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BMFT bescheinigt deutscher Industrie gute Technologie-Akzeptanz:


27.09.1985 - 

Verzicht auf neue Technik kostet Arbeitsplätze

BONN (lo) - Einsatz von Mikroelektronik sichert und schafft neue Arbeitsplätze in der Bundesrepublik. Eine "verhaltene technische Entwicklung" dagegen zeitige negative Folgen für die Produktion. An diesem Ergebnis der jüngsten Dokumentation des Bundesforschungsministeriums (BMFT) hegt der DGB indes Zweifel.

Nach Ansicht des Ministers für Forschung und Technologie, Heinz Riesenhuber, der die Studie kürzlich präsentierte, widerlegt die Bonner Bestandsaufnahme die Annahme, in der Bundesrepublik würden neue Techniken die Arbeitslosigkeit verstärken. Genau das Gegenteil sei als ein Grund für die anhaltende Beschäftigungskrise zu nennen, deren Ursachen eben "eher in einer zu verhaltenen technologischen Erneuerung der Wirtschaft zu suchen" seien. Zusätzlich, so eine weitere Aussage der Bonner Analyse, sei Einsatz von Mikroelektronik ein wichtiger Faktor zur Erhöhung der Produktivität. In Branchen, die bereits in der Vergangenheit Vorreiter bei der Einführung neuer Techniken waren, ... eine Zunahme an Beschäftigten zu beobachten. Dazu zähle zum Beispiel die Automobilindustrie, wo 60 Prozent aller Industrieroboter stehen.

Von 1975 ab nahm hier die Zahl der Arbeitskräfte um insgesamt 123000 zu. Dabei sei eine dynamische Aufwärtsbewegung festzustellen. Stieg die Zahl der Stellen von 1981 bis 1984 um 21000, so erhöhte sie sich allein von Mai 1984 bis Mai 1985 um 23000 Plätze. Damit lag das Beschäftigungsniveau zwei Prozent über dem des vergleichbaren Monats im Vorjahr.

Impulse zu Aufschwung und Beschäftigung kommen Riesenhuber zufolge aus "technologisch fortschrittlichen Branchen". Während im Industriedurchschnitt der Jahre 1980 bis 1984 der Stellenrückgang "nur" zehn Prozent betrug, lag er in produktivitätsschwachen Branchen bei über 13 vom Hundert. Branchen mit durchschnittlicher Produktivität wiesen, 8,2 Prozent und produktivitätsstarke Sektoren 7,2 Prozentpunkte auf (Abbildung 1).

In der elektronischen Industrie mit einem Anteil von mehr als 20 Punkten über dem Durchschnitt des verarbeitenden Gewerbes nahm die Beschäftigung um 15000 oder 2,5 Prozent zu.

Die Sektoren Büromaschinen und ADV zählten 6000 neue Stellen oder 8,5 Prozentpunkte mehr. Kreditinstitute sowie Versicherungen, die schon früh auf neue Techniken setzten - acht von zehn Kreditinstituten arbeiten seit 1981 mit DV - haben nach der BMFT-Studie die Beschäftigungsbreite in den vergangenen zehn Jahren beständig ausgedehnt. 1984 kamen 5000 Arbeitsplätze hinzu. Der Gesamtbereich Dienstleistungen zählte im ersten Quartal 1985 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres 70000 Erwerbstätige mehr.

Verzichte eine Branche auf neue Technik, gab der Minister zu bedenken, so könne es zu negativen wirtschaftlichen Folgen wie etwa in der Uhrenindustrie Anfang der siebziger Jahre kommen. Dort gingen rund 40 Prozent der Stellen verloren.

Die Dokumentation des Bonner Ministeriums bescheinigt der deutschen Industrie im ganzen jedoch eine gute Akzeptanz der neuen Technik.

In der Bundesrepublik setze bereits die Hälfte aller Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes Mikroelektronik in Prozessen und Produkten ein. Damit stehe Deutschland vor Großbritannien mit 47 Prozent und Frankreich mit 38 Anteilen an erster Stelle. Der Bundesforschungsminister bezeichnete zusammenfassend den Einsatz von Mikroelektronik als unverzichtbar, um die Konkurrenzfähigkeit der Wirtschaft zu erhalten und Beschäftigungsmöglichkeiten zu sichern.

"Vielen gilt es als ausgemacht, daß die Anwendung neuer Technologien mehr Arbeitsplätze schafft als vernichtet", meldete Siegfried Bleicher, Mitglied des geschäftsführenden Bundesvorstandes des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), auf der technologiepolitischen Konferenz in Bonn die Zweifel der Arbeitnehmer-Organisation gegenüber der Untersuchung des Bundesforschungsministers an. Die Gewerkschaften bestritten nicht, daß eine erfolgreiche Erschließung neuer Märkte durch neue Produkte und Produktionsverfahren im Einzelfall auch Arbeitsplätze schaffe. Bezweifelt werde jedoch, daß die Arbeitslosigkeit insgesamt durch den Einsatz neuer Technologien nachhaltig verringert werden könne.

Auch für das Zahlenverhältnis zwischen Arbeitsplatzgewinnen und -verlusten findet sich in der Studie des Bundesforschungsministers eine klare Aussage (Abbildung 2). Während in etwa drei Viertel aller Mikroelektronik-Anwenderunternehmen im verarbeitenden Gewerbe der industrielle Einsatz der neuen Technik zu keiner Veränderung der Zahl der Arbeitsplätze führte, sind in dem verbleibenden Viertel Verluste etwa doppelt so häufig wie Zugewinne.

Einen Beitrag "zur Versachlichung der Diskussion" dagegen sieht die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände in Köln in der Studie des BMFT gleichwohl. Sie stelle nämlich klar, daß nicht der technisch-organisatorische Wandel, sondern Wachstumsschwäche sowie internationaler Wettbewerb für den Abbau von Arbeitsplätzen in der Bundesrepublik verantwortlich seien.