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03.08.1984 - 

Gläubigerschulden markieren offenbar den Scheideweg - Bietergarantie nicht erbracht:

Victor-Übernahme durch Beta wieder ungewiß

MÜNCHEN - Nach einer Fahrt mit viel Dampf in die DV-Zukunft sind der Mannheimer Kerkerbachbahn AG jetzt offensichtlich die Kohlen ausgegangen. Ihr Tender, die Beta Systems, hat Ende vergangener Woche die für die vertragliche Übernahme der Victor Technologies notwendige Bietergarantie nicht erbracht. Damit dürfte der mit viel Schlagzeilen begleitete Deal zunächst in Frage gestellt sein. Bei der deutschen Victor in Frankfurt wird die Entwicklung mit Gelassenheit gesehen. Geschäftsführer Jürgen Tepper: "Wir stehen nicht unter Druck, sondern nehmen uns jetzt Zeit, einen vernünftigen Partner zu finden."

In New York am Freitag vergangener Woche waren sie erwartet worden. Diesem letzten Termin für die Stellung der Garantiesumme blieben die vermeintlich neuen Victor-Herren aber fern. Mit ihnen auch das Geld, eine Summe von schätzungsweise zwei bis drei Millionen Dollar als Bürgschaft für die Liquidität der Beta Systems. Die Rangierlokomotive für die Transaktionen der Victor-Übernahme durch Beta (CW Nr. 30 vom 20.7.84), die Kerkerbachbahn AG, schloß für das Nicht-Erscheinen am Hudson mangelnde Finanzkraft aus. Der wahre Grund, ließ Kerkerbachbahn-Chef Tom Clarke Sieger wissen, beruhe auf einem Mißverständnis zwischen dem Mischkonzern Kidde aus New Jersey, gleichzeitig Victor-Großaktionär, und seiner Gesellschaft. Beta-Geschäftsführer Gisbert Fischer, so hieß es in einem Agenturbericht, führe Gespräche mit Kidde, um die Gesamtfinanzierung der Übernahme abzuklären. Offenbar scheinen in den Vorstandsetagen die Victor-Kreditlinien noch Kopfzerbrechen zu bereiten. Sie sollen nach Vorstellung von Beta - hat 70 Prozent der Victor-Aktien erworben - bis zum Abschluß des Chapter-11-Verfahrens durch Kidde garantiert werden.

Das plötzliche Prozedere um das leidige Thema Geld kommt eher überraschend, schien es doch so, als sei die Übernahme des US-Mikrocomputerherstellers perfekt. Erst am 19. Juli hatte die Kerkerbachbahn das Börsenblatt "Effecten-Spiegel" zu einer Richtigstellung veranlaßt, in der es hieß: Beta hat Victor für nur rund 30 Millionen Dollar unter Ausschluß der Verbindlichkeiten gekauft. Ein Streitpunkt dürfte nun möglicherweise doch die

Gläubigerschulden Victors sein, die sich auf etwa 50 bis 60 Millionen Mark belaufen und durch den Vergleich lediglich eingefroren sind. Da die Kreditoren wohl kaum auf ihre Forderungen verzichten dürften, ist der Sirius-Hersteller mithin unter 80 Millionen Dollar nicht zu haben - ein stolzer Preis, doch die Schulden lassen sich eben von einer Aktiengesellschaft nicht wie ein Furunkel abtrennen.

Bei Victor lehnt man sich indessen, ungeachtet des Kidde-Beta-Debakels, zufrieden in den Vorstandssesseln zurück: Beruhigungspille sind die dünnen schwarzen Zahlen, die die Gesellschaft nach eigenen Angaben seit kurzer Zeit wieder schreibt, so im März einen Reingewinn von 309 000 Dollar, der im Juni die Millionenschwelle überschritten haben soll. Außerdem hofft man, daß sich die Kerkerbachbahn ob der Uneinigkeiten mit Kidde nun doch wieder von Victor abkoppelt. Jürgen Tepper: "Es ist für uns nicht sehr lustig, einen Partner zu haben, mit dem wir ins Gerede kommen." Das Dilemma sei eben gewesen, klagt der deutsche Victor-Chef, daß Verhandlungen mit anderen Bietern schön wesentlich weiter fortgeschritten waren als mit Beta, die Mannheimer jedoch mehr Geld geboten hätten. Und da gäbe es eben zwei Interessen: So versucht Victor, einen möglichst honorigen Partner zu finden, den Gläubigern ginge es hingegen ausschließlich ums Geld - egal von wem.

Die Gewinnmeldungen Victors haben denn auch die ersten Anlage-Spekulanten auf den Plan gerufen, die mit Kaufempfehlungen nicht zurückhalten. Ein zweifellos schon kriminell zu nennendes Spiel mit dem Geld spekulationsfreudiger Kapitalanleger. Denn: Das Chapter- 11-Verfahren wird mit Sicherheit eine Neuordnung der Gesellschaftsverhältnisse nach sich ziehen. So kann nach dem US-Vergleichsrecht das Kapital beispielsweise im Verhältnis 1 zu 20 zusammengelegt oder aber auch auf Null entwertet werden. Anleger, die jetzt investieren, müßten sich dann die Nase wischen.

Wie auch immer die Kapitalsituation bei Victor künftig aussehen mag - die Bemühungen um einen potenten Lebensretter gehen weiter. War bei den Victor-Leuten jenseits des großen Teiches auch bereits erwogen worden, allein weiterzumachen, so führte sie doch der drückende Schuldenberg immer wieder auf die Schiene der Wirklichkeit zurück. Für den Fall, daß Beta auf das Abstellgleis rollt, steht schon einer der Ex-Favoriten vor der Tür. Er kommt aus dem hohen Norden, aus Skandinavien, und heißt Datatronic - ein Unternehmen, das ein Zusammenschluß mehrerer Firmen ist. Ausgereizt ist das Verhandlungspotential damit keineswegs. Am Rande der Szene warteten, so Tepper, noch "zwei amerikanische Unternehmen", die in dem Hindernisrennen um Victor miteifern könnten.