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07.08.1992 - 

Erste Medienanalytiker beenden Schulung

Viel Eigeninitiative und gute Vorbildung erleichtern Jobsuche

MÜNCHEN (hk) - Seit Herbst 1991 führt das Computer Data Institut (CDI) in München einen Kurs zum Medienanalytiker durch. Die Redaktion erhielt dazu einen kritischen Artikel, den wir auf dieser Seite dazugestellt haben. Gleichzeitig sprach die CW mit Beteiligten über die Ausbildung und die Berufsaussichten in einem Markt, der von Beobachtern als zukunftsträchtig eingeschätzt wird.

Nachdem die CeBIT im Frühjahr Multimedia zum Thema Nummer eins auserkoren hatte und nachdem ein paar Wochen danach eine Messe extra zu diesem Thema in München stattfand, ziehen nun auch die Schulungsinstitute mit Ausbildungsprogrammen nach.

Daß in dieser ersten Phase, in der ein neues Berufsbild entsteht, Kritik an den Ausbildungsplänen nicht ausbleibt, hält CDI-Qualitätssicherer Peter Littig für einen normalen Vorgang. Er meint aber, daß jeder Teilnehmer von den Schulungsberatern des Instituts auf die Problematik dieses neues Berufsbildes, das noch im Entstehen ist, hingewiesen wurde. "Im übrigen haben wir auf die Kritik der Teilnehmer reagiert und ersucht, ihren Wünschen entgegenzukommen", so Littig weiter.

Werner Brendli vom Arbeitsamt München mochte am Konzept dieser Fortbildungsmaßnahme festhalten, die die Teilnehmer befähigt, auf dem weiten Feld der Dokumentation tätig zu sein. Nach dem Besuch dieses einjährigen Kurses soll der zukünftige Medienanalytiker nach Littigs Auffassung etwa in der Lage sein, sowohl eine Werbebroschüre als auch ein Multimedia-Produkt für die Marketing-Abteilung zu produzieren. Hier sieht Littig am ehesten Einsatzmöglichkeiten für seine Absolventen.

Das Praxis-Know-How holten sich die Kursteilnehmer aus zwei achtwöchigen Übungen mit Fallstudien. Im ersten Teil lernten die Schüler, wie schriftliche Unterlagen zu gestalten sind. Angela Fingler zum Beispiel hat ein Kinderbuch von der Konzeption bis zum kompletten Layout erstellt. Im zweiten Projekt, das kurz vor der Fertigstellung steht, produzieren die Schüler ein Multimedia-Produkt. Der angehende Medienanalytiker Clemens Matejka erzählt, daß es vor allem im ersten Teil Diskussionen über den CAD-Kurs gab, den die meisten Studenten für überflüssig hielten und der dann auch gestrichen wurde. Da die Teilnehmer mit unterschiedlichen Voraussetzungen an den Start gingen und die Gruppe sehr inomogen war, hätte es am Anfang einige Sonderwünsche gegeben, meint Littig.

Auch mit der Qualität der Schulungsunterlagen war Malejka nicht immer zufrieden. Littig rechtfertigt dies damit, daß man für den ersten Kurs noch nicht durchgehend eigene Unterlagen produzieren konnte, daß es aber im nächsten Lehrgang sicherlich nur CDI-eigens Material geben wird.

Die Dozenten waren bereit, sich kritisch mit den Teilnehmern auseinanderzusetzen, so Frau Fingler, schränkt aber ein, daß bei einigen Lehrern die didaktischen Fähigkeiten zu wünschen übrig ließen. Littig erinnert daran, daß in der Erwachsenenbildung die Fachqualifikation und der Praxisbezug des Dozenten eine wichtigere Rolle spielen als Didaktik. Letzteres werde durch Weiterbildung nachgeholt. Die Teilnehmer können ihre Unzufriedenheit anhand einer Lehrerbeurteilung signalisieren.

Littig legt in diesem Zusammenhang auf folgende Bemerkung Wert: "Selbst gute Lehrer erhalten bei CDI keine Fernreisen als Geschenk, wie es gerüchteweise immer heißt." 1988 hätte die letzte Reise stattgefunden, und damals ging es an den Gardasee.

Über die Berufsaussichten zerbrechen sich Fingler und Matejka noch nicht den Kopf. Matejka will im Anschluß an seine Ausbildung noch ein Praktikum absolvieren, um seine Bewerbungschancen zu erhöhen. Aufgrund einiger konkreter Stellen anzeigen ist Frau Fingler ebenso zuversichtlich, den Sprung ins Berufsleben zu schaffen.

Wolfgang Franz, Geschäftsführer eines kleinen Münchner Multimedia-Unternehmens, beurteilt die Berufschancen positiv. Er verlangt vom Medienanalytiker jedoch viel Eigeninitiative, da dieser Beruf noch nicht etabliert sei: "Introvertierte sollen es lieber sein lassen." Wenn Emil Rudolf Benz, Chef eines Schweizer Medienunternehmens, Mitarbeiter sucht, berücksichtigt er stark deren Vorbildung. Das heißt, Benz sucht sich entweder einen pädagogisch oder grafisch-künstlerisch ausgebildeten Bewerber aus. Er glaubt, daß die Medienanalytiker im Augenblick in der Werbe und Marketing-Abteilung eines großen Unternehmens eher unterkommen als in seiner Branche, die er als sehr klein einschätzt.