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16.03.2001 - 

Infineon hat allein in München über 1000 offene Stellen

Verzweifelt gesucht: Flexible Techniker

MÜNCHEN (hp) - Flexibilität sollte ein Mitarbeiter von Infineon auf jeden Fall mitbringen. Denn der forschungsintensive Halbleiterbereich mit seinen extremen Marktschwankungen bringt es mit sich, dass man sich schnell und oft auf neue Situationen einstellen muss. Zudem sollte der Kandidat eine Vorliebe für internationale Projekte und Freude an der Teamarbeit haben.

"Never stop hiring", könnte das neue Motto von Infineon heißen, denn das Siemens-Spinoff ist ständig auf der Suche nach neuen Mitarbeitern. Momentan beschäftigt das Unternehmen, das 1999 den Gang an die Börse wagte und inzwischen einen Jahresumsatz von über sieben Milliarden Euro aufweist, weltweit rund 29000 Angestellte, davon 15000 in Deutschland und rund 7000 im Headquarter München. Damit arbeiten heute bei Infineon doppelt so viele Mitarbeiter wie 1995, als dieser Bereich noch vollständig zu Siemens gehörte. Und ein Ende der Einstellungen ist nicht abzusehen: In den nächsten Jahren soll die Infineon-Belegschaft auf 35000 Mitarbeiter wachsen.

Chancen für QuereinsteigerMomentan gibt es allein in München über 1000 offene Stellen zu besetzen. Eine schwierige Aufgabe für Claus Brauner, Senior Director Recruiting und Retention, denn der Arbeitsmarkt ist eng. Zwar steigen die Absolventenzahlen im Fachbereich Informatik langsam an, bei den für Infineon wichtigeren Elektrotechnikern hingegen kaum. Neben diesen beiden Fachbereichen werden vor allem Physikabsolventen mit dem Schwerpunkt Halbleiter und Wirtschaftsingenieure gesucht. Aber auch Quereinsteiger haben bei Infineon Chancen. So arbeitet das Hightech-Unternehmen mit der Siemens Technikakademie zusammen, wo unter anderem Studienabbrecher und Absolventen aus nichttechnischen Fachrichtungen qualifiziert werden. Voraussetzung für den Einstieg sind laut Brauner hohe Einsatzbereitschaft und das Interesse an Halbleitertechnik.

Da die meisten Projekte bei Infineon international angelegt sind, sind Englischkenntnisse ein Muss. Zudem sollten die Mitarbeiter bereit sein, "sich aus dem bayerischen Heimathafen herauszubewegen". Diese Forderung kommt einem Großteil der Hochschulabsolventen entgegen, denn laut einer Umfrage des Berliner Instituts für Personal-Marketing Trendence will jeder zweite IT-Student bei seinem künftigen Arbeitgeber Auslandserfahrungen sammeln. Noten, so die Erfahrung von Brauner, sind für eine Erstauswahl recht nützlich, ihre Bedeutung sinke aber ständig - auch aufgrund des Arbeitskräftemangels.

Austausch erwünschtDer ideale Kandidat bringe neben dem Fachwissen vor allem Sozialkompetenz mit, denn Entwicklungsarbeit finde im Team statt, wobei in der Regel mehrere Abteilungen involviert sind. "Die Zeiten, in denen sich einer überspitzt ausgedrückt zwei Jahre einschließt und forscht und dann die Ergebnisse präsentiert, sind vorbei. Im stillen Kämmerchen verstauben tut hier niemand", bringt es Brauner auf den Punkt. Vielmehr tauschen sich die Entwickler beispielsweise ständig mit den Marketing-Spezialisten aus, um nicht am Markt vorbeizuentwickeln. Da Infineon in einem extrem zyklischen Marktsegment tätig sei, änderten sich die Arbeitsvorgaben für die Mitarbeiter auch in schnellem Rhythmus, was eine enorme Flexibilität voraussetze.

