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30.08.2007

Verzettelt sich Acer mit der Gateway-Übernahme?

Der taiwanische Rechnerhersteller will für die Amerikaner 710 Millionen Dollar ausgeben. Die Branche zweifelt, ob das ein kluger Schachzug ist.
Mit der Fusion von Acer und Gateway verschieben sich die Marktverhältnisse nur wenig. Der amerikanische Direktvertreiber Gateway ist weder in Emea noch weltweit sichtbar.
Mit der Fusion von Acer und Gateway verschieben sich die Marktverhältnisse nur wenig. Der amerikanische Direktvertreiber Gateway ist weder in Emea noch weltweit sichtbar.

Der Kauf des als Direktvertreiber auftretenden PC-Anbieters aus Kalifornien hat ausschließlich Auswirkungen auf den PC-Markt in den Vereinigten Staaten. Dort ist Gateway nach der Zahl ausgelieferter Systeme die drittstärkste Kraft (siehe Grafik) nach Marktführer Dell und Hewlett-Packard (HP). Acer nimmt mit 5,6 Prozent den vierten Rang ein. Auch wenn man die Stückzahlen von Gateway und Acer zusammenlegt, reicht das vereinte Unternehmen bei weitem nicht an das Führungsduo heran. Toshiba folgt in den USA mit 5,5 Prozent auf Platz fünf, punktet jedoch wie in anderen geografischen Märkten mehr oder weniger ausschließlich mit mobilen Rechnern. Für den US-Markt lässt sich allerdings festhalten: Mit dieser Übernahme hat Acer seine Position als drittstärkster Anbieter gefestigt. Nicht von ungefähr betonte denn auch Acer-President Gianfranco Lanci: "Acer und Gateway ergänzen sich sowohl geografisch als auch bei der Produktpositionierung sehr stark."

Gateway weltweit und in Europa nicht existent

Gateway hat ausschließlich in den USA einen nennenswerten Anteil am PC-Markt. Versuche, Mitte der 90er Jahre in Deutschland Fuß zu fassen, scheiterten schnell. Die Marktforscher von IDC ebenso wie von Gartner sehen Gateway außerhalb der USA nicht als marktrelevante Größe, während Acer auch jenseits der Staaten eine starke Position einnimt.

In Emea (Europa, Naher Osten, Afrika) belegt Acer nach den aktuellen Listen des zweiten Quartals 2007 bei IDC hinter HP und Dell mit einem Marktanteil von zwölf Prozent Rang drei. Fujitsu-Siemens folgt auf Platz vier mit sechs Prozent. Dahinter rangiert Toshiba. Bei Gartner haben Acer und Dell die Positionen getauscht. Auch hier liegt HP in Front (siehe Grafik).

Der Kauf richtet sich gegen die chinesische Konkurrenz

Acers erklärtes Ziel, mit der Fusion weltweit als Nummer drei zu Dell und HP aufzuschließen und vor allem den chinesischen Konkurrenten Lenovo hinter sich zu lassen, scheint vor dem Hintergrund der Marktforschungszahlen sehr optimistisch. Michele Zwolinski von IDC bestätigt, dass der US-PC-Anbieter außerhalb der USA praktisch nicht in Erscheinung tritt. Während Acer im Jahr 2006 in Emea insgesamt rund 8,3 Millionen PCs verkaufte, schaffte es Gateway nach Zahlen von IDC, gerade mal 1740 Rechner an den Mann zu bringen 0,02 Prozent der insgesamt von Acer verkauften Stückzahlen also. Ähnlich sieht es beim weltweiten Abverkauf von PCs aus.

1+1 ist nicht immer 2 manchmal nicht mal 1,5

Das Beispiel der Fusion von HP und Compaq im Jahr 2002 zeigt zudem, dass die anlässlich einer Fusion addierten Stückzahlen eher ein theoretischer Wert sind. In der Marktrealität reduziert sich diese Zahl. Zum einen müssen zwei fusionierte Unternehmen ihre prinzipiell ähnlichen Produktangebote zu einem stimmigen Portfolio bereinigen. Damit verschwinden Systemfamilien, die jede für sich bislang am Markt mehr oder weniger Erfolg hatten. So dürften etwa die populären Notebooks von Acer auch in den USA entsprechende Angebote von Gateway sowohl in dessen Direktvertrieb via Internet als auch in den Gateway-Shops kannibalisieren, was die Marktanteile senkt.

Die Fusionskandidaten müssen ferner ihre hausinternen Personalstrukturen anpassen. Das führt nicht nur zu Entlassungen. Vielmehr kommt es unweigerlich zu den bei Fusionen typischen Übergangsproblemen hinsichtlich der für Externe erkennbaren Zuordnungen und Verantwortlichkeiten in Produktlinien. In aller Regel führt die Übergangsphase nach einer Fusion zu einer Reduzierung der gemeinsamen Marktanteile.

Fusion bis Dezember 2007 über die Bühne

Acer bietet 1,90 Dollar für jede Gateway-Aktie. Die Offerte bedeutet einen Aufschlag von 57 Prozent auf den Schlusskurs (1,21 Dollar) vor Bekanntgabe der geplanten Fusion, der die Boards beider Unternehmen bereits zugestimmt haben. Die Kartellbehörden sowohl der USA als auch von Taiwan müssen dem Zusammenschluss noch ihr Plazet geben. Die Unternehmen gehen davon aus, dass die Fusion bis Dezember 2007 vollzogen sein wird. (jm)