bevölkerung immer noch sehr gering; die Zahl derjenigen, die sich Internet-Techniken verweigern, verharrt auf hohem Niveau.

CW: Ein zentrales Thema, das Sie auch auf dem Kongress in den Mittelpunkt rücken wollen, heißt Konvergenz, also die Verschmelzung von Sprach- und Datennetzen. Vor allem Voice over IP (VoIP) wird in diesem Zusammenhang genannt. Bislang konnte sich die Technik aber nicht auf breiter Front durchsetzen. Warum?

RUGE: Sprachkommunikation, eventuell noch ergänzt durch eine Web-Kamera über das Internet, ist momentan noch eher etwas für Spezialisten, beispielsweise in der Forschung. Es gibt zwar mittlerweile auch etliche kommerzielle Angebote, die einfacher zu nutzen sind. Die Technik ist aber im Vergleich zum klassischen Sprachnetz noch nicht reif genug. Letzteres hat sich im Laufe vieler Jahre entwickelt; es gab unglaublich viele Standardisierungsbemühungen, damit heute jeder gewünschte Teilnehmer weltweit ungestört und in höchster Tonqualität erreichbar ist. Diese Qualität ist über das Internet heute noch nicht möglich.

CW: Wie lange wird es dauern, bis die Qualität ausreicht, um mehr Nutzer anzusprechen?

RUGE: Ein auf Internet-Technologien basierendes Universalnetz für Daten und Sprache mit dem gewohnten qualitativ hohen Niveau wird es voraussichtlich erst in zehn bis zwanzig Jahren geben. Die klassischen Netze mit vermittelten Verbindungen werden nach und nach abgebaut und eines Tages vom Markt verschwinden.

CW: Was sind die wichtigsten Hürden beim Aufbau dieses Universalnetzes?

RUGE: Wie schon beim Sprachnetz bereitet die Entwicklung weltweit akzeptierter Standards die größten Probleme. Hier gibt es mehrere Gremien, in denen auch unterschiedliche politische Interessen eine Rolle spielen. Dazu gehört beispielsweise die Standardisierungsbehörde der Vereinten Nationen, in der 190 Länder vertreten sind. China und die USA etwa verfolgen sehr unterschiedliche Ziele.

CW: Werden Mobilfunknetze mittelfristig das Festnetz ersetzen?

RUGE: Auf keinen Fall. Das Mobilnetz kann die Festnetz-Telefonie allenfalls ergänzen. Es macht immer noch einen gewaltigen Unterschied, ob ein Nutzer ein Gespräch über Funk mit all den physikalisch bedingten Störungen führt oder über eine feste, im Boden verlegte Leitung. Hier spielen auch Sicherheitsaspekte eine Rolle.

CW: Die Infrastruktur für neue Netze kostet die Carrier viel Geld. Alte Systeme müssen ersetzt oder umgerüstet werden. Mit welchen neuen Diensten soll diese Ausgaben refinanziert werden?

RUGE: Man muss dabei zunächst berücksichtigen, dass die Einführungs- und Betriebskosten für das Universalnetz im Vergleich zum klassischen Sprachnetz erheblich günstiger ausfallen werden. Gleichzeitig werden die Verbindungen immer breitbandiger. Damit können Benutzer viel selektiver auch kostenpflichtige multimediale Informations- und Unterhaltungsangebote nutzen, beispielsweise Video on Demand. Auf diese Weise werden die Carrier-Netze künftig stark ausgelastet.

CW: Technisch ist vieles möglich, aber wie können Unternehmen mit Hilfe neuer Netztechniken Wettbewerbsvorteile erringen?

RUGE: Nehmen Sie das Beispiel Extended Enterprise. Interne und externe Abläufe von Unternehmen werden mit Hilfe der neuen Technologien erheblich beschleunigt und vor allem auch kostengünstiger. Gerade kleine und mittlere Unternehmen haben hier noch Nachholbedarf.

CW: Welche Rolle spielen Wireless LANs und Hot Spots in diesem Szenario?

RUGE: Früher haben viele WLANs als Spielerei belächelt und auch auf Sicherheitsrisiken hingewiesen. Aus diesem Grund haben einige Unternehmen ihren Mitarbeitern verboten, sich über WLANs ins Firmennetz einzuklinken. Die Hersteller reagieren auf dieses Problem. Heute glaube ich an eine Koexistenz von UMTS- und Wireless-Lan-Technologien. (wh)