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23.10.1992 - 

Die Berührungsängste sind gewichen

Viele Anwender begreifen die DV-Auslagerung als eine Chance

Die Outsourcing-Diskussion hat eine neue Qualität erhalten. Diesen Eindruck hat Wilfried Heinrich* auf dem jüngsten Kongreß der Hamburger GMO GmbH gewonnen. War die Vergangenheit noch von Berührungsängsten und Orientierungslosigkeit seitens der Anwender geprägt, so ist jetzt die Skepsis gewichen. Konkrete Planungen sind an der Tagesordnung.

" Die Zeit der vorsichtigen Orientierung ist offenbar vorbei ", urteilt Erich Zimmermann, Vertriebschef der Orga GmbH, Karlsruhe. Er verweist auf ein knappes Dutzend "hochinteressanter" Informationsgespräche mit auslagerungsinteressierten Teilnehmern. "Es wurde kaum noch die Frage nach einem grundsätzlichen ja oder Nein diskutiert; das Augenmerk lag unmittelbar auf einer möglichen Projektierung. "

Während also die Akzeptanz des Outsourcing nun auch bei deutschen Anwendern steigt, scheinen parallel zu diesem Trend auch die Hersteller ihre bisherige Zurückhaltung aufgeben zu wollen. Auf diesen Sinneswandel deutet zumindest die Tatsache hin, daß sich auf der Konferenz Anbieter wie IBM oder die Software AG als Dienstleister präsentierten. Zwar konzentrierte sich IBM-Vertreter Karlheinz Winkelmann in seinem Referat nicht unerwartet auf die Darstellung der Risiken einer Auslagerung, doch er ließ keinen Zweifel daran, daß sich IBM auch um ein marktgerechtes Dienstleistungsangebot bemüht.

Ähnlich unklar präsentierte sich auch die Software AG, deren RZ-Leiter Peter Groß zwar die Kapazitäten des Darmstädter Rechenzentrums anbot, der aber keine strategische Positionierung dieser Dienstleistungen erkennen ließ. Für Veranstalter Wolf-Rüdiger Hansen, Berater bei der GMO, haben diese ersten Gehversuche im Servicemarkt jedoch Signalwirkung: "Wir werden hier von den etablierten Herstellern in nächster Zeit noch einiges hören." Die DV-Auslagerung ist ein Vorgang, der das Unternehmen an einer seiner empfindlichsten Stellen trifft. Deshalb, so referierte Elmar Reindl, Geschäftsführer der Kölner Infora GmbH, muß das Outsourcing auf jeden Fall in eine unternehmensweite Strategie eingebunden sein. Reindl erteilte allen Auslagerungsvorhaben eine deutliche Absage, die sich nicht aus einer klaren Unternehmensstrategie ableiten.

Genau hier habe aber noch eine Vielzahl von Unternehmen ihre Schwierigkeiten; die Defizite in diesem Bereich seien unübersehbar. Tatsächlich erhielten die ungelösten Probleme ein geradezu erdrückendes Volumen, der Kostendruck steige und die Tagesprobleme hätten absoluten Vorrang vor strategischen Ansätzen jeder Art. De facto bleiben laut Reindl also nur geringe Spielräume für innovative und zukunftsträchtige Lösungen.

Letztlich müsse sich aber die Informatik den Zielen der Unternehmensstrategie unterordnen. Dazu zählen nach Ansicht des Infora-Geschäftsführers schnellere und effizientere Prozesse durch eine Beschleunigung der Bearbeitungszeiten, Reduzierung des Bearbeitungsaufwandes, Erhöhung der Anzahl bearbeiteter Vorgänge und natürlich die Steigerung des Ergebnisses. IT-Konzepte wie Outsourcing und Downsizing stünden in Abhängigkeit zu diesen Projektionen und hätten nur operativen Charakter.

Über Chancen und Risiken einer Auslagerung sprach McKinsey-Berater Detlef Hoch. "Die operativen Nutzeneffekte einer Fremdvergabe", so der Consultant, können gegenüber den operativen Risiken überwiegen. "Zu den operativen Risiken zählt Hoch Know-how-Lücken, unzureichende Kompetenzen des Dienstleisters sowie Zusatzkosten für das Outsourcing-Management. Auch könnten sich Entscheidungswege verlängern und in Kommunikationsprozessen Friktionen entstehen.

Nutzeneffekte sieht der Berater dagegen in den Bereichen Qualität, Kosten und Zeit. Als qualitative Vorteile nennt er das Spezialwissen des Servicepartners, ergänzt durch entsprechende Leistungsgarantien, die bei einer Inhouse-Verarbeitung nicht bestünden. Zu den wirtschaftlichen Pluspunkten zählen vor allem die durch Größe und Modernität des Dienstleisters entstehenden Einsparungen und die Nutzung der besonderen Kompetenz und Produktivität des Anbieters.

Er könne Lösungen in der Regel schneller bereitstellen und biete eine flexible Leistungsregelung. Hoch kritisierte, daß "die Verbesserungspotentiale durch Outsourcing zumeist nur entlang der Kostendimension quantifiziert " wurden. Qualitative und zeitliche Effekte seien weitgehend unberücksichtigt geblieben.