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27.04.1979 - 

Anwenderbericht über das Nixdorf-System 88701 in einer Freiburger Schule:

Viele Schulen unter einem Dach mit einer EDV

27.04.1979

FREIBURG (pi) - Berichte vom Einsatz eines Computers im Schulunterricht bedeuten keine Besonderheit mehr. Neu und vor allem außergewöhnlich großzügig dürfte jedoch die Konzeption der Max-Weber-Schule in Freiburg sein, mit mehreren Bildschirm-Arbeitsplätzen möglichst vielen Schülern Computerleistung zur Lösung unterschiedlicher Aufgaben anzubieten. Diese Konzeption wird sich überall dort als vorteilhaft erweisen, wo - ähnlich wie in Freiburg - mehrere Schularten mit unterschiedlichen Bildungszielen unter einem Dach zusammengefaßt sind.

Die Max-Weber-Schule umfaßt als berufliches, kaufmännisches Schulzentrum sieben Schularten:

- die kaufmännische Berufsschule für: Berufe der Berufsfelder Einzelhandel, Gesundheitsdienst und für den Ausbildungsberuf Industriekaufmann;

- die Wirtschaftsschule mit dem Wahlpflichtbereich "Datenverarbeitung";

- das kaufmännische Berufskolleg I und II;

- die kaufmännische Berufsaufbauschule;

- das Wirtschaftsgymnasium;

- die Fachschule für Betriebswirtschaft, unter anderem mit der Fachstufe

"Büroorganisation mit Datenverarbeitung;

- das Telekolleg I und II.

Im Schuljahr 1977/78 besuchten 1558 Schüler und Schülerinnen die Teilzeitschule und 518 die Vollzeitschulen.

Parallelunterricht mit EDV-Anlage

Wegen der Vielzahl von Schularten und Schulklassen einerseits, der beschränkten Zahl verfügbarer Unterrichtsräume andererseits, ist oftmals zeitlich paralleler Unterricht mit der EDV-Anlage unvermeidbar. Mit Bildschirm-Arbeitsplätzen in mehreren Räumen läßt sich dieser Engpaß beheben.

Bildungs- und Erziehungsaufgaben der einzelnen Schularten der Max-Weber-Schule konkretisieren sich in den Richtzielen der zu unterrichtenden Fächer. Richtziele für die Ausbildung mit einer EDV-Anlage sind, bedingt durch unterschiedliche Bildungs- und Erziehungsziele, in verschiedenen Fächern formuliert, so in den Fächern "Rechnungswesen mit Datenverarbeitung" "Büroorganisation mit Datenverarbeitung", "Datenverarbeitung (EDV)" etc..

Im einzelnen lauten solche Richtziele:

- Fähigkeit, Programme zu erstellen, zu testen und zu dokumentieren;

- Kenntnis des Aufbaus und der Arbeitsweise einer EDV-Anlage;

- Probleme analysieren und algorithmisch aufbereiten;

- Leistungsvermögen und Leistungsgrenze einer EDV-Anlage für die Lösung eigener Probleme erkennen;

- Rationelle Gestaltung von Abläufen in kaufmännischen Funktionsbereichen mit Hilfe einer EDV-Anlage;

- Erlernung von Verfahrens- und Planungstechniken zur Lösung praktischer kaufmännischen Probleme mit Hilfe einer EDV-Anlage, mit dem Ziel, richtige Entscheidungen unter erschwerenden Bedingungen des Zeitmangels und des Informationsmangels treffen zu können.

Systemauswahl

Die Verwirklichung der an der Max-Weber-Schule ins Auge gefaßten Konzeption machte die Anschaffung einer neuen EDV-Anlage erforderlich, weil das vorhandene System technologisch veraltet war und als Einplatz-System keine Dialog-Programmierung von mehreren Arbeitsplätzen gestattet. Den verbindlichen Rahmen bildeten die "Empfehlungen zum Einsatz geeigneter Datenverarbeitungsgeräte für den Unterricht an beruflichen Schulen" und zwar hier Kaufmännische Berufsschulen, Wirtschaftsschulen und Wirtschaftsgymnasien, herausgegeben von der Datenzentrale Baden-Württemberg. Aus dem Katalog von Mindestanforderungen seien nur erwähnt:

- Durchführbarkeit praktischer Übungen in der Programmiersprache Basic;

- Möglichkeiten zum Ausbau des EDV-Systems als Mehrplatzsystem;

- Bildschirme mit Videoausgang;

- Herstellersoftware für Demonstrationen zum Beispiel im Fach Betriebswirtschaftslehre.

Aus pädagogischer Sicht war aufgrund früherer Erfahrungen beim Einsatz von EDV-Anlagen im Unterricht dieser Katalog der Datenzentrale um eine, weitere Forderung zu ergänzen: Da es sich bei Lehrern und Schülern nicht um EDV-Experten handelt, sollte die

Bedienung der neuen Anlage leicht und schnell erlernbar sein.

Leistungsangebot

Eine Gegenüberstellung von Einsatzmerkmalen des Magnetplattensystems Nixdorf 8870/1 im Unterricht der Max-Weber-Schule mit den genannten Anforderungen ergibt folgendes Bild:

- In der Max-Weber-Schule werden mit dem System 8870/1 praktische Übungen in Business Basic durchgeführt.

- Durch die Mehrplatzversion mit einer Ausbaufähigkeit bis zu 8 Bildschirmarbeitsplätzen ist die Voraussetzung gegeben, bei einer Schülerzahl bis zu 24 Schülern das für optimal gehaltene Verhältnis von 3:1 für die Relation Schüler: Dialogstationen zu erzielen. Bei gegenwärtig 3 vorhandenen Arbeitsplätzen wird dem Mangel an Bildschirmen in der Max-Weber-Schule unterrichts-organisatorisch durch Gruppenarbeit (6 Schüler bilden eine Gruppe) begegnet.

