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06.11.1992 - 

Telefonieren und Arbeiten am Computer

Videokonferenzen am PC bringen der DV-Branche Multimedia näher

PEABODY (jm) - Der PC wächst aus den Kinderschuhen heraus: Mit dem PC-basierten Videokonferenz-System "VS1000" der International Open Systems Inc. (IOS) aus Peabody, Massachusetts, kann der Anwender nicht nur, die üblichen Applikationen nutzen, sondern den PC auch als Videokonferenz-System ausbauen.

Das Multitalent der Unternehmens-Newcomer agiert in einer Marktnische, die auch die IBM im Auge zu haben scheint: Big Blue präsentierte auf der CD-ROM- und Multimedia-Messe in Wiesbaden Ende September ein ähnliches Konzept und demonstrierte auf für Multimedia-Anwendungen spezialisierten blauen "Ultimedia"-PCs eine Videokonferenz. Eine ähnliche Lösung wird momentan auch von einer französischen Firma für Apple-Rechner vorbereitet.

Bei der IOS-Lösung ist zum einen von Vorteil, daß man von der DOS-Ebene oder aus Windows heraus die Videokonferenz starten und gleichzeitig im Hintergrund Anwendungen betreiben kann. VS1000 unterstützt dabei sowohl die amerikanische Bildübertragungsnorm des North American National Television Standards Council (NTSC) als auch die europäische Variante European Phase Alternative Line (PAL).

Außerdem sei VS1000 - so lOS-Produkt-Manager John Vogel - in weithin gebräuchlichen PC-Netz-Topologien wie Thin-Ethernet, Vines von Banyan, Novells Netware sowie in Token-Ring-Konstellationen einsetzbar.

Sind die korrespondierenden VS1000-PCs nicht in ein Netz eingebunden, können sie auch über die schnellere ISDN Verbindung miteinander kommunizieren.

Victor Betts, Senior Account Manager bei der IOS, äußerte darüber hinaus gegenüber der COMPUTERWOCHE, daß man im November 1992 auf der Comdex in Las Vegas VS1000 für die VMS-Plattform von DEC-Workstations vorstellen werde. Wahrscheinlich schon im Januar 1993 folge zudem eine Unix-Implementierung.

Bei VS1000 handelt es sich um ein Paketangebot: Neben einem PC (IOS empfiehlt einen 486-Rechner, mindestens jedoch einen 386-Mikro) mit 4 MB Arbeitsspeicher, DOS 5.0 und Windows 3.0 (oder höher) sowie einem Netzwerk-Anschluß der Wahl liefert IOS auch eine Kamera von Panasonic (MRX 152) sowie die Steuersoftware mit. Nicht zum Standardpaket gehört eine zweite Kamera, die jedoch als Reproduktionskamera ebenso wie ein Camcorder an das System angeschlossen werden kann.

Zu dem Hard- und Softwarebündel gehören ferner zwei AT-Bus-Karten voller Länge: Neben einer "Screen- window-Update"-Videokarte digitalisiert und komprimiert ein "Codec"-Board (Coder-Decoder) die Videobilder nach dem CCITT-H.261-Algorithmus.

Die Karte soll Videokonferenzen in Echtzeit realisieren, indem Ton- und Bilddaten in Paketen über die Leitung geschickt werden.

Fachleute erheben bezüglich des Anspruchs von ISO, die Codec-Karte entspräche internationalen Standards, allerdings Einsprüche: Obwohl das Codec-Board die CCITT-Norm erfülle, handele es sich um eine ISO-spezifische Lösung, die mit anderen H.261-basierten Systemen nicht zusammenarbeite. IOS-President Phil Taylor versprach denn auch, diesen proprietären Mangel in Zukunft auszumerzen.

Die IBM-Demonstration in Wiesbaden offenbarte allerdings, daß die Videokonferenz-Technologie noch Schwächen besitzt: So übermittelte das benutzte Ultimedia-System die Tondaten zwar synchron, die extremen Mengen an Videodaten verarbeiteten die IBM-PCs jedoch nicht in Echtzeit, was eine verzögerte und ruckhafte Bildführung zur Folge hat.

Ähnliche Unzulänglichkeiten scheint es momentan auch noch bei den nicht PC-basierten Picture-Tel-Lösungen der ebenfalls aus Peabody, Massachusetts, stammenden Picture Tel Corp. zu geben.

Die Presse registrierte anläßlich einer Demonstration ein Zeitverhalten der Bewegtbilder, das nicht als echtzeitgemäß bezeichnet werden konnte.

Bei der IOS bestreitet übrigens niemand, daß die Wiedergabequalität vor allem der Videodaten zum Schwachpunkt werden kann. Sei die Netztopologie durch den allgemeinen Datenverkehr sowieso schon belastet, müsse der Videokonferenz-Teilnehmer mit Leistungseinbußen rechnen. IOS-Ingenieur Dave Coates konzediert, in "gewissen Umgebungen" könne VS1000 Probleme haben. Doch auch er führt diese in erster Linie auf Überlastungen des Netzes zurück, das durch das IOS-Konferenzsystem zusätzlich mit einem 350-Kbit/s-Datenstrom belastet wird.

Betts vertrat die Meinung, daß zu den Entwicklern von Picture Tel, deren Konferenzsysteme am Markt schon Eingang gefunden haben, eigentlich keine Konkurrenzsituation bestünde. Picture Tel engagiere sich auf einem ganz anderen Markt als IOS. Dies zeige sich auch daran, daß sein Unternehmen bei der Entwicklung vor allem Wert darauf gelegt habe, daß VS1000 im Gegensatz zu Picture Tel auf installierten Netzwerken lauffähig sei.

Auf einer im Oktober 1992 in San Jose abgehaltenen Messe, auf der VS1000 erstmals präsentiert wurde, hat "Picture Tel uns sogar Kunden auf den Stand geschickt", kommentierte Betts, "weil sie selbst keine auf PCs basierende Videokonferenz-Lösung anbieten konnten."

Zudem sei das VS1000-System sehr preisgünstig: Inklusive aller benötigten Komponenten koste es 15 000 Dollar. Man bemühe sich intensiv darum, Vertriebskanäle in Europa und Deutschland zu öffnen.