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Informatiker im öffentlichen Dienst


02.03.2001 - 

Viel Zeit - wenig Geld

Bei der IT-Bewerbersuche sind Bund, Länder und Gemeinden der zahlungskräftigen Konkurrenz aus der Privatwirtschaft nicht gewachsen. Nun lautet die Devise: Auf die eigenen Kräfte vertrauen und die benötigten IT-Spezialisten selbst qualifizieren. Von Helga Ballauf*

"Wir suchen: (...) Bundesanstalt für Arbeit". Anzeigen der Bundesanstalt (BA) im Stellenmarkt großer Zeitungen sind nichts Ungewöhnliches. Üblicherweise sucht die BA Arbeitgeber für arbeitslos gemeldete Fachkräfte. Mitte Januar dagegen platzierte sie Annoncen in eigener Sache: Die Arbeitsverwaltung braucht dringend Informatiker. Der hauseigene Fachvermittlungsdienst konnte nicht mehr weiterhelfen. Der Schritt an die Öffentlichkeit wurde nötig.

Einsteiger verdienen 60000 MarkDie Anzeige der BA ist ein Beispiel für die Personalnot des öffentlichen Dienstes im Bereich Datenverarbeitung. Einerseits wachsen die IT-gestützten Aufgabenfelder für Kommunen, Länder und den Bund und damit der einschlägige Fachkräftebedarf. Andererseits fehlt den öffentlichen Arbeitgebern der finanzielle Spielraum, um den Informatikern Gehälter zu zahlen, wie sie in der Wirtschaft üblich sind.

So sucht beispielsweise die Bundesanstalt für Arbeit als Arbeitgeber Informatiker, weil sie das Internet-Service-Angebot für Jobsuchende und Unternehmen ausbauen will und die rund 200 anstaltseigenen Rechenzentren mit 83000 vernetzten PC-Arbeitsplätzen pflegen muss. Die BA bezahlt in Anlehnung an den Bundesangestellentarif (BAT): Für einen 25-jährigen Berufseinsteiger ergibt das ein Bruttojahresgehalt von etwa 60000 Mark. Sehr viel mehr als 84000 Mark pro Jahr sind auch für erfahrene Informatiker nicht drin.

Städte und Gemeinden sind vom IT-Fachkräftemangel besonders betroffen. Die Unternehmensberatung Mummert + Partner sieht bereits die "Kommunen vor dem DV-Infarkt". Einer Umfrage der Firma zufolge wollen 91 Prozent aller Gemeinden einen elektronischen Bürgerservice einführen - vom aktuellen Mietspiegel im Netz bis zur Möglichkeit, das Auto per Mausklick anzumelden.

Reform läßt auf sich wartenFast ebenso viele Gemeinden sind dabei, Teilbereiche der Verwaltung zu privatisieren mit der Folge, dass intern und extern erbrachte Leistungen und Aufgaben auf IT-Basis vernetzt werden müssen. Ohne zusätzliche Computerexperten geht das nicht. Mummert-Vorstand Uwe Tepp warnt: "Die Gemeinden zahlen zu wenig und verlieren den Wettbewerb mit der freien Wirtschaft um IT-Fachleute." Während Informatiker dort pro Jahr zwischen 70000 und 90000 Mark Einstiegsgehalt einstreichen können, liegt der Unternehmensberatung zufolge das vergleichbare Salär im öffentlichen Dienst lediglich zwischen 50000 und 70000 Mark. In den USA hat die Politik bereits reagiert und das Gehalt der DV-Spezialisten in der Regierungsverwaltung um ein Drittel erhöht.

So einfach geht das in der Bundesrepublik nicht. "Eine rasche Lösung des Problems ist nicht abzusehen", bedauert Helmut Fogt, Personaldezernent beim Deutschen Städtetag. Die Bezahlung von IT-Angestellten im öffentlichen Dienst ist im Bundesangestelltentarif (BAT), Anlage 1 A, geregelt. Sie stammt aus dem Jahr 1993, orientiert sich an Großrechnerstrukturen und gibt längst überholte Eingruppierungsmerkmale vor. Arbeitgebern und Gewerkschaften ist klar, dass neu verhandelt werden muss. Doch das kann dauern, zum einen, weil die Anlage 1 A nicht nur DV-Belange betrifft, also eine Paketlösung nötig ist. Außerdem weiß noch niemand so recht, wie die Reform aussehen soll, ohne die Tariflogik des BAT mit den Faktoren Lebens- und Dienstalter, Familienstand und Kinder zu sprengen.

