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08.08.1997 - 

Telekom profitiert von ihrem Kupfernetz

Viele ADSL-Interessenten gehören zum Mittelstand

ADSL ist ein Übertragungsverfahren für bandbreitenhungrige Anwendungen, das die vorhandene Infrastruktur des Telefonnetzes auf Basis von Kupferkabeln nutzt. Dieses Kriterium schränkt den Kreis der Provider bereits deutlich ein. "In Deutschland kann nur die Telekom diese Technologie vorantreiben", bewertet Nadine Berezak-Lazarus, Senior Consultant bei der Eutelis Con- sult GmbH, Ratingen, die Situa- tion hierzulande. Der Grund dafür: Die Konkurrenten der Telekom verfügen weitgehend über keine Kupferkabel-Infrastruktur.

Das ist das K.o.-Kriterium für Viag und Otelo: Trotz der bevorstehenden Liberalisierung des Marktes planen diese alternativen Carrier kein Engagement in puncto ADSL. Eine Ausnahme bildet die Mannesmann Arcor AG. Dort denkt man vor allem deshalb über DSL (es gibt verschiedene Varianten - siehe Kasten "Was ist ADSL?") als Netzzugangsverfahren nach, weil ein Teil des Deutsche-Bahn-Netzes, das zu Arcor gehört, Kupferstrecken aufweist.

Technisch stellt ADSL für die Anwendung kein Problem mehr dar. Das zeigt beispielsweise das Pilotprojekt "Interaktive Videodienste", das die Telekom gegenwärtig in Nürnberg betreibt. Dort werden Bewegtbilder über die übliche Telefonleitung gespielt.

Offiziell hält sich der Carrier bezüglich seiner ADSL-Pläne jedoch bedeckt. "Die endgültige Entscheidung steht noch aus", äußerte ein Sprecher der Telekom. Hinter den Kulissen verdichten sich allerdings die Anzeichen für ein entsprechendes Engagement. "Ich weiß, daß sich die Telekom für ADSL aussprechen wird", meinte Heike Bayerl, Projektleiterin im Vertrieb von Siemens in München. Anläßlich der "Internet World" in Berlin im Mai hatte bereits der Telekom-Mitarbeiter Hans Hermann Temme, Fachgruppenleiter Internet-Service-Provider, ähnliches verlauten lassen. Als Einführungszeit nannte er 1998.

Zum Stolperstein könnten sich allerdings noch Detailfragen bezüglich Tarifierung und offerierten Geschwindigkeiten entwickeln. Das größte potentielle Hindernis für einen schnellen Erfolg von DSL-Technologien in Deutschland sei ein zu hoher Preis, sagte Nigel Deighton, Analyst bei der Gartner Group. "Wenn ADSL zwar teurer wäre als ISDN, aber billiger als eine 2-Mbit/s-Festverbindung, würden viele umsteigen", konkretisiert Siemens-Mitarbeiterin Bayerl einen möglichen Tarifrahmen.

Das Marktpotential für ADSL in Deutschland beurteilen Experten positiv. Hans-Erhard Reiter, President des ADSL-Forums, bescheinigt dem Kupfernetz hierzulande eine sehr gute Qualität und hält daher eine Marktdurchdringung von zehn Prozent in den nächsten fünf bis zehn Jahren für möglich. Da es schätzungsweise 37 Millionen Telefonanschlüsse in Deutschland gibt, würde dies drei bis vier Millionen ADSL-Kunden bedeuten.

Großes Interesse verspricht auch eine Markterhebung von Siemens, einem Hersteller von ADSL-Equipment. Derzufolge sind mehr als die Hälfte der Unternehmen an einer ADSL-Lösung interessiert und würden diese innerhalb der nächsten zwei Jahre einsetzen. Als Kunden für ADSL kommen hauptsächlich der Mittelstand sowie Unternehmen mit sehr vielen Filialen in Frage. Großunternehmen verfügen oft schon über Glasfaser und haben daher weniger Interesse an DSL-Technologien.

Was ist ADSL?

Der Sammelbegriff xDSL steht für verschiedene (=x) "Digital-Subscriber-Line"-(DSL-)Systeme. Bei diesem Verfahren wird sowohl der Datenkanal zum Konsumenten als auch der bidirektionale Steuerkanal über die Telefonleitung geführt. Da die übertragbare Bitrate von der zu überbrückenden Leitungslänge abhängt, wurden für verschiedene Szenarien unterschiedliche DSL-Systeme entwickelt.

Die Variante Asymmetrical Digital Subscriber Line (ADSL) profitiert davon, daß die Multimedia-Kommunikation häufig überwiegend in nur einer Richtung verläuft. Dementsprechend werden bei ADSL große Datenmengen mit 1,5 bis 9 Mbit/s zum Benutzer transportiert, während Rückmeldungen mit niedrigerer Datenrate (16 bis 640 Kbit/s) erfolgen. Durch die Beschränkung der Datenrate im Rückkanal gewinnt man eine höhere Übertragungsreichweite. Für 2-Mbit/s-Systeme beträgt sie zum Beispiel derzeit rund drei Kilometer, während mit 6 Mbit/s nur etwa zwei Kilometer überbrückt werden können.

Verwandte Verfahren sind beispielsweise High Data Rate Digital Subscriber Line (HDSL) und Very High Data Rate Digital Subscriber Line (VDSL). HDSL erlaubt die Übertragung von 1,5 bis 2 Mbit/s über rund drei Kilometer. Dabei wird in beiden Richtungen mit der gleichen Bitrate gearbeitet. VDSL überbrückt nur noch die Strecke zwischen Kabelverzweiger und Kunde. Deshalb ist für VDSL ein hybrides Netz nötig, in dem eine Glasfaser die Breitbanddaten von der Vermittlungsstelle bis zum Verzweiger transportiert. Weitere Informationen zu DSL-Technologien siehe CW Nr.8 vom 21.Februar 1997, Seite 9 und 43.