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15.07.2009

Viel Rauch um Chrome OS

Googles Ankündigung eines eigenen Betriebssystems sorgt für heftige Diskussionen. Nur der vermeintlich Leidtragende Microsoft gibt sich gelassen.

Mit vollmundigen Versprechen hatte Google seine Pläne zu Chrome OS garniert: "Geschwindigkeit, Einfachheit und Sicherheit" charakterisierten das noch in der Entwicklung befindliche Betriebssystem, hieß es bei der Ankündigung im offiziellen Google-Blog. Der Nutzer solle wenige Sekunden nach Einschalten des Computers bereits im Internet surfen können. Google Chrome OS werde komplett neu entwickelt, damit "die Nutzer sich nicht um Viren, Schadsoftware und Sicherheits-Updates" kümmern müssen. "Es soll einfach laufen", gab Google als Devise aus. Das System richte sich an Menschen, die ihre meiste Zeit im Internet verbringen.

Gegen Microsofts Kerngeschäft?

Obwohl es bisher nur wenige Details zu Chrome OS gibt (siehe Kasten), sorgt allein die Ankündigung für Aufregung im Web. Sie sei eine klare Kampfansage an den Desktop-Monopolisten Microsoft, so der Tenor unter den Marktbeobachtern. Nach den Büroanwendungen "Google Apps", die sich gegen "Microsoft Office" richten, und dem Browser "Chrome" gehe der Suchmaschinenprimus nun frontal auf das Kerngeschäft des Rivalen los. Dieser erwirtschaftete mit Windows im vergangenen dritten Geschäftsquartal ein Viertel seines Umsatzes und mehr als die Hälfte des Profits. Zugleich steht Microsoft nach den enttäuschenden Verkäufen von "Windows Vista" unter Erfolgszwang und hofft auf gute Umsätze mit dem Nachfolger "Windows 7". Google Chrome OS könnte diese Pläne stören und Linux zu einer größeren Verbreitung auf dem Desktop verhelfen.

Allerdings muss Google erst beweisen, dass es nicht nur die billigeren, sondern auch die besseren Produkte hat und die großen Datenschutzbedenken gegenüber seinen Web-Diensten und -Anwendungen ausräumen kann. Zumindest mit den Google Apps konnte das erfolgsverwöhnte Unternehmen bei Geschäftskunden bislang kaum punkten. Gleiches könnte geschehen, wenn sich die großen Versprechungen bezüglich der Leistung und vor allem der Sicherheit von Chrome OS nicht erfüllen. Sicherheitsexperten wie Bruce Schneier, Chief Security Technology Officer bei BT, sind skeptisch: "Das Versprechen, dass mit Chrome OS Viren, Malware und Security-Updates kein Thema mehr seien, ist einfach idiotisch", urteilt der Experte. Schon vor Jahrzehnten sei mathematisch bewiesen worden, dass es schlicht unmöglich sei, ein gegen Viren immunes Betriebssystem zu kreieren. Wer ein OS von Grund auf neu entwickle und dabei durchgängig auf Sicherheit achte, könne natürlich ein im Vergleich zu bisherigen Produkten sichereres Betriebssystem schaffen, räumt Schneier ein. Das sei jedoch etwas ganz anderes als Googles Versprechen, Chrome-OS-Anwender hätten mit Malware nichts mehr zu tun.

Derweil geben sich Microsoft-Manager gelassen. "Wir brauchen keine zwei Betriebssysteme, sondern mehr gute Anwendungen", sagte CEO Steve Ballmer vor rund 9000 Softwarepartnern auf einer Microsoft-Konferenz in New Orleans. Bis zum angekündigten Marktstart von Google Chrome OS Ende 2010 sei es ohnehin noch lange hin, ergänzte Windows-Manager Bill Veghte. Bislang existierten wahrscheinlich nicht viel mehr als ein paar Programmzeilen, über die man schwerlich spekulieren könne. "Eine Plattform wie ein Betriebssystem wird nicht an einem Tag gemacht."

Fragen zu Google Chrome OS

Was ist Google Chrome OS?

Es ist ein in der Entwicklung befindliches, auf einem Linux-Kernel basierendes Betriebssystem, das für den Betrieb von Internet-Anwendungen entworfen wurde. Als Benutzeroberfläche dient Googles "Chrome"-Browser, der mit einer neuen Fensterverwaltung aufwartet.

Wer soll Google Chrome OS einsetzen?

Chrome OS wird sowohl x86- als auch ARM-Prozessoren unterstützen und ist zunächst für Netbooks gedacht, soll aber später auch auf anderen Rechnern laufen.

Wie sicher ist Google Chrome OS?

Laut Google brauchen sich Anwender im laufenden Betrieb nicht um Viren, Malware und Sicherheits-Updates zu kümmern. Es ist daher anzunehmen, dass Google die Sicherheitsmechanismen direkt in das Betriebssystem einbettet. Welche dies sind, ist nicht bekannt.

Wie steht es um den Datenschutz?

Google hat bislang nicht offengelegt, ob und wie sich mit Chrome OS Anwenderdaten sammeln lassen.

Wird es spezielle Anwendungen für Chrome OS geben?

Das gilt als unwahrscheinlich, da das Betriebssystem vorrangig gängige, auf Standards basierende Web-Anwendungen unterstützen soll.

Wann kommt Chrome OS?

Das System soll im Lauf des Jahres zunächst für Entwickler erhältlich sein. Erste vorkonfigurierte Netbooks sind für die zweite Jahreshälfte 2010 geplant.