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14.05.2004 - 

COMPUTERWOCHE-Studie über Gehälter im IT-Mittelstand

Viele bekommen nicht mehr als im Vorjahr

MÜNCHEN (hk) - Üppige Gehaltszuwächse gehören auch im Mittelstand der Vergangenheit an, Spezialisten müssen froh sein, wenn sie das Niveau des Vorjahres halten können. Mitarbeitern großer Firmen geht es auch nicht viel besser. Wer die Sieger und die Verlierer der diesjährigen Gehaltsrunden im Mittelstand sind, ermittelte Towers Perrin im Auftrag der COMPUTERWOCHE.

Zum zweiten Mal haben die Vergütungsexperten der weltweit tätigen Unternehmensberatung Towers Perrin die Einkommen der Mitarbeiter in mittelständischen Unternehmen untersucht, und zwar auch im Vergleich zu ihren Kollegen in großen Firmen.

So verdient ein Einsteiger im IT-Beratungsumfeld bei einem Unternehmen mit weniger als 300 Millionen Euro Umsatz ein Grundgehalt von 41 000 Euro. Sein Zielgehalt ist rund zehn Prozent höher und liegt bei 45000 Euro. Damit steht auch schon der erste Sieger der diesjährigen Gehaltsrunde fest. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies nämlich beim Grundgehalt ein Plus von über zehn Prozent. Das Zieleinkommen hat sich allerdings nicht verändert.

Informatiker entdecken Mittelstand

Das Grundgehalt umfasst alle Gehaltsbestandteile, die nicht durch die Leistung beeinflusst werden. Ein 13. oder 14. Monatsgehalt sowie Weihnachts- und Urlaubsgeld sind also eingeschlossen. Das Zielgehalt hingegen bildet die Summe aus dem Grundgehalt und variablen Bestandteilen wie Provisionen, Gewinnbeteiligungs-, Management- oder Leistungsboni.

Vergütungsexperte Dirk Ewert von Towers Perrin erklärt das so: In der Boomphase der IT vor wenigen Jahren stellten gerade mittelständische Unternehmen Quereinsteiger und junge Leute ohne Hochschulabschluss ein. Notgedrungen, weil sie sich die wenigen studierten Informatiker nicht leisten konnten und die jungen Experten ihrerseits oft wenig Interesse zeigten, bei einem kleinen Arbeitgeber einzusteigen. Schließlich wusten sie, dass in den Konzernen sehr gute Gehälter auf sie warteten. Nun aber können auch die Mittelständler angesichts der aktuellen Lage auf dem Arbeitsmarkt auf gut ausgebildete IT-Fachleute zugreifen, die sie nicht mehr allzu üppig honorieren müssen.

Außerdem haben die Gehälter sich angenähert. Zum Beispiel erreicht in einem großen Betrieb mit über 300 Millionen Euro Umsatz der IT-Junior ein ähnlich hohes Gehalt wie im Mittelstand, nämlich durchschnittlich 42 000 Euro Grund- und 45000 Euro Zielgehalt. So verdient ein junger Mitarbeiter in der Forschung und Entwicklung sowohl im Mittelstand als auch beim großen Betrieb 44000 Euro im Jahr und im Projekt-Management beträgt der Unterschied 1000 Euro (44000 Euro Mittelstand, 45000 Euro Konzern).

Großes Einkommensgefälle

Im Vertrieb kommen die Nachwuchskräfte in kleinen IT-Unternehmen sogar besser weg als in großen. Allerdings ist der Unterschied zwischen Grund- und Zielgehalt bei kleinen Unternehmen sehr groß mit über 50 Prozent. Das bedeutet, bei einem vergleichsweise mageren Basiseinkommen von 37000 Euro (im Konzern sind es 36 000 Euro) kann der Verkäufer im Durchschnitt 58000 Euro verdienen (im Konzern 53 000) - was eine fast zehnprozentigen Gehaltserhöhung gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Towers-Perrin-Vergütungsberater Ewert erklärt die unterschiedliche Politik damit, dass die kleineren Firmen ein höheres Geschäftsrisiko tragen und danach trachten, die Fixkosten möglichst niedrig zu halten. "Kleine Firmen übertragen ihren Beschäftigten mehr Verantwortung als große", sagt Ewert. Konsequenz sei, dass die Gehälter stärker an das Ergebnis und die Geschäftsentwicklung gekoppelt seien. Die Großen könnten auf einen breiteren Kundenstamm bauen, dadurch seien das Risiko und in der Folge auch der variable Anteil geringer.

Wie stellt sich nun die Situation der Mitarbeiter mit einigen Jahren Berufserfahrung dar? Solche Berater erreichen in kleinen Unternehmen im Durchschnitt ein Jahresgehalt von 69 000 Euro. Der variable Anteil macht dabei 13 Prozent aus. In großen Firmen verdienen sie durchschnittlich 68000 Euro. Auch im Projekt-Management liegt der erfahrene Mitarbeiter im Mittelstand mit 68000 Euro vor seinem Kollegen im großen Betrieb, der am Jahresende 67000 Euro in der Tasche hat. Auch den erfahrenen Verkäufern geht es im Mittelstand - vorausgesetzt die Geschäfte laufen gut -, besser als in Konzernen. Dank dem hohen variablen Anteil von fast 50 Prozent können die Vertriebler im Mittelstand rund 90000 Euro durchschnittlich erzielen, was einem Plus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. In großen Firmen liegt das Zielgehalt bei 85000 Euro (Vorjahr 77000 Euro), wobei der variable Anteil mit rund 45 Prozent geringer ausfällt. Besser weg kommen im Konzern vor allem die Forscher und Entwickler, die sich durchschnittlich über 67000 Euro im Jahr freuen dürfen, wogegen es der Kollege im Mittelstand auf 63000 Euro bringt. Auffallend ist auch, dass Verwaltungsjobs wie im Personal-, im Finanzwesen und der Rechtsabteilung im Konzern besser dotiert sind als bei den Kleinen. So erhält der Finanzmann beim Mittelständler 57000 Euro, im Konzern aber immerhin 63000 Euro. Vergleichbar qualifizierte andere administrative Tätigkeiten werden ähnlich bezahlt.

