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08.04.1983 - 

EDV-Lösungen im skandinavischen Tourismus- und Reisesektor

Via Computer in die großen Ferien

Weltweit spielt der Computer noch keine große Rolle in der Reisebranche, sieht man einmal ab von den alltäglichen Ticketbuchungen aller Art. Eine Ausnahme bilden hier die skandinavischen Länder. Insbesondere Schweden gilt derzeit als führend bei der Entwicklung und Implementierung von speziellen Systemen für die Tourismusindustrie. Christian Kusel Geschäftsführer der Enator Deutschland GmbH, Hamburg, beschreibt die Situation.

Noch vor vier Jahren wies die schwedische Tourismusbilanz einen Negativsaldo aus. Daraufhin erhielt der schwedische Fremdenverkehrsverband den Auftrag, die Situation zu analysieren und Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Es stellte sich unter anderem heraus, daß nur zwei Prozent des Gesamtumsatzes der schwedischen Reisebüros im Instandbereich erzielt wurden. Zum einen war der Verkaufsaufwand für standardisierte Reisen ins Ausland geringer, zum anderen der Verkauf von Urlaubsreisen in Schweden wegen mangelnder Marktinformation sehr mühevoll.

Wettbewerbsfähigkeit erhöhen

Der schwedische Fremdenverkehrsverband erkannte, daß der Einsatz von Computern einschließlich der Datenkommunikation ein hervorragendes Mittel sei, die Wettbewerbsfähigkeit der inländischen Anbieter zu erhöhen. Daher erhielt die Firma Enator, Stockholm, den Auftrag, ein System zu entwickeln, das den Anforderungen aller schwedischen Fremdenverkehrsgebiete gerecht wird und die Vermarktung aller inländischen Tourismusprodukte, wie Hotels oder Ferienwohnungen, sicherstellt.

Zunächst wurde nun ein Buchungssystem für die jeweiligen lokalen Fremdenverkehrsvereine erstellt. Mit diesem System wollte man unter anderem Erfahrungen mit der Abwicklung gewinnen.

Nachdem diese Phase abgeschlossen war, begannen die Stockholmer, ein System für ganz Schweden zu konzipieren. Es wurde folgender Anforderungskatalog erstellt:

- gleichartige Arbeitsabläufe für alle Teilnehmer;

- Minimierung der Kosten pro Transaktion;

- Kommunikationsmöglichkeiten mit allen schwedischen Reisebüros;

- Kommunikationsmöglichkeiten mit ausländischen Nachfragern.

Die Post als Partner

Für die Durchführung des Projektes stellte sich die schwedische Post als der beste Partner heraus, da sie über ein Kommunikationsnetz verfügt, das alle Postämter miteinander verbindet.

Heute läuft das Gesamtsystem, genannt Bokser, auf einer Tandem-Non-Stop-Anlage der Post. Die regionalen Fremdenverkehrsvereine und andere Benutzer benötigen lediglich eine Verbindung zum nächsten Postamt, um mit dem zentralen Computer und miteinander in Verbindung treten zu können. Bokser stellt Routinen für Stammdatenpflege, Abfragefunktionen oder Buchungen zur Verfügung und wird für die Anwender zu einer großen Datenbank, die alle Tourismusangebote Schwedens enthält.

1984 wird Bokser an das skandinavische Kommunikationsnetz Smart angeschlossen. Auftraggeber für Smart sind die Fluggesellschaften SAS und Braathens sowie die schwedische Eisenbahn. Philips soll die erforderliche Hardware (Terminals, Drucker etc.) liefern. Die ersten Bildschirme werden im Frühjahr 1983 in Schweden und Norwegen installiert, Dänemark wird später folgen.

Im Bereich der Reservierungs-, Buchungs- und Informationssysteme für Reiseveranstalter und Transportunternehmen gibt es in Skandinavien mittlerweile viele Programme. Besonders erfolgreich sind das Vingressor Tour System (VITS) und das schwedische Domestic Passenger Reservation System (Spar).

Auf einer Tandem-Non-Stop-Maschine hat der schwedische Reiseveranstalter Vingressor ein in Zusammenarbeit mit Enator entwickeltes Programmpaket installiert, das inzwischen auch in anderen Ländern auf Interesse gestoßen ist. Vingressor führt den Rekordgewinn des Geschäftsjahres 1981/82 hauptsächlich auf den Einsatz des neuen Computersystems zurück.

Im innerschwedischen Flugverkehr wird das Jahr 1983 eine völlig neue Buchungsmethode für weite Kundenkreise bringen. Die Fluggesellschaft Linjeflyg wird dann ihr neues Buchungs- und Check-in-System einsetzen. Spar basiert auf kreditkartenähnlichen Plastikkarten, auf denen alle wichtigen Daten des Kunden gespeichert sind. Die Karten werden am Terminal eingelesen, im zentralen Tandem-Computer geprüft und um die vom Kunden eingegebenen Flugdaten ergänzt. Der Vorteil dieses Systems liegt nicht nur in zusätzlicher Bequemlichkeit für den Fluggast oder einer erheblichen Kostenersparnis für Linjeflyg, sondern vor allem im Bereich des Marketings, da jetzt Passagier und Fluggesellschaft die Buchung direkt abwickeln können.