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31.03.2000 - 

Interview

"Viele Gespräche werden notwendig sein"

Mit Thomas Peters, DeutschlandGeschäftsführer und Vice President bei 3Com, sprach CW-Redakteur Martin Seiler

CW: Vor nicht ganz einem Jahr hat 3Com erst seine Geschäftsstruktur überarbeitet, jetzt kündigen Sie erneut eine Transformation an - weiß das Unternehmen nicht, wohin es gehen soll?

PETERS: Das wissen wir sehr wohl. Die Analysten haben uns in den letzten zwei Jahren - und besonders nach der Ausgliederung der Palm-Division - immer wieder nach unserem Weg gefragt. Darauf geben wir jetzt die Antwort: Wir konzentrieren uns auf einige Wachstumsmärkte, in denen wir eine Führungsposition wahrnehmen können und die eine hohe Profitabilität versprechen.

CW: Die neue Strategie bedeutet, dass Sie sich von dem jahrelang verkündeten Anspruch, ein Komplettanbieter im Netzbereich zu sein, verabschieden?

PETERS. Ja. Wir konzentrieren uns jetzt im Bezug auf Netzwerke auf den Heimbereich und die kleinen und mittleren Unternehmen. Für deutsche Verhältnisse ist das ja auch nicht schlecht, schließlich sind wir ein Mittelstandsland. Wir müssen uns aber von den Backbone-Netzwerklösungen für die großen Unternehmenszentralen verabschieden.

CW: Sie überlassen dieses Feld dem Konkurrenten Cisco?

PETERS: Das suchen wir uns nicht aus, das sucht sich der Kunde aus.

CW: Wurde die Anwenderbasis von 3Com über die Änderungen informiert?

PETERS: Seit der öffentlichen Bekanntgabe der Umstrukturierung reden wir mit ihnen darüber. Vorab durften wir natürlich nichts sagen.

CW: Und wie sieht die Reaktion aus?

PETERS: Große Überraschung, die logischerweise nicht positiver Natur sein kann. In den nächsten Monaten werden da viele Gespräche notwendig sein. Für uns ist es ganz wichtig, dass wir unseren Kunden Migrationswege zeigen und ihnen signalisieren: Wir lassen euch nicht im Regen stehen.

CW: Extreme Networks soll mit seinen Produkten in die Bresche springen, die unter anderem die Aufgabe der "Corebuilder"-Reihe reißt. Gibt es schon konkrete Migrationspläne?

PETERS: Wir sitzen derzeit mit dem Management von Extreme zusammen, um solche Pläne zu entwickeln, die dann den Kunden erläutert werden. Sie müssen bedenken, dass dieses Projekt - wie es bei solch schwerwiegenden Umstrukturierungsmaßnahmen immer der Fall ist - nur wenigen Mitarbeitern bekannt war.

CW: Welche Folgen hat die Umstrukturierung für die hiesige Niederlassung?

PETERS: Weil der Systemanteil in Deutschland sehr hoch war, wird 3Com Deutschland für eine Landesgesellschaft übermäßig stark betroffen sein. Wir sind mit Abstand die größte Niederlassung außerhalb der USA und haben die Spanne zu den anderen Landesgesellschaften noch einmal erheblich erweitert. Von den Top-Ten-Firmen in Deutschland setzen drei auf unsere Produkte. Weil wir im Bereich Systemgeschäft mit am erfolgreichsten waren, sind wir auch stark von der Umstrukturierung betroffen.

CW: Wie sehen die Konsequenzen für die Mitarbeiter aus? Weltweit sollen 2700 Arbeitsplätze von der Neuaufstellung berührt sein.

PETERS: Die genauen Zahlen liegen mir noch nicht vor, momentan verändert sich die Situation auch noch täglich. Wir haben den Mitarbeitern auf einer Versammlung mitgeteilt, wo es langgeht, aber das ist ein Prozess, der nicht nur von heute bis morgen dauert. Wir wollen vernünftig mit jedem Angestellten sprechen, eine festgelegte Zahl nach dem Motto "Soundsoviele müssen gehen" gibt es nicht. Es laufen auch in dieser Hinsicht Gespräche mit Extreme, weil von den 2700 Mitarbeitern weltweit 1700 zu Partnern gehen werden. De facto entlassen werden 1000 Angestellte.

CW: Dann ist die Stimmung bei 3Com momentan wohl eher gedämpft.

PETERS: Den Umständen entsprechend. Ich kann die Reaktion ähnlich wie bei den Kunden nur als überrascht charakterisieren. Aber wie auch die Analysten hat im Grunde jeder bei uns darauf gewartet und damit gerechnet, dass mal eine größere Sache passiert.

CW: Wie geht es weiter?

PETERS: Sie können davon ausgehen, dass mit den drei Milliarden Barvermögen, die 3Com momentan hat, in absehbarer Zeit etwas geschieht, was natürlich nicht von uns mitgesteuert wird, sondern allein von der Corporation in den USA ausgeht. Dieses Geld wird auf lange Sicht nicht auf die Sparkasse gebracht. Bei uns ist Bewegung drin.