Jüngere Bewerber bevorzugtMit einem Durchschnittsalter von 36 Jahren im Münchner Headquarter und von 34 Jahren im Dresdner Werk ist die Belegschaft recht jung. Haben hier Ältere überhaupt eine Chance einzusteigen? "Wenn Sie eine Abteilung mit einem Durchschnittsalter von 32 haben und einen Bewerber mit 56, dann ist das nicht die beste Voraussetzung", erklärt hierzu Brauner ausweichend. Nein, eine feste Altergrenze gebe es nicht, und zum Teil suche Infineon aufgrund der jungen Belegschaft gezielt auch Mitarbeiter, die bereits etliche Jahre Berufserfahrung mitbringen.

Auch bei der Frage nach der Fluktuation hält sich der Personalchef recht bedeckt: Diese Rate "liege deutlich unter dem Industriedurchschnitt, der zehn bis 15 Prozent beträgt". Dafür gebe es innerhalb des Unternehmens unterschiedliche Positionen zu besetzen - für Thomas Katz eines der wichtigsten Kriterien, sich für Infineon zu entscheiden. Der Betriebswirtschaftler, der seit Anfang Januar als IT-Organisator SAP im Bereich Human Resources beschäftigt ist, schätzt die Möglichkeit, innerhalb des Konzerns auch in interdisziplinären Projekten aktiv zu werden und eventuell auch im Ausland zu arbeiten. Entscheidend war für ihn auch, dass Infineon in der Branche einen guten Ruf genießt und die "Chemie beim Vorstellungsgespräch stimmte".

Gehalt nach MaßDie Höhe des Gehalts spielte bei der Entscheidung zwar eine wichtige Rolle, hatte aber nicht oberste Priorität, da Katz die Arbeitsinhalte und das -umfeld wichtiger waren, eine Einstellung, die die meisten Kandidaten haben. Das Einstiegssalär liegt laut Brauner je nach Ausbildung zwischen 70000 und 100000 Mark. Natürlich seien auch Aktienprogramme oder Stockoptions bei den Vorstellungsgesprächen ein Thema. "Allerdings hat es sich durch das Abflauen der Dotcom-Euphorie auch herumgesprochen, dass man durch solche Optionen nicht unbedingt sofort zum Millionär wird."

Der 30-jährige Katz hat sich wie fast alle Infineon-Neulinge für einen 40-Stunden-Vertrag entschieden, möglich wäre auch ein 35-Stunden-Kontrakt, natürlich mit entsprechend weniger Gehalt. Überstunden werden nach Absprache mit dem Vorgesetzten mit Freizeit ausgeglichen. "Selbstverständlich richtet man sich nach den anderen Projektpartnern. Wenn ich mit einem Team von der US-Westküste zusammenarbeite, kann ich nicht um 7 Uhr anfangen und um 15 Uhr gehen." Bei Infineon schreibt der Mitarbeiter seine Arbeitszeiten selbst auf, sie werden am Ende des Monats vom Vorgesetzen unterschrieben. Diese Vorgehensweise auf Vertrauensbasis ist Katz lieber als die seines vorherigen Arbeitgebers, wo sämtliche Zeiten per Stempelkarte festgehalten wurden.

Helfer für das AlltäglicheDer Betriebswirtschaftler, der Anfang Januar bei dem Halbleiterproduzenten eingestiegen war, befindet sich noch in der Einarbeitungsphase, in der ihm eine Patin zur Seite steht. Sie hilft ihm bei den alltäglichen Fragen wie: Wo kann man parken, wo ist die Kantine oder wo steht was im Intranet. Allerdings gibt es aufgrund der Arbeitsmenge noch nicht für alle Neulinge einen Einarbeitungshelfer, was sich aber auf längere Frist ändern soll.

Bei der Weiterbildung nutzt Infineon unter anderem die Angebote der Muttergesellschaft Siemens, die in der Abteilung Siemens Qualifiying and Training (SQT) zusammengefasst sind. Der Halbleiterhersteller möchte aber zukünftig eigene Schulungen offerieren und plant hierzu die Infineon University, in der die Teilnehmer sich nicht nur weiterbilden, sondern auch Abschlüsse wie Bachelor of Electrical Engineering machen können. Noch ist man aber in der Planungsphase. Viel wird auch von dem neuen Gebäude abhängen, das im Süden Münchens errichtet werden soll. Momentan sind die Infineon-Mitarbeiter über ein knappes Dutzend Standorte quer durch München verteilt. Deshalb freut sich (nicht nur) der Personalchef auf die neue Firmenheimat.