- Da die Bildschirme mit Videoausgang ausgestattet sind, konnten vier Fernseh-Monitore an einen Bildschirm angeschlossen werden, so daß es von allen Plätzen im EDV-Fachzimmer aus möglich ist, sämtliche Ein-/Ausgabevorgänge zu verfolgen.

- Zu den Starken des Systems gehört das Angebot vorbereiteter Softwarelösungen für die Aufgabenbereiche Auftragsbearbeitung/Fakturierung, Lagerwirtschaft, Lohn-/Gehaltsabrechnung und Finanzbuchhaltung im modularen Programmpaket Comet. Mit Hilfe des Checklisten-Generators Chico ist es möglich, auf die im Lehrplan für das Fach "Datenverarbeitung" (im Beruflichen Gymnasium - wirtschaftswissenschaftliche Richtung (WG -Jahrgangsstufe 13) hingewiesene Anpassung von Standardprogrammen an individuelle Anwendungen einzugehen.

Für das Erlernen der Bedienung sorgt das in verschiedene hierarchische Ebenen gegliederte Betriebssystem Niros und das Bedienungssystem Tamos (erstens Bediene am Bildschirm und zweitens Steuerung von Zwangsabläufen) Damit erhalten die Schüler eine Vorstellung von Datensicherung in der Praxis.

Die Aufzählung der Leistungsmerkmale des Systems kann mit der Feststellung abgeschlossen werden: Beim Einsatz der 8870/1 im Unterricht werden alle Empfehlungen des Arbeitskreises Schulrechner (ASR) für "Aufbau und Ausstattung von Rechnern für den Unterricht in Schulen der Sekundarstufe II - Planungshorizont 1978/79" (herausgeben n vom Forschungs- und Entwicklungszentrum für objektivierte Lehr, und Lernverfahren (FEoLL) in Paderborn) beachtet.

Anwendungsbeispiele

Nicht nur im Unterricht des Faches "Datenverarbeitung" und in den von diesem Fach eingegangenen Fächerkombinationen mit "Rechnungswesen", "Organisationslehre" oder "Betriebswirtschaftslehre" wird die Anlage eingesetzt. Weitere Anwendungsgebiete ergaben sich nach der Installation von selbst.

Da die Max-Weber-Schule Ausbildungsschule für angehende Lehrer ist, bot es sich an, im Rahmen des vom Freiburger Seminar für Studienreferendare an Beruflichen Schulen durchsehen Ausbildungsprogramms, die Veranstaltung "Didaktik der Datenverarbeitung" in die Max-Weber-Schule zu verlegen. Stellvertretend für weitere Anwendungsbeispiele soll die Testauswertung beschrieben werden.

Als vor Jahren einige Lehrer der Max-Weber-Schule damit begannen, durch maschinelle Testauswertung zur objektivierten Leistungsmessung und damit zu erleichterter Korrektur von Klassenarbeiten zu kommen, konnten sie nicht ahnen, daß das Ministerium für Kultus und

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Konfiguration

Das Magnetplattensystem 8870/1 in der Max-Weber-Schule wurde in der gegenwärtigen Ausbaustufe mit folgenden Merkmalen erstellt:

- Zentraleinheit mit 96 KB;

- Platten mit geteilter Platte 2 x 5 Mio. Bytes;

- 1 Nadeldrucker (150 Zeichen/Sekunde);

- 1 Lochkartenleser (500 Karten/Minute);

- 3 Bildschirm-Arbeitsplätze,(2000 Zeichen) -

davon

1 Bildschirm als Masterplatz;

1 Bildschirm mit vier angeschlossenen Monitoren;

1 transportierbarer und mit Stecker anschließbarer Bildschirm.

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Sport sie später mit einem über Schule hinausgehenden Projekt beauftragen würde. Heute konstruieren die Lehrer kaufmännischer Schulen Tests mit gebundener Beantwortung (multiple choice), setzen diese in ihren eigenen Klassen ein und senden anschließend die auf Port a Punch-Lochkarten gespeicherten Schülerantworten zur zentralen Auswertung an die Max-Weber-Schule. Von hier erhalten die Autoren ein Protokoll mit der Schüleranalyse, aus der die Zahl und die Art der gemachten Fehler pro Schüler ersichtlich ist, ferner eine Aufgabenanalyse für den Lehrer, die Auskunft über die Qualität der gestellten Aufgaben gibt. Nach einem vorgegebenen Verfahren sind die Testaufgaben so lang zu verbessern, bis sie wissenschaftlichen Gütekriterien standhalten. Erst dann werden diese Aufgaben in die aufzubauende Testbank mit vorgeprüften Aufgaben mit gebundener Beantwortung aufgenommen.

Prognose

Das Max-Weber-Schulen-Konzept der verteilten Computerleistung auf mehrere Bildschirm-Arbeitsplätze ist noch expandier- und variierbar. Neue Anwendungen, wie das Mitbenutzen des Rechners durch das Sekretariat, sind möglich.

Mehr Bildschirm-Arbeitsplätze, damit noch mehr Schüler an die Arbeit mit dem Computer herangeführt werden können, steht bei allen Beteiligten an erster Stelle auf der Wunschliste.

*Heinz Schmitz ist Diplomvolkswirt und Fachlehrer für Mathematik,

Statistik und Datenverarbeitung, daneben Lehrbeauftragter am Seminar für Studienreferendare an Beruflichen Fachschulen Freiburgs.