Die Kommunen helfen sich damit, "den Tarifvertrag kreativ auszulegen", wie Helmut Fogt vom Deutschen Städtetag sagt. In München etwa können Informatiker bei der Anstellung vier BAT-Altersstufen überspringen. Arbeitsplatzbeschreibungen erlauben eine günstigere Einstufung der Systemverwalter und Projektleiter. Außerdem bekommen DV-Spezialisten intern gehaltene Schulungen extra bezahlt.

Tarifvertrag "kreativ" auslegenFür manche IT-Fachkräfte lohnt sich die Übernahme ins Beamtenverhältnis, weil die Sozialabgaben sinken und andererseits Leistungszulagen und Prämien winken. "Das sind leider alles nur Krücken", bedauert Städtetag-Experte Fogt. Selbst qualifizieren ist deshalb angesagt: Kommunale Verwaltungen erhöhen ihr Ausbildungsplatzangebot in den IT-Berufen und für Bewerber des gehobenen Dienstes. Und sie schulen interessierte Verwaltungsangestellte betriebsintern um. Am besten fahren die Referate und Ämter, die parallel zum schrittweisen Ausbau der Computer- und Netzwerktechnik eigene Systemverwalter qualifizieren und zusätzlich es schaffen, extern ausgebildete Informatiker einzustellen, um sich so das neueste IT-Know-how zu sichern.

Überbrückt wird der Mangel an IT-Fachkräften durch die Auftragsvergabe nach außen. Eine teure Angelegenheit für die Stadtkämmerer und ein Kompetenzverlust für die Verwaltung, der sich gerade bei der Entwicklung des E-Government häufig rächt. Auch in den Ländern und beim Bund ist der Trend zu Online-Auftritten und zur effizienten Zusammenarbeit der Behörden via Intranet nicht aufzuhalten. Doch die Entwicklung schreitet gemächlicher voran als bei den Kommunen. Der Druck bei der Suche nach IT-Fachkräften ist weniger stark. Bundes- und Landesregierungen bevorzugen beamtenrechtliche Lösungen.

So hat etwa die bayerische Staatsregierung Ende Januar dieses Jahres beschlossen, einen eigenen Studiengang "Verwaltungsinformatik" an einer der Beamtenhochschulen zu etablieren. Schon im kommenden Herbst soll der erste Jahrgang starten. (Fach)abiturienten bereiten sich dann in einer dreijährigen bezahlten Ausbildung auf die Laufbahn als Verwaltungs- und IT-Spezialisten vor.

Ähnliche Überlegungen hat die Bundesregierung angestellt. Die Fachhochschule des Bundes in Brühl am Rhein entwickelt derzeit ein Konzept dafür, was künftige Verwaltungsinformatiker an IT-Know-how und speziellem Wissen über juristische Verfahren und verwaltungsinterne Abläufe benötigen. Offen ist noch, ob die Qualifizierung als Studium oder Weiterbildung organisiert wird.

Für das Berufsbild Verwaltungsinformatiker müssen die Planer in München und Brühl das Rad nicht neu erfinden. Einige Beamtenfachhochschulen veranstalten bereits Spezialkurse dazu, wie der Behördenweg automatisiert und die Amtsstuben vernetzt werden können (einen bundesweiten Überblick bietet die Homepage www.vfh-hessen.de).

Die meisten Verwaltungsinformatiker schätzen übrigens nach der bezahlten dreijährigen Ausbildung die Vorteile des öffentlichen Dienstes so hoch ein, dass sie nicht gleich beim ersten Abwerbeversuch der Privatwirtschaft kündigen - sofern die Aufgabe interessant und das Klima im Amt kollegial ist. Bei einer Gesprächsrunde der CW mit Absolventen der Verwaltungsfachhochschule in Hof lobten die jungen Beamten, die nun bei kommunalen und Landesämtern arbeiten, die geregelte Arbeitzeit, den planbaren Überstundenabbau, die Weiterbildung im Dienst, die soziale Absicherung und die unkündbare, von Börsenschwankungen unabhängige Stelle. "Besser für Gesundheit, Familie und Freunde", so fasst es ein Verwaltungsinformatiker zusammen.

*Helga Ballauf ist freie Journallistin in München