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16.10.1981 - 

Funkausstellung Berlin:

Viel Lärm um die Unterhaltungselektronik

BERLIN - Leuchtende Bildschirme und chromblitzende Stereo-Anlagen, dröhnende Hifi-Boxen und piepsende Elektronik - neu waren die optischen und akustischen Eindrücke gewiß nicht, die die Internationale Funkausstellung Æ81 in Berlin bot. Auch heuer versuchten die Hersteller wieder, Geräte anzubieten, die Bilder und Töne liver als live wiedergeben. Mikrocomputer und -prozessoren, die längst einen großen Teil der Mechanik in den Geräten abgelöst haben, konnten dem menschlichen Auge und Ohr jedoch kaum zusätzliche Reize vermitteln. Neben vielen sinnlosen technischen Überentwicklungen gab es allerdings auch Interessantes zu sehen.

"Bigfon" heißt die Technik, mit der die Bundespost "das System der Telekommunikation revolutionieren" will. Diese geheimnisvolle Bezeichnung steht als Kürzel für "Breitbandiges Integriertes Glasfaser-Fernmeldeortsnetz". Der Clou dabei sind die lichtleitenden Glasfasern, auf denen künftig Nachrichten übertragen werden sollen.

Als Lichtleitfaser wird dabei eine Gradientenfaser verwendet, die aus einem Glaskern, umgeben von einer Glasschicht, besteht. Insgesamt ist diese Faser kaum dicker als ein menschliches Haar, ihre technischen Eigenschaften jedoch scheinen phänomenal. "Die zur Zeit vorstellbare Grenze der Übertragungskapazität heutiger Glasfasern", so wird bei der Post geschwärmt, "liegt in der Größenordnung von einer Million Gesprächen gleichzeitig.

"Bigofon" soll die gegenwärtigen Fernmeldenetze zunächst ergänzen und schließlich völlig ablösen. Denn die kleine Faser kann bedeutend mehr als die herkömmlichen Kupferkabel. Sie überträgt mühelos gemeinsam und gleichzeitig alle bisherigen und neuen Kommunikationsdienste wie Telefon, Telex, Telefax, Datex, Bildschirmtext, Fernsehen, Hörfunk - und Fernsehtelefon.

Hören und sehen beim Telefonieren

Denn die Post hatte einen weiteren Gag zu bieten: hören und sehen beim Telefonieren. Und gesehen wird auf dem Bildschirm des normalen Fernsehgerätes im Wohnzimmer. Neben dem Telefon fehlt dann nur noch eine TV-Kamera, die am Fernsehempfänger installiert wird. Schließlich will auch der Teilnehmer am anderen Ende der Leitung seinen Gesprächspartner sehen. "Der Phantasie", so Gescheidles Marketing-Strategen, "sind keine Grenzen gesetzt."

Grenzen tun sich da eher in der Realität auf. Auch im Bonner Ministerium sind sich die Fachleute noch nicht einig darüber, welche Bedeutung der Bundesbürger dem neuen Postangebot beimißt. Denn auch die Ergebnisse der Bildschirmtext-Feldversuche haben nicht gerade auf brennendes Interesse der Verbraucher schließen lassen. Deshalb soll auch "Bigfon" 1982/83 zunächst in Berlin, Hamburg, München, Düsseldorf, Stuttgart, Hannover und Nürnberg erprobt werden. Geplant sind jeweils 30 bis 50 Glasfaser-Teilnehmeranschlüsse.

Mut beweisen dagegen Philips und Sony mit der Vorstellung ihrer Gemeinschaftsproduktion, der Laser-Schallplatte. Bei diesem neuen Wiedergabeverfahren läuft nicht mehr ein Diamant durch die Rillen der Platte, sondern digital gespeicherte Töne werden durch einen Laserstrahl abgetastet. Die Vorteile des neuen Verfahrens liegen auf der Hand: Durch das berührungsfreie Abspielen bleibt die Platte völlig verschleißfrei. Auf der anderen Seite paßt sie nicht auf einen herkömmlichen Plattenspieler. Mit der Vorstellung der neuen Wiedergabetechnik war damit automatisch die Aufforderung an den Verbraucher verbunden, seine bisherige Plattensammlung samt Abspielgerät in die Mülltone zu werfen.

Technische und optische Spielereien

Auf demselben Prinzip wie die Laserschallplatte beruht die "LaserVision"-Platte von Philips. Von den technischen Wiederabemöglichkeiten her ist sie der Video-Kassette wohl überlegen. Allerdings kann sie nur über ein eigenes - und teures - Abspielgerät zum Einsatz gebracht werden. Vor allem aber läßt sie sich im Gegensatz zur Video-Kassette nicht mit eigenen Aufnahmen bespielen.

Die Zukunft wird zeigen, ob der Verbraucher bereit ist, für diesen zusätzlichen Luxus rund 3000 Mark plus Kosten für die Platten auszugeben.

Auch für des Bundesbürgers liebstes Kind hatte die Funkausstellung viel an technischen und optischen Spielereien zu bieten.