Bescheidene Gehaltssteigerung

IT-Fachleute wie Entwickler, Datenbank- und Netzspezialisten verdienen um einiges weniger als Berater und Verkäufer und konnten nur einen minimalen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr verbuchen. Darüber hinaus schneiden die Technikpositionen im Mittelstand schlechter ab als in großen Betrieben. So kommen die Juniorprogrammierer und Nachwuchs-Netzspezialisten auf ein durchschnittliches Salär von etwa 42000 Euro (Vorjahr 41000 Euro), wobei der variable Anteil zehn Prozent ausmacht. Der Datenbankexperte muss sich mit 32 000 Euro, also dem gleichen Einkommen wie im vergangenen Jahr, begnügen.

Auch für die erfahrenen IT-Experten wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Der Programmierprofi verdient 49 000 Euro im Jahr, was dem Gehalt vom Vorjahr entspricht. Der Netzwerkprofi hat es mit 60 000 Euro besser, allerdings muss auch er nach Towers-Perrin-Berechnungen eine Nullrunde hinlegen. Der variable Anteil macht dabei jeweils 13 Prozent aus. Auch hier schneidet der Datenbankfachmann am schlechtesten ab und verdient wie im Vorjahr 41000 Euro mit einem minimalen variablen Anteil von drei Prozent.

Außer für Netzwerkadministratoren fällt der Unterschied zu IT-Gehältern in Großfirmen relativ hoch aus. Der Programmierer kommt dort auf 59000 Euro im Jahr, also auf 20 Prozent mehr als beim Mittelständler, und der Datenbankler auf 54000 Euro, 30 Prozent mehr als beim Kleinen. Der Netzspezialist schafft durchschnittlich 60000 Euro, das gleiche Gehalt wie im Mittelstand.

Weniger Geld bei Anwenderunternehmen

Mittelständische Anwenderunternehmen bezahlen ihre IT-Experten um zehn bis 20 Prozent schlechter als IT-Firmen vergleichbarer Größe. Als wichtigste Gründe nennt Vergütungsspezialist Ewers, dass beim Anwender IT nicht Kerngeschäft ist und die Mitarbeiter gelegentlich etwas schlechter qualifiziert und die Aufgaben nicht so komplex sind wie bei den Herstellern. Oft leisten sich Anwender für die anspruchsvollen Arbeiten den Service der Hersteller, und der eigenen IT-Abteilung bleibt nur noch der Support übrig.

Am deutlichsten wird der Gehaltsunterschied zwischen Mittelstand und Konzern allerdings bei den Manager-Einkommen. Nach dem Motto "Je größer das Unternehmen und je höher in der Hierarchie, desto dicker ist die Brieftasche" erreichen IT-Bosse großer Firmen ein Zielgehalt von durchschnittlich 426000 Euro (Vorjahr 420000 Euro), wobei der variable Anteil etwa 40 Prozent ausmacht. Zwar muss der mittelständische Chef auch nicht darben, aber mit 196000 Euro (Vorjahr 185000 Euro) Jahressalär verdient er immerhin gut über die Hälfte weniger als sein Pendant im Konzern.

Im mittleren Management werden die Unterschiede zwischen den Gehältern in großen und kleinen Unternehmen geringer. Während die Spanne beim Bereichsleiter noch rund 80 Prozent ausmacht - im Mittelstand verdient er 124000 Euro - ,liegt sie beim Abteilungsleiter mit 94000 Euro nur noch bei 25 Prozent und beim Projektleiter mit 72000 Euro bei rund zehn Prozent. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies ein Einkommenswachstum im unteren einstelligen Bereich.

Für Vergütungsberater Ewert waren die letzten Monate eine Zeit der Konsolidierung und Stabilisierung. Er geht davon aus, dass bei zukünftigen Gehaltsrunden für die IT-Beschäftigten wieder ein Zuwachs von durchschnittlich drei Prozent herauskommt.

Studiensteckbrief

Untersuchung von: Towers Perrin und Computerwoche

Studiengegenstand: Gehälter im IT-Mittelstand

Befragte: 95 Unternehmen bis 300 Millionen Euro Umsatz

Vergleichsgruppe: Unternehmen größer 300 Millionen Euro Umsatz

Branche: TK und IT

Abb.1: Das verdienen Führungskräfte im Mittelstand

Topmanager in mittelständischen Firmen verdienen mehr in diesem Jahr - Bereichs- und Abteilungsleitern dagegen bleibt weniger übrig als 2003. Quelle: Towers Perrin

Abb.2: Das verdienen die Spezialisten im Mittelstand

Nachdem sich in diesem Jahr viele mit einer Nullrunde zufrieden geben mussten, rechnen die Vergütungsexperten mit einem Plus für 2005. Quelle: Towers Perrin