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03.03.1995

Video-on-demand-Projekte sollen privates Interesse ausloten Telekom legt mit 14 ATM-Knoten Grundstein zum Daten-Highway

BERLIN (pg) - Ein dickes Stueck vom Multimedia-Kuchen will sich die Telekom abschneiden. Bis zum Jahr 2000 sollen in diesem Business 16 Milliarden Mark Umsatz durch Uebertragungen und TK-Dienste erwirtschaftet werden. Verkehr ueber professionelle wie auch private Multimedia-Anwendungen generieren heisst deshalb die vorrangige Devise des Carriers.

Als Mittler von Applikationen aus den gewerblichen Bereichen Tele- Kommerz, Tele-Medizin, Tele-Banking, Tele-Learning etc. will die Telekom kuenftig kraeftig abkassieren. Rund 35 Prozent des fuer die Jahrtausendwende prognostizierten Marktvolumens werden, so die Rechnung der Strategen, auf die Carrier-Domaene Uebertragung und Dienste entfallen. Im Wettbewerb mit anderen Anbietern beabsichtigt die Telekom, sich in diesem Core-Business den Loewenanteil zu sichern.

Nach Schaetzungen der Marktforscher werden im Jahr 2000 in Europa 58 Milliarden Mark mit allem Drum und Dran fuer Multimedia investiert. 13 Milliarden davon sollen allein in Deutschland umgesetzt werden, gegenwaertig sind es lediglich 440 Millionen Mark. Um aus dem fuer Netzdienste und Uebertragung prophezeiten Drittel des genannten Gesamtvolumens moeglichst viel fuer sich abzuschoepfen, plant die Bonner AG den weiteren Netzausbau sowie attraktivere Tarifierungen.

Fuer breitbandige Anwendungen soll die Investition in Glasfaserverbindungen erhoeht werden. Zwischen 1995 und 1997 macht der Carrier laut Gerd Tenzer, Vorstand Technik Netze, rund 500 Millionen Mark im Rahmen des Projekts "Fiber in te Loop" locker. Ziel ist, neben hochbitratigen Verbindungen im Fernbereich auch ein Backbone fuer volumenintensive Multimedia-Anwendungen bis zum Kunden zu schaffen. Darueber hinaus soll das gesamte Netz der Telekom bis Ende 1997 digitalisiert sein.

Im Fernbereich kuendigte der deutsche Netzbetreiber einen weiteren Ausbau der ATM-Infrastruktur an. Zur CeBIT '95 startet jetzt ein kommerzieller ATM-Testbetrieb zwischen Berlin, Hamburg, Koeln und Bonn, fuer den bereits neue, nutzungsorientierte ATM-Tarife gelten. Bis April dieses Jahres will die Telekom insgesamt 14 ATM- Netzknoten in den Ballungszentren Deutschlands installieren und damit einen grossen Schritt in Richtung Information-Highway machen.

Waehrend der Netzmonopolist mit ATM die Geschaeftskunden anspricht, soll in puncto Multimedia auch im privaten Bereich der Rahm abgeschoepft werden. Rund eine Milliarde Mark will das Unternehmen im Jahr 2000 mit der multimedialen Massenkommunikation umsetzen. Insgesamt wird das Volumen in diesem Sektor bis zu dem genannten Zeitpunkt auf 4,1 Milliarden Mark geschaetzt.

Zu diesem Zweck hat die Telekom in Berlin jetzt das Pilotprojekt "Interaktive Video-Dienste" ins Leben gerufen. Der Feldversuch ist laut Hagen Hultzsch, Vorstand des Telekom-Bereichs Technik Service, das erste von sechs Projekten, die 1995 und 1996 durchgefuehrt werden (vgl. Tabelle). In den Trails sollen fuer den Rueckkanal unterschiedliche Netzmoeglichkeiten - von der ADSL- Leitung ueber Koax bis hin zur Glasfaser - getestet werden.

Das Projekt in Berlin, ueber dessen Kosten die Telekom keine Angaben machte, ist zunaechst auf 50 Teilnehmer beschraenkt. Das Angebot in der Bundeshauptstadt umfasst Video on demand, Pay-Radio, Home-Shopping, Tele-Learning, Stadtinformationen, einen Gesundheitskanal sowie digitales Fernsehen. Die zur interaktiven Kommunikation noetige Set-top-Box wurde allen Teilnehmern kostenlos bereitgestellt. Der Abruf von Informationen und Angeboten ist mit Ausnahme des Home-Shopping beim Otto Versand momentan gebuehrenfrei.

Technisch zeichnet neben der Telekom in Berlin Alcatel/SEL fuer das Projekt verantwortlich. Sowohl die Set-top-Boxen als auch den zentralen Video-Server stellt der TK-Konzern. Im Server werden ueber Satellit empfangene analoge Filme in Echtzeit digitalisiert, komprimiert und als Programminhalte gespeichert. Die Angebote werden ueber die Koaxialkabel des Kabelnetzes eingespeist, wobei die Telekom in Berlin ein Verfahren verwendet, das den Telefonanschluss der Teilnehmer waehrend eines interaktiven Abrufs nicht blockiert.