"Die Branche der Unterhaltungselektronik säße sicherlich in der Klemme, würde ihren Entwicklungsingenieuren nichts Neues mehr einfallen." Dieser simplen Erkenntnis folgend servierte National Panasonic in Hamburg, deutsche Tocher der japanischen Firma Matsushita Electric, den "Hifi-im-Auto"-Freaks einen ganz besonderen Leckerbissen: eine Super-Stereo-Ausrüstung, die mit ihrer maximalen Ausgangsleistung von ohrenbetäubenden 120 Watt durchaus auch in einem mittelgroßen Tanzsaal für Stimmung sorgen könnte.

Mit dem Autoradio herkömmlicher Art, das irgendwo in der Nähe des Aschenbechers installiert ist, hat dieses Monstrum freilich so gut wie nichts mehr gemein. 71 Zentimeter lang und 23 Zentimeter breit, paßt es in kein Armaturenbrett und in keine Mittelkonsole. So blieb denn auch den Panasonic-Profis nichts anderes übrig, als ihr neues Paradepferd dort angebringen, wo in jedem Auto immer noch genügend ungenützte Fläche zur Verfügung steht - am Innendach hinter der Windschutzscheibe. Die flache Konsole wirkt in ihrem Styling und der Vielzahl von Tippasten, Leutdioden und Digitalanzeigen eher wie der Bordrechner der Columbia Space Shuttle oder das Cockpit eines Flugzeugs. Und "Cockpit System RM 710" heißt er auch, der, wie seine Hersteller stolz behaupten, "Rolls-Royce unter den Autoradios". Sein Preis sprengt freilich ähnlich wie die britische Nobelkarosse alle Relationen: rund 3000 Mark - ohne Lautsprecher.

Doch auch andere Hersteller ließen in Berlin nichts unversucht, den Autofahrer davon zu überzeugen, daß sein Null-acht-fuffzehn-Radio mit zwei Knöpfen und nur einem Lautsprecher mittlerweile eigentlich schon eine Schande ist. Ohne Mikrocomputer- und -prozessor im Autoradio geht ihrer Meinung nach in Zukunft nichts mehr.

So stellten die Hildesheimer Blaupunkt-Werke GmbH ihr Spitzenmodell "Berlin SQR 82" mit "PCI-System" (Programme Comparison and Identification) vor. Das Gerät identifiziert den (vom automatischen Suchlauf) eingestellten Sender. Auf einem Anzeigenfenster und vielen Knöpfen versehenen Kästchen - das Bedienteil, das vom eigentlichen Radio getrennt auf einem biegsamen "Schwanenhals" sitzt - erscheint das jeweils eingeschaltete Programm (siehe Bild). Hinschauen ist jedoch überflüssig, denn der Gag der Hildesheimer kommt erst noch: Mit quälender Computer-Stimme ertönt dann beispielsweise ein "Enn-De-Err-Zwei" aus dem Lautsprecher.

Blecherner Bauchredner

Damit sind die dienstbaren Mikro-Geister allerdings noch nicht am Ende mit ihrem Latein. Eine "AVC"-Vorrichtung (Automatic Volume Control) regelt die Lautstärke automatisch so, daß auch bei unterschiedlichen Fahrgeschwindigkeiten und Störgeräuschen Sprache oder Musik immer gleichmäßig gut zu hören sind. Vor Mitte nächsten Jahres ist der "Berlin" zwar nicht lieferbar, doch dadurch bleibt dem Technik-Enthusiasten wenigstens Zeit, die zum Ankauf nötigen 2500 Mark auf die Seite zu schaffen. Allein steht Blaupunkt mit seinemblechernen Bauchredner allerding nicht. Auch die Gelhard GmbH & Co. KG in Dortmund präsentierte eine Stereo-Kombination, die nicht nur über den gerade eingestellten Sender "mit sich reden läßt" (Werbespruch). Dem Autofahrer, der sich - aus welchen Gründen auch immer - den kurzen Blick auf die Uhr am Arm oder am Armaturenbrett sparen will, gibt sie auf Knopfdruck akustisch die Zeit bekannt. Der eingebaute Mikroprozessor soll nach Angaben der Firma sogar noch zu weiteren Kunststückchen ausbaufähig sein. Richtig programmiert startet er auf die Stimme des Fahrers hin den Motor oder gibt - je nachdem wo er angeschlossen wird - Auskunft über Tankinhalt, Zustand der Bremsbeläge oder der Zündkerzen. Preis: rund 400 Mark.

Den Technischen Überwachungsvereinen sind derlei Spielereien jedoch ein Dorn im Auge. Nach bestehenden Vorschriften dürfen die Innenteile eines Autos die Insassen nicht gefährden die Aufmerksamkeit des Fahrers nicht beeinflussen und Sicht und Gehör nicht schmälern. Wann das der Fall ist, läßt sich freilich schwer nachweisen. "Rechtlich", so meint ein TÜV-Sprecher zähneknirschend, "können wir gegen das, was in Berlin gezeigt worden ist, nicht einschreiten." Tip: Wer dereinst auf das Wohlwollen eines TÜV-Prüfers angewiesen ist, sollte ihn nicht gleich vornherein durch zu viel technisches Brimborium im Auto auf die Palme bringen. Vorher ausbauen!